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Loewe: Kunstvoll, cool und kinetisch

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
30.09.2018
Lesedauer
3 Minuten
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Die jüngste Show von Kreativdirektor Jonathan Anderson für das madrilenische Modehaus Loewe zeugte von seiner beeindruckenden Fähigkeit, Sinnlichkeit und hohe Handwerkskunst zu vereinen.

Loewe - Frühjahr/Sommer 2019 - Womenswear - Paris - © PixelFormula


In gewohnter Manier des nordirischen Designers lud er zur Show in das UNESCO-Gebäude in Paris ein, seine Szene teilte sich in sechs Bereiche auf. Die Inszenierung glich dadurch einer Londoner Kunstgalerie der frühen 60er Jahre, in der "die Menschen etwas gemeinsam hatten. Sie fanden Gefallen daran, Dinge zu schaffen und mit ihnen zu experimentieren", so Anderson.
 
Es war eine kinetische Kollektion, die uns dargeboten wurde. Fast alle Looks waren mit Fragmenten, Fäden und Fransen versehen, aus Fuß- und Handgelenken und Schultern entwuchsen Federn. Und – entgegen seinen nordirischen Wurzeln – zeigte Anderson sechs federbesetzte Looks in den irischen Farben Grün, Weiß und Orange. Der Laufsteg führte die Models an einer bemerkenswerten Skulptur der italienischen Künstlerin Lara Favaretto vorbei, die eine überdimensionierte Bürstenwaschanlage darstellt. Ein Bilderbuchbeispiel kinetischer Kunst, die in den 20er Jahren auftauchte und in den 60er Jahren ein Comeback feierte.

Jeder Bereich war unterschiedlich gestaltet, so widerspiegelte sich szenografisch die Tatsache, dass die gezeigten Kleidern nicht einem einzigen Thema zuzuordnen waren. In einem Bereich befanden sich 35 Plattenspieler, hier schlenderte ein mit weißen Seemannshosen bekleideter muskulöser blonder Adonis herum und legte Platten auf wie ein DJ aus dem Film Blow Up. In allen Bereichen häuften sich verschiedene muschelförmige Körbe aus Buchen-, Kieferholz und Weidenzweigen. Geschaffen wurden die Weichtiere in Handarbeit vom irischen Künstler Joe Hogan. Der ehemalige Gewinner des Loewe Craft Prize lieferte mit seinen Kreationen außerdem die Inspiration für eine hervorragende neue Handtaschen-Serie.


Loewe - Frühjahr/Sommer 2019 - Womenswear - Paris - © PixelFormula


Dazu zählen muschelförmige Umhängetaschen aus Schlangenleder und Schilfrohr, überdimensionierte Strohkörbe mit ledernem Loewe-Logo und riesige Schulterbeutel.

Die Kollektion entsprach vielfältigen Stimmungen, von wogenden blauen Seidenpyjamas mit federbesetztem Brustharnisch über maurisch anmutende Kleider aus riesigen Velourslederstreifen bis hin zu einem bemerkenswerten asymmetrischen Patchwork-Kleid mit horizontalen Streifen. Ganz große Texturkunst.

Dazu eine großartige Serie von mit Lassos und Schnallen verzierten Stiefeln aus Wildleder, dem neuen Kultmaterial von Loewe.

"Totems in einem kinetischen Raum. Die Handwerkskunst bildet das kreative Rückgrat der Marke. Ich denke, wir brauchen nicht ruhelos umherzurennen. Für mich ist es ein Lederhaus und ich habe wirklich schwer daran gearbeitet, die Taschenkollektion auf das der Marke gebührende Niveau heraufzubringen", so Anderson im Backstage-Bereich.

"Kleidung in Bewegung, auf eine Seite verweht, wie wenn wir dem Bus nachrennen oder eine elektrische Ladung verspüren. Eine Zelebrierung des Schönen und Sinnlichen", erklärte der nordirische Designer abschließend. Auf der Einladung zur Show prangte ein verwaschenes Bild des Grabsteins des berühmtesten Nordiren im Pariser Exil, Oscar Wilde. Umrandet wurde das Bild von tiefroten Kusslippen.

Lara Favarettos Kunst wird als Kritik des hohen Preises und der Opfer unseres modernen Lebens verstanden. Andersons Mode hingegen zelebriert die Moderne mit offenen Armen.

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