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Veröffentlicht am
03.10.2017
Lesedauer
3 Minuten
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Kristallklar in Plastik bei Chanel

Veröffentlicht am
03.10.2017

Paris Fashion Week: ​Gerade als man dachte, dass das Haus von Chanel keine Ideen mehr hätte, wie es seine enorme Runway-Show inszenieren könnte, da schockierte Karl Lagerfeld sein Publikum mit dem neuesten atemberaubenden Set und auch mit einer ziemlich bemerkenswerten Kollektion.

Chanel - Frühjahr/Sommer 2018 - Womenswear - Paris - Chanel


Inspiriert von der Verdon-Schlucht, der steil abfallenden Schlucht im Süden Frankreichs, bauten Lagerfeld und Chanel eine hoch aufragende Reihe von Wasserfällen drinnen im Grand Palais auf. Von 30 Metern Höhe stürzte das Wasser in einen Fluss hinab, an dessen Ufer seine Besetzung auf einem erhöhten Holzbretter-Steg und in einen wilden Wald marschierte. Cecil B. DeMille hätte nicht nach mehr fragen können.

Allerdings stellte der Designer die rohe Natur mit einer Kollektion, deren Schlüsselmaterial durchsichtiger Kunststoff war, neben einander. Geschmeidig, Hightech und sexy, so kam das Plastik als Mini-Capes, Trenchcoats, kniehohe Stiefel, Stulpenhandschuhe, Park Ranger-Hüte, breite Armbänder und als "Regenmäntel" für viele Taschen vor.

"Wenn man den Preis kennt, den wir für einige dieser Taschen berechnen, kann man sehen, warum sie Schutz brauchen!" witzelte Lagerfeld in seinem privaten Salon hinter der Bühne.

Unter dem ganzen Plastik verbargen sich einige sehr schicke Kleider – rosa und blaue Karo-Cocktail-Kleider und bemerkenswerte, ausgewaschene, karierte Bouclé-Bustier-Tops und Jacken mit wilden Fransen, dazu ärmellose Kleider mit Weltraumzeitalter-Schultern und extrem hohe Halsketten oder Mohair-Mäntel mit XL-Tartan-Muster, die an der Taille mit Kristall besetzten Gürteln verschmälert wurden. Alles gepaart mit den durchsichtigen Plastikstiefeln mit der für Chanel klassischen Kappe in Schwarz und dem doppelten C-Logo an der Ferse.


Chanel - Frühjahr/Sommer 2018 - Womenswear - Paris - © PixelFormula



"Warum Plastik? Ich stelle keine Fragen. Wäre ich anmaßend, würde ich sagen, ich versuche nur, die Antworten zu geben. Ich erträume die Ideen und du schreibst über sie. Ich mag es nicht, die Mode zu erklären und darüber zu philosophieren. Ich habe die Show nicht gesehen, du aber. Ich bin nicht Spinoza", witzelte der Designer mit einem Redakteur und bezog sich auf den niederländischen Philosophen.

Das Plastik – das um die Einladung und das aufwendige Programmheft gewickelt war – und alle anderen Materialien wurden für Chanel maßgefertigt und trugen zu der Einzigartigkeit der Stimmung bei.

"Plastik ist ein schönes Material. Es ist etwas, was vor 40 Jahren nicht existierte und die Qualität ist sehr gut. Schließlich ist es besser als die alten, langweiligen französischen Stoffe", sagte Lagerfeld, nachdem er einige glasierte, weiße Bouclé-Mäntel und mit Plastik veredelte Schneeprinzessinnen-Kleider auf den Laufsteg geschickt hatte.

Der Designer verriet, dass er seine Einladung vor einer Woche abgeändert hatte, nachdem er wegen eines Traumes aufgewacht war und das Bild einer modernen Chanel-Göre mit großen tropfenförmigen Ohrringen und einem Glockenhut visualisierte.

"Die besten Ideen kommen mir in meinen Träumen. Ich muss ein Schlafwandler sein", erzählte der deutsche Couturier nickend im Backstage-Bereich, unter einem massiven Gerüst stehend, das den herrlichen Wasserfall stützte.

"Es gibt kein Leben in der Welt ohne Wasser, also erscheint mir ein Wasserfall als sehr, sehr, sehr gesund", fügte Lagerfeld hinzu. Sogar die Götter schienen über diese Show zu wachen, als nach der Hälfte dieses Spektakels plötzlich ein Regenbogen im Himmel über dem Grand Palais zu sehen war.

Was die Politik anbelangt, berichtete Lagerfeld, dass seine jüngste Karikatur für seine regelmäßige Seite in dem Farbdruck-Supplement der führenden deutschen Tageszeitung "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ein Kommentar zu Bundeskanzlerin Angela Merkel sein werde.

"Ich war so wütend über Frau Merkel, indirekt, die Nazis zurückzubringen. Also habe ich die gemeinste Skizze gemalt. Wenn sie nicht gesagt hätte, ich solle eine Million Flüchtlinge aufnehmen, hätte sie jetzt nicht so viele Stimmen verloren. Zuvor gab es in unserem Parlament keine Nazis, jetzt sind es fast 90. Recht herzlichen Dank!", schnaubte der Designer.

"Die Franzosen, die die Menschenrechte erfunden haben, nahmen 30.000 Menschen auf, aber sie [Merkel] nahm eine Million auf ... Aber nachdem sie ein sehr schlechtes Image wegen der griechischen Thematik hatte, wollte sie ein engelsgleiches mit diesem Problem schaffen", sagte Lagerfeld, bezogen auf die Wahl der Abgeordneten der AfD-Partei, die 13 % der Wählerstimmen bei den Wahlen letzte Woche erhielten, als er die Skizze zeigte, die Ende diesen Monats veröffentlicht werden wird.

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