Louis Vuitton auf Tuchfühlung mit der Natur
Für seine dritte Louis Vuitton-Runwayshow im bezaubernden Place Dauphine mitten auf der Pariser Ile de la Cité entwarf Virgil Abloh mit Aplomb eine einfallsreiche, smarte, experimentelle und stellenweise gar elegische Kollektion.

Die Models – darunter viele neue Gesichter – marschierten auf den Kopfsteinpflasterwegen durch den dreieckigen Park, viele trugen riesige Blumensträuße in ihren feschen Taschen. Ins Auge stach insbesondere eine dreieckige Weekender-Tasche in einem hellgrünen Daumier-Design. Die üblichen Parkbesucher – ältere, Pastis-trinkende Boule-Spieler – wurden von Hunderten von Fans verdrängt. Und außerhalb des Parks versuchten Tausende weitere Jugendliche fieberhaft, den wachsamen Augen der Security-Männer zu entgehen. Virgil Abloh ist zweifellos der angesagteste Designer der Saison.
Der Kreativdesigner brachte riesige, aufgebauschte Hosen und XL-Jacken in Flieder und Rosa auf den Laufsteg, lila Plissee-Wolle-Trenchcoats und vorzügliche komponierte breitschultrige Zweireiher in der Farbe des Kopfsteinpflasters. Mehrere Models trugen Kränze aus echten Blumen oder aus Stoffblumen, vielmals kombiniert mit Strohhüten und Bergsteigerseilen. Alles ländlich und schick zugleich.

In der vergangenen Saison wurde Virgil Abloh auf den sozialen Netzwerken des Ideenklaus bezichtigt, er soll für seine Louis Vuitton-Menswearshow mehrere Entwürfe von unabhängigen Designern abgekupfert haben. In den kommenden 24 Stunden dürften die Polemik wieder anschwellen.
Wer die Entwürfe des erfolgreichsten zeitgenössischen Menswear-Designers Londons – Craig Green – gesehen hat, dürfte beim Anblick der Abschlusslooks von Louis Vuitton eine gewisse Überraschung verspürt haben. Craig Green ist bekannt für seine zahlreichen Ergänzungen, die er vielen Looks hinzufügt – von Kites über Zelte bis hin zu kleinen Spinnakers. Und genau so endete Virgil Abloh seine Frühjahrskollektion 2020. Beim Schreiben dieser Zeilen kann man regelrecht fühlen, wie Diet Prada die Messer wetzt.
Eigentlich schade, denn es gab so viel Bewundernswertes in dieser Kollektion. Abloh entwarf einige großartige Wellingtons, die er mit delfterblauen Blumen ausstattete, aber auch Vietnam-Veteranenstiefel und einen atemberaubenden fächerförmigen Totebag mit Logo. Dennoch, die Show konnte der gestrigen Performance von Ablohs eigenem Label, Off-White, nicht das Wasser reichen.

Was vielen Fans bleiben wird, sind die Ähnlichkeiten mit Craig Greens Designs. Was für eine Marke wie Vuitton, die sich der Mischung aus kunstvollem Experimentieren und ehrlicher, hochwertiger Handwerkskunst rühmt, alles andere als ideal ist.
Ironischerweise fand die Show in unmittelbarer Nähe des Pariser Handelsgerichts statt. Diejenigen, die alt genug sind, mögen sich bestimmt noch daran erinnern, dass Pierre Bergé in den frühen 90er Jahren in eben diesen Sälen Ralph Lauren wegen eines schwarzen Abendkleids der Markenrechtsverletzung anklagte. Das Gericht, so sei angefügt, sollte ihm im weiteren Verlauf Recht geben.
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