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Fabeau
Veröffentlicht am
22.02.2016
Lesedauer
3 Minuten
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London ist Mode- und Tech-Hauptstadt

Von
Fabeau
Veröffentlicht am
22.02.2016



Vivienne Westwood


Paul Smith


Mary Katrantzou
Kurz vor dem Ende kann man schon mal beginnen, die London Fashion Week (LFW) Revue passieren zu lassen - immerhin wurden die meisten der 83 Designer schon gezeigt. Und während die Stimmung in New York letzte Woche wegen der künftigen neuen Konsumentenausrichtung irgendwo zwischen Unsicherheit und Erwartung schwankte, präsentiert sich die britische Metropole dieser Tage selbstbewusst wie nie.
Die Voraussetzungen Londons als Modestadt sind exzellent: Die Stadt oder besser deren Fashion-Szene verfügt mit dem British Fashion Council (BFC) über ein einflussreiches Organ und viele prominente Fürsprecher. Das kommt nicht von ungefähr: Die britische Modeindustrie steuert 26 Mrd. Pfund zum Bruttoinlandsprodukt bei (Tendenz steigend) und beschäftigt über eine dreiviertel Million Menschen in ihren Reihen. Die Londoner Designerriege ist längst nicht so überaltert wie in Mailand oder Paris, auch wenn es mittlerweile bereits die 63. Ausgabe ist, und bietet doch gleichzeitig international zugkräftige Namen mit denen Berlin (noch) nicht aufwarten kann. Zudem orientierte sich der Londoner Stil größtenteils von jeher auch immer am Konsumenten statt Begehrlichkeiten im kreativen Luxus-Elfenbeinturm zu nähren, so dass der Ankündigungen wie von Burberry, die Schauen für Endkunden zu veranstalten, weniger Panik erzeugte als in New York oder Paris. Die Themsen-Metropole geht den Weg sogar mit, zumindest teilweise und lässt die Schauen auf 60 Leinwänden im ganzen Land streamen, um so geschätzten 35 Millionen Briten für das Spektakel zu begeistern.
Einen weiteren Schub bekam die London Fashion Week von Natalie Massenet, der Gründerin des Onlinehändlers Net-a-Porter, die jetzt in den Adelsstand erhoben wurde. Als BFC-Chairwoman sei sie „ungeheuer stolz“ darauf, Londons Reputation damit zu stärken, die internationale Modewelt durch Technologie aufzubrechen. „Wir machen London jetzt zur Hauptstadt von Mode und Technologie“, sagte sie in ihrer Dankesrede.

The weird and the wonderful: Ein kleiner Rückblick auf die Kollektionen

Die Eröffnung der London Fashion Week erfolgte durch die Londoner Designerin Sadie Williams, gefolgt von der heiß erwarteten Show der koreanischen Saint Martins-Absolventin J. JS Lee. Später am Abend folgten dann noch DAKS, Strickkönig Paul Costelloe und Charlotte Olympia mit ihrer düsteren Schuh- und Accessoires-Show mit dem Retro-Titel: „The Girl who fell to Earth“. Simone Rocha spielte am Samstag mit Maxilängen, Tüll, Spitze, Stickereien und zarten Goldapplikationen. J.W. Anderson zeigte technokratische Cocktailmode - steif beim Tragen, cool im Auftritt. Viele Besucher zeigten sich enttäuscht über die einstündig verspätete Show von Gareth Pugh, der auf Schulterpolster, scharfe Schnitte und eine Hannibal-Lecter-Maske setzte - alles in allem überzogen, aber nicht kreativ.
Der Sonntag startete mit einer opulent-verträumten Kollektion von Preen by Thornton Bregazzi mit Models, die das Duo selbst als „Poetry Groupies“ betitelte. Auch Mary Katrantzou ließ sich literarisch inspirieren und schickte eine Comic- und Western-inspirierte Kollektion über einen silbergalaktischen Laufsteg. Johnny Cocas Debüt bei Mulberry machte Spaß: Street-Chic - ehrlich, tough und irgendwie englisch, ohne natürlich den Fokus von der Cash-Cow - der Tasche - zu nehmen. Die Rückkehr von Sarah Burton und Alexander McQueen wurde heiß erwartet, aber durchwachsen aufgenommen: Einige lobten ihre düster-romantische Chiffon-Organza-Orgie, für andere war die Kollektion schlichtweg unpraktisch, schwer und zu wenig „contemporary“.
Roksanda (mittlerweile ohne Ilincic) feierte heute ihr Handtaschen-Debüt und auch die Kollektion war aufgrund der schwingenden Ärmel, Samtschleifen und Pierrotkragen auch nostalgisch-romantisch. Erdem feierte (zu Recht) sein zehnjähriges Jubiläum: Seine vom Hollywood der 20er, 30er Jahre inspirierte Kollektion war stimmig, delikat, mit einem Hauch Dramatik. Für die letzte, nicht-instant-erwerbliche Kollektion von Burberry ließ sich Christopher Bailey von der Londoner Bloomsbury Gruppe inspirieren: Fortschrittlich, streitsam, literarisch wie sexuell aktiv: Die Strenge militärischer Mäntel wurden mit Lurex und schimmernden Kleidern und verspielten Details aufgebrochen.

Fotos: Courtesy des British Fashion Council  // J.W. Anderson, Simone Rocha, Gareth Pugh: © Kris Mitchell // Preen by Thornton Bregazzi © Dan Sims // Vivian Westwood, Mulberry: © Shuan James Cox // Sibling: © Sam Wilson

© Fabeau All rights reserved.