London Fashion Week: Zwischen Romantik und Krise

Zwei Retrospektiven, die derzeit in London direkt nebeneinander gezeigt werden, fingen die Stimmung der fünftägigen Modesaison der Stadt, die an diesem Dienstagabend endet, auf treffende Weise ein.

Reality Inverse - Serpentine Gallery - London

Sie wurden in der Tate Britain Kunstgalerie inszeniert und waren eine dramatische Studie der Kontraste: Edward Burne-Jones, der große präraffaelitische Maler und Symbolist, der Visionen von großer heraldischer Schönheit komponierte, und Don McCullin, der legendäre Kriegsfotograf.
 
Etwas von dieser Suche nach unvergleichlicher Schönheit inmitten einer Katastrophe war auch am Samstagabend zu beobachten. Eines der großen künstlerischen Duos der Mode präsentierte ein besonders cooles Maison Margiela-Ereignis in der Serpentine-Galerie, wo Insider wirklich großartige Bilder bewundern konnten.
 
In einem Kurzfilm mit dem Titel "Reality Inverse" stellten der Designer John Galliano und der Modefotograf Nick Knight an der Schnittstelle von Mode und Kunst ihre Vision dar – in einem farbreichen visuellen Dialog, der die neueste, von Galliano für das Haus Margiela entworfene Prêt-à-porter-Kollektion zeigte.

 
 
"Es ging um die erstaunlichen Materialien, die John erfunden hat. Wir haben es im Negativfilm aufgenommen, um die großartigen Effekte zu betonen", sagte der angenehm bescheidene Knight.
 
Die Pariser Marke präsentierte das sechsminütige Video in zwei Formen. Zuerst auf einer riesigen Leinwand, die kaum in den zentralen Ausstellungsraum der Galerie im Hyde Park zu passen schien. Dann auf einem Dutzend Virtual-Reality-Brillen, die die Gäste tragen konnten, während sie auf drehbaren Vitra-Stühlen saßen. Kollidierende und schöne Bilder, von denen wir vermuten, dass Burne Jones sie bewundert hätte. In einer brillanten Gegenüberstellung wählte DJ Jeremy Healy Roy Orbisons "In Dreams" als Soundtrack, dessen Stimme mit Tremolo-Effekt einen idealen Kontrast erzeugte.
 
"Wir haben alles hier drüben in den Park Royal Studios gedreht. Aber vor zwei Wochen ist alles abgebrannt", stöhnte der große Fotograf.

Mythen und Legenden waren auch bei der jüngsten Show von Mary Katrantzou zu sehen, deren Kollektion mit dem Titel "Universal Pictures" vom altgriechischen Philosophen Empedokles inspiriert war und sich auf die Elemente Erde, Wind, Feuer und Wasser bezog.


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Mary Katrantzou - Herbst/Winter2019 - Womenswear - Londres - © PixelFormula

Das Ergebnis waren große Mäntel aus Marabufedern und Tüllrüschen, die nebulöse Supernovas darstellen sollten. Was passend schien, wenn man bedenkt, dass Natalia Vodianova die Show in einem solchen Mantel eröffnete und ihr Instagram-Account Natasupernova lautet.
 
Makrofotografien von Erdspalten fanden Verwendung in Nachthemden und mit Kristallen besetzten Lederjacken. Wenn das nach zu viel klingt, dann weil es so war. Katrantzou, eine großartige Designerin, schien sich viel zu sehr anstrengen zu wollen.

Zwei Tage später zeigte der Schotte Christopher Kane, ein weiterer ehemaliger aufstrebender Star der britischen Mode, eine seltsame Fetischkollektion, bei der viele der Oberteile und Mäntel die Worte "Rubberist" oder "Looner" trugen. Hergestellt aus Gummi, Latex und Kunststoff waren die Kleidungsstücke interessant, aber nicht besonders attraktiv. Ehrlich gesagt, seit sich Kane von der riesigen französischen Luxusgruppe Kering getrennt hat, wirkt er etwas verloren. In der Tat, fast in der Krise.


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Christopher Kane - Herbst/Winter2019 - Womenswear - Londres - © PixelFormula

Vor einem Jahrzehnt waren Kane und Katrantzou die aufstrebenden Stars der Londoner Szene. Aber es ist eine Stadt, die immer wieder Newcomer hervorbringt und bereit ist, die Größten der Branche in den Schatten zu stellen.
 
Eine der größten Modeinstitutionen der Stadt ist Lulu Kennedy, Gründer und die treibende Kraft hinter Fashion East. Ehrlich gesagt, und bei allem Respekt für meine französischen Kollegen bei ANDAM, Hyeres und dem LVMH-Preis, hat keine andere Organisation zur Entdeckung von Talenten eine bessere Erfolgsbilanz als Fashion East. Auch in dieser Saison fand Kennedy zwei wichtige neue Talente.
 
Gareth Wrighton zeigte Bilder an der Kreuzung von Arcadia und Dystopia auf bemerkenswerten Strickpullovern, Jacken und Strickjacken, die zu Hosen kombiniert wurden, die mit Streifen verziert waren. Sie alle sahen großartig aus und fingen die beiden Kräfte ein, die durch London strömten; die Suche nach Schönheit inmitten tiefer Ängste um die Zukunft des Post-Brexit-Britanniens und die Sorge um einen ökologisch gefährdeten Planeten.


Gareth Wrighton - Herbst/ Winter 2019 - London - Photo: Fashion East/ Instagram

Charlotte Knowles, ein Duo bestehend aus Charlotte Knowles und Alexandre Arsenault, vermischte Bademodenfantasien, Dessous, ultra strenge Schnitte und Lycra zu erstaunlichen und beunruhigenden Hybrid-Kleidungsstücken. Das Runway-Debüt eines interessanten neuen Duos.
 
Kurz gesagt, diese London Fashion Week war durchaus kraftvoll und es mangelte nicht an Kontrasten.

Übersetzt von Felicia Enderes

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