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Louis Vuitton: Die Zukunft ist endlich wieder modisch

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
today 06.03.2019
Lesedauer
access_time 3 Minuten
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Louis Vuitton richtete sich in dieser Saison erneut im Louvre ein und erlaubte es dem rivalisierenden Kunstmuseum Centre Pompidou, in die illustre Institution einzudringen.


Louis Vuitton - Herbst/Winter 2019 - Womenswear - Paris - © PixelFormula


Der Womenswear-Designer des Modehauses, Nicolas Ghesquière, errichtete ein riesiges Zelt im viereckigen Innenhof, dem sogenannten Cour Carrée des Louvres, und bildete darin die Fassade und den Platz vor dem Kunstmuseum Centre Pompidou nach. Sogar die Sitzplätze griffen das leuchtende Rot der elektrischen Paneele des von den Parisern meist schlicht Beaubourg genannten Museums auf.

Ein beeindruckendes visuelles Statement zu Ghesquières Ziel, die Garderobe der Französinnen von heute wagemutig in die Zukunft zu projizieren.

Der Kreativdesigner ließ seine Models um die Köpfe der Zuschauer marschieren und unter der Centre Pompidou-Nachbildung hin- und hereilen. Die Besonderheit des Pariser Museums für moderne Kunst liegt darin, dass die Architekten Richard Rogers und Renzo Piano sein Innerstes nach außen kehrten: Luftschächte, Rohrleitungen und elektrische Leitungen verlaufen um das Gebäude herum.

Genauso machte es Nicolas Ghesquière mit seiner neuen Kollektion: über ein Dutzend silber- und zinnfarbene Kleider wurden mit wallenden Seidenströmen und metallischen Chiffon-Rüschen versehen. Große, luftige Schulterkleider mit großzügigen aufgesetzten Taschen boten ausreichend Stoff für einen elisabethanischen Schneider und genügend Attitüde für einen Star Wars-Piraten.
 
Eine moderne Interpretation des Weltraumzeitalters mit einer ganz besonderen Stimmung, die von den Kopfbedeckungen noch betont wurde – die meisten Models trugen schwarze Ledermützen. Und wer auch immer für das Casting zuständig war verdient dafür das Pendant des Pulitzer Preises – denn das war die erfrischendste Modelauswahl in ganz Europa.

Und der französische Designer lief wirklich zu Höchstform auf. Mit der Rennwagen-Idee hatte er bereits in einer in Monaco präsentierten frühen Cruise Collection für Louis Vuitton geliebäugelt. In dieser Saison entwarf er nun einige großartige Overalls mit quer verlaufenden Reißverschlüssen, Lederröcke mit dem Karo-Muster der Rennflagge und einige vorzügliche Bikerjacken – die sich großartig verkaufen werden.

Außerdem enthielt die Show die mit Abstand beste Schuhkollektion der Saison – mit Ösen überzogene Stiefelchen, deren Stil einer Mischung aus mittelalterlichem Pagen und Lucky Luke entsprach.



Louis Vuitton - Herbst/Winter 2019 - Womenswear - Paris - © PixelFormula


Viel zu oft hat die Zukunft in der Mode einen vertrauten Einschlag – ein Amalgam aus Flash Gordon und André Courrèges. Nicht so an der Vuitton-Show, in der die Zukunft plötzlich überraschend neu und fremdartig erschien. Es mag sich um eine erratische Kollektion mit einem halben Dutzend grober Schnitzer gehandelt haben, die stellenweise bewusst experimental war, es war dennoch ein wichtiges modisches Statement mit bedeutenden Entwürfen als Vorbote der Dinge, die auf die Welt der Luxusmode zukommen werden.

Und wie immer war die Frontrow von Ghesquières Show hochkarätig besetzt: Alicia Vikander, Jennifer Connelly, Sienna Miller, Thandie Newton und Emma Stone. Nicht zu übersehen war die Abwesenheit des Konzernchefs Bernard Arnault. Der Vorstandsvorsitzende und Hauptaktionär des LVMH-Konzerns, dessen mit Abstand rentabelste Tochtermarke Vuitton ist, war weit und breit nicht zu sehen.
 

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