Loewe bietet meditative Pause

Das spanische Label Loewe bot seinem Publikum einen raren Moment der Ruhe im hektischen und unendlichen Trubel der Fashionshows an der Pariser Fashion Week. Die jüngste Kollektion von Jonathan Anderson für das Modehaus mit Sitz in Madrid wurde an einem regnerischen Tag im UNESCO-Gebäude in der französischen Hauptstadt vorgeführt.


Loewe Herbst-/Winterkollektion2018 - Photo: Pixelformula

Aus den Lautsprechern rieselte ein Monolog zur Achtsamkeit und von einem Lehnstuhl aus lud eine junge Frau im Karohemd und Strohhut bei der Lektüre von Don Quichotte meditativ zur Ruhe ein. Auf den Sitzplätzen verteilt lagen weitere Ausgaben von Literaturklassikern in ihrer Originalsprache bereit – von Madame Bovary bis Heart of Darkness. Die Bucheinbände hingegen wurden mit alten Vogue-Coverbildern von Steven Meisel ersetzt. Der legendäre Fotograf lichtet auch alle Loewe-Kollektionen von Jonathan Anderson ab.

"Ich schlug Steven vor, für jedes Buch das jeweils passende Coverbild auszusuchen. Klassik ist immer da, man braucht sie nicht zu verstecken, manchmal muss einfach das Cover gewechselt werden. Wie dem auch sei, ich mochte die Idee, Bücher in ihrer Originalsprache neuaufzulegen. Das bringt eine gewisse Ruhe", erklärte Anderson im dichtgedrängten Backstage-Bereich.

Auch von den fast ausschließlich in dramatische Mäntel gehüllten Models ging eine angenehme Ruhe aus. Gezeigt wurden graue Shearling-Jacken mit sichtbaren Ziernähten und A-Line-Entwürfe mit massigen Zickzack-Mustern, wie auch dunkelgrüne Trenchcoats aus Leder und ein bezaubernder zweireihiger Lammfellmantel. Viele Modelle wurden mit meist sehr breiten Rucksäcken mit drei Taschen kombiniert, in denen problemlos Wälzer wie diejenigen von Cervantes herumgeschleppt werden könnten.

"Es ist Winter, und ich wollte den Fokus auf Mäntel legen, wie auch auf das Aufeinanderprallen verschiedener Texturen. Leder und Baumwolle in Kombination mit Seide oder Lederpaspeln. Die Entwürfe zeugen von Zerbrechlichkeit. Auch unsere DNA steckt drin, ja, bindet sie mit ein", so Anderson.

Doch bleibt des Modemachers Stil stets skurril – mit geschnürten Stoffgriffen, darunter hautfarbene Töne, oder auch Pepita-Jacken ohne Revers und Jesuitenärmel, die bis über die Fingerspitzen reichen.

Anderson zeichnet sich auch weiterhin durch seine große Kunst in der Fertigung von Kleidern aus, in dieser Saison entwarf er weiße Lehrerinnenroben und wunderschöne Röcke aus unzähligen Bänderresten.

Das Set war wie immer tadellos inszeniert. Die Gäste saßen auf Imitationen von Godwin-Sesseln, die nach der Show in den Geschäften der Marke ein neues Leben anfangen können. Den Wänden entlang wurden Wandbehänge und abstrakte Skulpturen errichtet bzw. aufgehängt. Für die Show wurde außerdem ein imposanter Kamin in das Gebäude verfrachtet.

Alles in allem, eine ruhige, meditative Show.
 

Übersetzt von Aline Bonnefoy

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