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Lateinamerikanische Einflüsse bei Loewe

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
27.09.2019
Lesedauer
3 Minuten
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Jonathan Anderson hat für Loewe nur selten eine so urspanische Ambiance geschaffen wie an seiner jüngsten Show in Paris am Freitagmorgen. Eine Hymne an die iberische Halbinsel und ihre grandiose Geschichte.


Loewe - Frühjahr/Sommer 2020 - Womenswear - Paris - © PixelFormula


Eine Limousinen-Flotte chauffierte rund 500 verwöhnte Seelen an Jonathan Andersons Lieblings-Location: Das UNESCO-Gebäude im schicken 7. Arrondissement von Paris. Die Crème de la Crème der Moderedakteure, eine Armee von asiatischen Influencern und sogar A$AP Rocky, der mittlerweile an keiner erwähnenswerten Modenschau in der französischen Hauptstadt mehr fehlen darf, folgten der Einladung.

Jonathan Anderson ist durch seine Tätigkeit für sein eigenes Label in London und als Kreativdirektor des in Spanien ansässigen Labels Loewe ein hochbeschäftigter Mann. Das schiere Gewicht der Damen- und Herrenkollektion zeigte, dass er nicht immer beiden Häusern vollumfänglich gerecht werden kann. Doch in dieser Saison feierte er sowohl mit JW Anderson als auch mit Loewe Riesenerfolge.

Auf dem Catwalk tummelten sich mehr Spitzenkrägen als in einem Dutzend Velasquez-Gemälde unzähliger Päpste. Und die allgemeine Silhouette war den Gemälden des spanischen Königshauses nicht unähnlich – von den Sanduhr-Kleidern bis hin zu künstlerischen Reifröcken. Doch durch den Einsatz unerwarteter Stoffe – technische Spitze und kunsthandwerkliche Stickereien – waren alle 42 Outfits unbestreitbar modern. Und durch die Reduzierung des Konzepts auf das Essenzielle – die Kombination eines durchsichtigen Spitzenrocks mit einem mit winzigen Perlen bestickten semi-transparenten BH – gelang ihm dies mit viel Schwung und Brio.

Eine Mischung aus verführerischer Nonne und suggestiver Prinzessin in einer mit bemerkenswerten Accessoires vollgestopften Show, von den neuen Noppen-Pumps mit ausgeschnittenem Oberteil bis hin zu vorzüglichen oberschenkellangen Stiefeln unter freizügigen Spitzen-Cocktailkleidern aus dem Weltraumzeitalter.


Loewe - Frühjahr/Sommer 2020 - Womenswear - Paris - © PixelFormula


Kein Wunder strahlte im Backstage-Bereich der Chef der LVMH-Modesparte, Sidney Toledano, bis über beide Ohren. Im vergangenen Jahr durchbrach die Marke die 500 Millionen-Euro-Umsatzschranke. In nur fünf Jahren als Kreativdirektor gelang es Jonathan Anderson somit, den Umsatz des Labels zu verdoppeln.
 
Noch nie hat Jonathan Anderson Kleider gezeigt, die so stark mit Couture-Qualität liebäugelten. "Wir haben intensiv mit Ressourcen in England, Frankreich und Spanien gearbeitet. Ich habe mich gefragt, wie wir diese Art von Kleidern auf industrielle Weise herstellen können. Man kann alle diese Ideen haben, aber dann sind die Kleider nicht erreichbar. Es ist also ein Gleichgewicht, man muss alles richtig dosieren – ob man nun Baumwolle, Leder oder Stickereien verwendet", so der Designer.

Sein Set war in verschiedenen Weißtönen gestaltet – ein eierschalenfarbener Teppich, strahlendweiße Plastik-Barstühle, und eine ganze Reihe halbtransparenter Vorhänge, die sich kurz vor dem Beginn der Show hin- und herbewegten. Davor standen riesige Pflanzen in rotierenden Töpfen und eine Reihe riesiger Amethysten.

"Diese Idee hatte ich bei einem Besuch in Japan. Alle Hotelvorhänge geben den Blick auf den Himmel frei. Die Räume können grösser und kleiner werden und ich dachte, die Idee, dass die Pflanzen auf eine Seite gehen und die Vorhänge auf die andere, ist doch sehr Loewe. Die Amethysten sind natürlich Giacometti", ergänzte er.

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