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Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
17.04.2021
Lesedauer
5 Minuten
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LVMH setzt mit Life 360-Programm auf Ökodesign, Nachverfolgbarkeit und Recyclingkunststoff

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
17.04.2021

Der weltgrößte Luxuskonzern LVMH legt seit Jahresbeginn eine dynamische Entwicklung vor. Am Donnerstag enthüllte die Gruppe nun an ihrer Generalversammlung eine neue Umwelt-Roadmap.


Antoine Arnault - Courtesy of Berluti


Das neue Programm unter dem Titel "Life 360" gibt vier Hauptachsen vor, an denen die Gruppe bis 2030 Fortschritte erzielen will. Es knüpft an das 2016 angestoßene Programm Life 2020 an, das vier Ziele verfolgte: Verbesserung der Umweltperformance für alle Produktkategorien, Einführung besserer Standards in der gesamten Lieferkette, Verbesserung der Schlüsselindikatoren für die Umweltperformance für alle Standorte und Reduktion der CO2-Emissionen. Mit diesen Maßnahmen gelang es dem Konzern eigenen Angaben zufolge, den Anteil erneuerbarer Energien an seinem Energiemix um 40 Prozent zu erhöhen, den Energieverbrauch der Stores um 31 Prozent zu verringern und 74 Prozent des verwendeten Leders aus zertifizierten Gerbereien zu beziehen.

Im Programm Life 360 geht LVMH einen Schritt weiter. Gestützt auf die vier Hauptachsen Kreislaufwirtschaft, Rückverfolgbarkeit, Biodiversität und Respekt für das Klima spricht der Konzern nicht mehr von einer "Verbesserung" der Leistungen oder von spezifischen Zielen. Er kündigt seine Absichten konkret an: "Der neue Umweltkompass des Konzerns ist auf die Zukunft ausgerichtet und legt Aktionspläne fest, die bis 2023, 2026 und 2030 umzusetzen sind". Dies berichtet Antoine Arnault, Image- und Umweltverantwortlicher bei LVMH, an der Generalversammlung.

Unter dem Stichwort Kreislaufwirtschaft bemüht sich der Konzern darum, bis 2026 keine Verpackungen aus nicht rezykliertem Kunststoff aus fossilen Rohstoffen mehr zu verwenden. LVMH folgt damit der Entwicklung im Bereich Polybags, d. h. die für den Transport von Kleidungsstücken und Accessoires weit verbreiteten Einweg-Kunststoffverpackungen, für die in der Branche Alternativen gesucht werden.

Weiter stützt sich der Konzern für alle seine Geschäftsbereiche auf den neuen Ansatz der "kreativen Kreislaufwirtschaft". "Dieser Ansatz wird von unseren Designern getragen. Das ist sehr wichtig, denn sie entscheiden, welche Stoffe verwendet werden. Wir wollen einen neuen Circularity-Gedanken einführen und einer Ökodesign-Strategie folgen", so Hélène Valade, Geschäftsleiterin für Umweltentwicklung, an einer Pressekonferenz. "Ich glaube an das neue Wirtschaftsmodell. Wir wenden es auf die Luxusbranche an. Dadurch können wir hinsichtlich der verwendeten Materialien, den von uns beschafften Bio-Stoffen, innovativ sein, Fortschritte mit regenerativer Langwirtschaft erzielen und nach neuen Stoffen suchen".

Bis 2030 will der Konzern 100 Prozent seiner Produkte gemäß Ökodesign-Ansatz entwerfen. Die Kreislaufwirtschaft soll bereits zuvor gefördert werden, spezifische Dienstleistungen werden ab 2023 eingeführt. "Was uns anspornt ist nicht der Second Hand-Aspekt, sondern vielmehr ein Second Life-Gedanke", führt Hélène Valade aus. "Was die Besonderheit der Produkte ausmacht, ist die Exzellenz der Stoffe und ihre Nachhaltigkeit. Wir werden die von Louis Vuitton und Berlutti entwickelten Reparatur- und Pflegedienstleistungen verstärken und ausbauen". Gegenwärtig scheint der Schwerpunkt im Angebot der Luxushäuser eher auf der Wiederverwendung der Stoffe zu liegen. Doch in den kommenden Jahren will sich der Konzern auch auf die Forschung nach alternativen Stoffen stützen.


Hélène Valade - DR


Obwohl die einzelnen Luxusmarken eigenständig auftreten, betont die Geschäftsführerin den Willen des Konzerns, im Bereich Umwelt und Stoffverwendung einen Austausch zu Best Practices zu fördern. In diesem Sinne wurde innerhalb des Konzerns ein Start-up gegründet, das die verschiedenen Schwestermarken untereinander vernetzt. Ziel ist es, dass Materialbestände, die von einem Unternehmen gelagert, aber nicht benutzt werden, von einer anderen Konzerntochter aufgekauft werden können.

Der Konzern ist weiter bestrebt, bis 2030 100 Prozent der strategischen Versorgungsketten mit einem Rückverfolgbarkeitssystem auszustatten. Angesichts der Transparenzerwartungen der Verbraucher geht LVMH die gesamte Wertschöpfungskette an, um den Kundinnen und Kunden die Herkunft der Stoffe garantieren zu können. Mit Patou testet die Luxusgruppe insbesondere einen QR-Code, der Angaben zur Zusammensetzung enthält. "Das ist immens wichtig. Dadurch können wir einen Überblick über die Verantwortung in der gesamten Wertkette vom Feld zum Store erlangen. 2030 mag weit entfernt scheinen, doch wollen wir alle Branchen mit ihren Spezifitäten berücksichtigen. Bei einigen sind wir bereits weit fortgeschritten. Doch ist es beispielsweise beim Gold sehr schwierig, das Erz vor der Bearbeitung bei den Veredlern zurückzuverfolgen. Beim Leder müssen wir Fortschritte in allen Bereichen machen, die der Gerberei vorgelagert sind. Die modernen Blockchain-Technologien werden in den kommenden Jahren neue Perspektiven eröffnen".

LVMH stützt sich auch mit Blick auf die Biodiversität auf diese Technologie. Der Konzern verzichtet vollständig auf das Sourcing in Gebieten, die von Entwaldung und Desertifikation bedroht sind. Weiter hat er sich zum Ziel gesetzt, "bis 2026 100 Prozent der strategischen Rohstoffe von Händlern zu beziehen, die sich den höchsten Standards zur Erhaltung der Ökosysteme und Ressourcen verpflichtet haben. Die regenerative Landwirtschaft scheint als neuer Stützpfeiler Einzug in die Umweltpolitik des Luxuskonzerns gehalten zu haben. LVMH wolle "bis 2030 5 Millionen Hektar an natürlichen Lebensräumen für die Flora und die Fauna wiederherstellen".

Unter dem Stichwort Klima will der Konzern auch seinen Energieverbrauch verringern. In allen Standorten und den über 5000 Stores weltweit sollen bis 2026 100 Prozent erneuerbare Energien verbraucht und die Treibhausgas-Emissionen um 50 Prozent reduziert werden. "Wir werden auch versuchen, die Umweltauswirkungen der Modewochen zu messen", erklärt Hélène Valade. Die Fédération de la haute couture et de la mode stellt ein Tool zur Verfügung, um die Auswirkungen der Schauen und der Übertragung der Modewochen zu beziffern. Fest steht, dass die digitalen Angebote konkrete Auswirkungen auf die Umwelt haben".

Treibhausgasemissionen, die während der Produktion der Rohstoffe und beim Transport entstehen, machen den Großteil der Konzernemissionen aus. Deshalb bezweckt LVMH, Treibhausgasemissionen pro Wertschöpfungseinheit bis 2030 um 55 Prozent zu reduzieren (dies entspricht dem Ressourcenbedarf für die Herstellung eines für die Unternehmensproduktion repräsentativen Artikels). "Es gibt strategische Ansatzpunkte. Unser Ziel ist es, den im Rahmen des Pariser Abkommens genannten Verpflichtungen zu entsprechen. Mit Blick auf den Transport bedeutet dies, dass der Seeweg dem Lufttransport vorgezogen wird. Alles, was zur Kreislaufwirtschaft zählt, muss vertieft werden, denn durch das Recycling sinkt der Kohlenstoffverbrauch. Ein Kilo hochwertiger Recycling-Wolle entspricht im Vergleich zur selben Menge an Reinwolle einer Reduktion des Kohlenstoffverbrauchs um 455 Prozent. Dasselbe gilt für das Bestreben, die Verpackungen zu verändern. Wir sehen das Potenzial bei den Parfüms von Christian Dior und den wiederbefüllbaren Flakons".

Laut CSR-Bericht 2020 ließ die Abteilung Parfüms und Kosmetika im vergangenen Jahr einen Großteil ihrer Produkte per Lufttransport befördern, hier besteht ein deutliches Verbesserungspotenzial. Auch die Abteilung Mode und Lederwaren, deren Treibhausgasemissionen aus dem Transport der Rohstoffe und der Produkte per Luftfracht ebenfalls bedeutend sind, verfügt über ein großes Potenzial.

Antoine Arnault wird für den Konzern regelmäßig über die Fortschritte des Programms Life 360 kommunizieren und stützt sich dabei auf die Expertise des Fachbüros Quantis. Während Umwelt-Investitionen vor ein paar Jahren von den Investoren mit etwas Abstand betrachtet wurden, scheint das Thema heute niemanden mehr abzuschrecken. Am Donnerstagabend verbesserte sich der Kurs von LVMH an der Börse von Paris leicht und der Börsenwert erreichte EUR 309,56 Milliarden.

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