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Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
10.02.2021
Lesedauer
4 Minuten
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Luxus nach 2020: Fünf Prioritäten für Entscheidungsträger

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
10.02.2021

Die Mode- und Luxusindustrie sieht sich mit tiefgreifenden Umwälzungen in ihren Geschäftsmodellen konfrontiert, die sich durch die Pandemie noch beschleunigten. Die im Verlauf des vergangenen Jahres ausgelösten Überlegungen zu neuen Organisationen und Prozessen haben sich noch nicht in einer neuen betrieblichen Realität niedergeschlagen, doch der Wandel ist im Gange. Die Struktur der Kollektionen, der Produktgestaltungsprozess, die Beschaffung, Nachhaltigkeit und Planung/Logistik sind die fünf dringenden Themenbereiche, an denen die Geschäftsführer von Modehäusern und Textilunternehmen arbeiten müssen. Dies geht aus einer Studie des Arbeitgeberverbands der italienischen Textil- und Bekleidungsunternehmen, Sistema Moda Italia (SMI), hervor.
 

Welche Schlüssel zur Erklärung der strukturellen Veränderungen in der Luxusbranche? - ph Viviane Sassen - Louis Vuitton

 
Die SMI-Studie wurde im Juli 2020 unter den CEOs von 300 führenden Luxusunternehmen in Frankreich und Italien, die insgesamt EUR 25 Milliarden Umsatz erzielen, durchgeführt. Sie zeigt die großen strukturellen Veränderungen auf, die sich zusätzlich zu den bereits erwähnten Aspekten auf die Branche auswirken werden. Dazu zählen die Beschleunigung der Digitalisierung, neue Vertriebsmodelle und die Interaktion mit den Verbrauchern. Der Wandel, der im Verlauf von 2021 erfolgen dürfte, wird ab 2022 konkrete Auswirkungen haben. Die Erholung des Marktes wird indes nicht vor 2023 erwartet.

Die wichtigste Erkenntnis der Studie verweist darauf, dass sich die Beziehung zwischen Zulieferern und Marken verändern wird. Es wird eine stärkere Verzahnung der vor- und nachgelagerten Sektoren erwartet, sowohl im kreativen Prozess und der Produktentwicklung als auch in der Produktionsplanung und der Auslieferung. Den Zulieferern wird mit Blick auf ihre Kompetenzen sowie Dienstleistungs- und Nachhaltigkeitsaspekte eine grundlegende Rolle zukommen. Es liegt an ihnen, eine führende Rolle zu übernehmen und den Marken, die diesbezüglich oft nicht über ausreichende Kenntnisse verfügen, entsprechende Lösungen zu bieten. Zu diesem Schluss kommt Studienautor Luca Bettale, Senior Partner bei Long Term Partners.

Bei der Präsentation der Studie am 4. Februar betonte Bettale per Videokonferenz: "Mit dem Covid-19-Schock entdeckten die Marktakteure, wie unglaublich zerbrechlich die Modebranche war und welche Kosten ihre starre Organisation verursachte. Diese lagen weit über den durch den Verzicht auf ein flexibleres System erzielten Einsparungen". Flexibilität dürfte so zum Eckpfeiler des zukünftigen Geschäftsmodells der Luxusindustrie werden, die saisonalen Besonderheiten hingegen könnten verblassen. Die Geschäftstätigkeit wird nicht mehr ausschließlich von den Saisons bestimmt.

Die Saison ist somit nicht mehr der einzige Bezugspunkt, und auch die traditionelle Kollektionsfrequenz wird umgekrempelt. Doch wie sollen die Kollektionen in Zukunft gestaltet werden? Zahlreiche Marken haben den Umfang ihres Angebots bereits reduziert, um rund 30 Prozent. Aus der Studie geht der Wunsch hervor, noch weiter zu gehen und die Kollektionen deutlich zu vereinfachen. Sie sollen sich außerdem stärker an der Auswertung der Verbraucherdaten ausrichten. Die saisonale Struktur des Angebots wird eingeschränkt und durch monatlich eingeführte Neuheiten ausgeglichen, die das Angebot auffrischen.

Auch die Kommunikation ist ein wichtiges Element dieser Umwälzungen. Um Engagement auf den sozialen Netzwerken zu schaffen, sind neue Produkte erforderlich, auch wenn es sich nicht unbedingt um Produkte handelt, die die Marken mit Blick auf ihre Hauptkollektion anbieten wollen. Es gilt, sich neu zu organisieren und neue Tools zu verwenden, die über die reinen Daten hinausgehen. "Manager befassen sich alle mit dem PLM (Product Lifecycle Management), also mit Lösungen, um den Lebenszyklus der Produkte zu verwalten", so Luca Bettale.



Die fünf prioritären Schwerpunkte für den Luxus in der Umfrage - DR

 
Die Beschaffungsmodelle müssen dementsprechend flexibler und in Zusammenarbeit mit den Zulieferern gestaltet werden. Die mächtigsten Konzerne der Branche haben dies bereits verstanden, wie die zahlreichen Übernahmen von Zulieferern bei den meisten Luxushäusern zeigen. Damit erhöhen sie die Kontrolle über ihre Lieferkette. Fehlen die dafür erforderlichen Mittel, müssen sich Luxusunternehmen auf einen echten Dialog und eine enge Beziehung zu ihren vorgelagerten Partnern einlassen.

Die Umwandlung des Angebots wird auch Auswirkungen auf den kreativen Prozess haben, der sich, wie die Erstellung von Prototypen, über das ganze Jahr hinüber erstrecken wird. Doch auch die Produktion bleibt nicht unberührt, sie muss in kürzeren Fristen kleinere Produktmengen liefern können, die dennoch mit dem Thema der Saison (Farbe, Stoffe usw.) im Einklang stehen. Dies zeigt das Bedürfnis einer Verbesserung der logistischen Abläufe zwischen Beschaffung und Produktionskapazitäten auf.

"Zeit, Rhythmus und Volumen werden sich ändern. Wie auch die Arbeitsweise. Die Modehäuser müssen ein flexibles Beschaffungssystem errichten. Dieses ist zwar viel kostspieliger, doch ist diese Umstellung grundlegend. Es gilt, die Flexibilität bei möglichst geringen Kosten in Übereinstimmung mit den Produzenten entsprechend zu planen und zu engineeren. Auch die Bestandsrisiken sind zu organisieren", erklärt der Studienautor.

Dazu kommt als weiteres zentrales Element die nachhaltige Entwicklung. "Die Verbraucher fordern heute konkrete Ergebnisse und Unternehmen müssen sich ernsthafter damit auseinandersetzen. Für viele war Nachhaltigkeit bisher Teil der Kommunikations- und Marketingsphäre. Offensichtlich ist auch hier, dass sich die Veränderung in diesem Bereich nur in Zusammenarbeit mit den Zulieferern erreichen lässt. Gemeinsam können beide Parteien alle diese Themen in Angriff nehmen. Das erfordert ein starkes Designkonzept", schließt Luca Bettale.

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