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Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
18.01.2019
Lesedauer
3 Minuten
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Louis Vuitton: Michael Jackson in "50 Shades of Gray"

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
18.01.2019

Wiederholt hat der angesagte Menswear-Designer von Louis Vuitton, Virgil Abloh, in Print- und Onlinemedien betont, dass er kein Designer sei. Für diese selbstbescheidene Haltung erhielt er viel Lob. An seiner zweiten Show für das historische Modehaus zeigte sich jedoch, dass in dieser Aussage vielleicht doch auch ein Fünkchen Wahrheit stecken könnte.


Photo: Virgil Abloh/ Instagram - Virgil Abloh/Instagram


Eines muss man ihm lassen: Virgil Abloh ist ein großartiger Entertainer. Louis Vuitton richtete ein fantastisches Set ein, eine Nachbildung des großen Schmelztiegels der Lower East Side, komplett mit den Straßenschildern der Ludlow Street und der Rivington Street, mit Herbstlaub, Mülleimern, Graffitis von Jim Joe, Lewy BTM und Futura und einer grandiosen Jazz Band von Devonté Hynes, die verschiedene Songs von Michael Jackson zum Besten gab.

Der King of Pop hätte sich geehrt gefühlt, das Modehaus hatte sogar an die berühmten leuchtenden Quadrate aus dem kultigen Billie Jean-Videoclip gedacht. So ist es nicht überraschend, dass auch die Einladung auf Michael Jackson anspielte: Sie bestand aus einem mit Swarovski-Kristallen besetzten weißen Handschuh.

"Es gibt nur einen Louis Vuitton", schrieb Virgil Abloh in Handschrift auf die Einladungen. In seinen Programmnotizen fügte er hinzu: "Sein (Michael Jacksons) Leben wurde zur einzigen erfassten Langzeitstudie, in der der Kleidungssinn eines Menschen vom Kindheits- bis zum Erwachsenenalter auf einer von der ganzen Welt beobachteten Bühne verfolgt wurde".

Als Zeichen der großen Bedeutung der Show saß Luxus-Magnat Bernard Arnault, Präsident des riesigen französischen Modekonzerns LVMH und damit oberster Chef von Louis Vuitton, mit seinen ältesten Söhnen Antoine und Alexandre in der ersten Reihe. Was genau Herrn Arnault durch den Kopf ging, als er im riesigen Zelt in den Tuileries-Gärten von einer Ganja-Duftwolke umhüllt wurde, darüber können wir nur spekulieren.

Nach einem wunderschön ergreifenden Saxophon-Solo unter einer New Yorker Straßenlaterne ging die weitgehend in Dunkelheit gehüllte Show los. Die Eröffnungslooks umfassten Mäntel und Anzüge aus Wollfilz, imposante Silhouetten in dunklen Grautönen mit passenden Reisetaschen. Abloh zeigte eine bauchige Daunenweste in Brooks-Brothers-Grau und einen anthrazitfarbenen Wollmantel, die beide ein raffiniertes LV-Monogramm-Muster aufwiesen. Dazu gab es mehrere massive gefütterte Jacken, die sehr wohl aus der japanischen Avantgarde hätten stammen können und eine Mini-Pufferjacke mit horizontalem Streifen und Kapuze. Viele dieser Outfits paarte Abloh mit Creeper-ähnlichen Turnschuhen. Grau waren auch die vorzüglichen Kavallerie-Hemden und -Jacken, auf denen in brillanter Weise 3D-Bilder von schuftenden Handwerker erschienen.


Photo: Virgil Abloh/ Instagram - Virgil Abloh/Instagram


 
So wie man sich darüber streiten mag, ob Virgil Abloh nun ein Designer ist, kann man auch anzweifeln, dass er ein Schneider ist. Die Schnitte und Linienführung seiner jüngsten Entwürfe waren jedenfalls wenig ausgeschmückt.

Während ein in purpurne Seide gehüllter junger Mann eine bemerkenswerte Imitation von Michael Jacksons Tanzschritten zeigte, die Zuschauer zahlreiche aufsehenerregende Designs begutachten, von den erstaunlichen Leder-Harnischen mit LV-Monogramm bis hin zu verschiedenen Patchwork-Flaggen-Looks mit passenden XL-Totebags. Doch handelte es sich dabei um ein reines Sportswear-Statement, was für eine Marke, die sich als die ultimative Instanz der Reisemode-Eleganz sieht, eher unnatürlich wirkte.

Die Kollektion wurde in Anspielung an Michael Jackson unter den Titel "Sliding, Backwards, Slowly" gestellt. Virgil Abloh verneigte sich zu tosendem Applaus vor einem Schmelztiegel der Kulturen – so vielfältig war das Publikum an den großen Pariser Schauen noch nie. Es gelingt ihm wie keinem anderen, bestehende Barrieren einzureißen, worauf er zu Recht stolz sein darf.

Auf der Einladung stand lediglich Louis Vuitton, ohne Verweis darauf, dass es sich um Menswear handelte. Doch damit nicht genug, wie die französischen Revolutionäre, die den Kalender neu bei null begannen, nannte er dies die "2." Show. Dies hielt er auch auf den kohlefarbenen Schaumstoffkissen auf allen Stühlen im Raum fest.

Schon seit meinen zwanziger Jahren, als ich fünf wundervolle Tage in New York verbracht hatte, versuchte ich mir vorzustellen, wie eine Tanzeinlage Jacksons im New Yorker Lower East Side wohl ausgesehen hätte. Nun kann ich mir die Sache schon viel genauer vorstellen.
 

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