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Madifesto mobilisiert Modeakteure in Brüssel

Veröffentlicht am
today 11.06.2014
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Anlässlich des ersten europäischen Modegipfels in Brüssel, dem Madifesto, wurden zwei Tage lang Konferenzen und Workshops rund um die Mode veranstaltet. Die Bilanz ist positiv. Der Veranstaltung gelang der Spagat zwischen einer Art „Fashion G8“, und der Designversion einer TED-Konferenz. Und sie hielt, was sie versprach.

Hinter dem Projekt steckt der Verband MAD Brussels, der rund sechzig Vertreter von Förderverbänden der Modebranche vereinen konnte. Die wichtigsten Institutionen (Textilverbände, Mode- und Designschulen) wurden eingeladen, um sich an zwei Tagen mit den großen Herausforderungen auseinanderzusetzen, denen die Akteure – und zukünftigen Akteure – der verschiedenen kreativen Branchen gegenüber stehen. Ebenfalls anwesend waren verschiedene Mitglieder der Europäischen Kommission, und insbesondere der für kreative Unternehmen zuständigen Generaldirektion.

MAD Brussels im Gespräch mit Holland und Lettland (DR).


„Im Anschluss an die verschiedenen Diskussionsrunden haben wir eine Liste mit Vorschlägen und Feststellungen erstellt“, erklärt die Gründerin und Vorsitzende von MAD Brussels, Alexandra Lambert. „Wir haben den Mitgliedern der Europäischen Kommission unsere Probleme und Stärken dargelegt. Sie haben ihre Unterstützung deutlich gemacht und uns aufgefordert, die Initiative von MAD Brussels weiterzuverfolgen. Eine neue Ausgabe ist bereits für nächstes Jahr geplant und ich hoffe, wir werden noch zahlreicher sein.“

Die meisten Teilnehmer haben sich auf eigene Kosten nach Brüssel begeben und mit großem Interesse an den Diskussionen zu drei Kernthemen teilgenommen: Das Business Model, die Produktion und die Aus- und Weiterbildung.

Eines der Anliegen der Teilnehmenden betrifft beispielsweise die Einführung eines europaweiten digitalen Tools, das die Kontaktinformationen aller Akteure der europäischen Modeindustrie aufführt und ihre Arbeit beschreibt. Es handelt sich also um eine Art europäisches Branchenverzeichnis der Modeindustrie, wie es die UKFT (UK Fashion and Textile Association) in Zusammenarbeit mit dem CFE (Centre for Fashion Enterprise) bereits für Großbritannien erstellt hat.

Allgemein wird erachtet, dass die Briten den anderen europäischen Ländern eine Nasenlänge voraus sind. In den Diskussionsrunden waren es denn auch oft die Vertreter Großbritanniens, die die Diskussion anführten und von ihren Erfahrungen berichteten. Ihnen gegenüber saßen viele jüngere Verbände, wie die Austrian Fashion Association, die erst vor knapp sechs Monaten gegründet worden ist.

Eine der prominentesten Vertreterinnen des europäischen Eldorados für Mode-Start-Ups ist Mary Katrantzou. „Sie kam vor fünf Jahren zu uns, als ihr Unternehmen erst drei Personen beschäftigte“, erinnert sich die Generaldirektorin des CFE, Judith Tolley. „Fünf Jahre später sind es bereits über 50 Vollzeit-Angestellte und Marys Produkte werden weltweit vertrieben.“

Solche Erfolgsgeschichten sind jedoch noch zu selten und können nicht stellvertretend für andere Erfahrungen gesehen werden. „Bei uns wäre so etwas vollkommen unwahrscheinlich“, schätzte denn auch eine Angestellte des Flanders Fashion Institute in Antwerpen.

Dem CFE wurde dieses Jahr von der Europäischen Kommission ein Budget zugesprochen, um in Zusammenarbeit mit dem IFM in Paris einen neuen Förderfonds für Modedesign zu schaffen. Das sogenannte „Worth Project“ nimmt auf seiner Website unter worth-projects.eu nun Bewerbungen entgegen, das Programm soll in ein paar Monaten starten.

Eine der Besonderheiten des Projekts ist es, das Talent der Designer in Industrien einfließen zu lassen, die nicht unbedingt in der Mode verankert sind. „Wer weiß, was geschehen würde, wenn wir einen Pelzspezialisten mit der Gesundheitsindustrie in Verbindung setzten, wie dies bisher mit Textildesignern in der Auto- oder High Tech-Industrie geschieht?“, fragt Wendy Malem begeistert. Malem leitet das Centre for Fashion Enterprise sowie die Modeabteilung des London College of Fashion.

Dass sich die Modeindustrie dringend auf europäischer Ebene mobilisieren muss hängt auch mit der Tatsache zusammen, dass sie immer stärker global vernetzt ist, wie auch Alexandra Lambert betont. „Welche Stadt wäre als Zeugin dieses Zusammenschlusses besser geeignet als Brüssel?“ fragt die Gründerin von MAD. Ihr Verein hat von der EU ganze 7 Millionen Euro zugesprochen erhalten, um den Verband zu gründen und ihn bis 2015 in einem 1000 Quadratmeter großen Gebäude einzurichten. Die Architektur der zukünftigen Büros umfasst eine „soziale“ Designdimension, die als kreatives Feld im weitesten Sinne auch in den Zuständigkeitsbereich von MAD Brussels fällt.

Die Teilnehmenden des Madifesto 2014 (DR).


Auch Wendy Malem zog am gleichen Strick und sprach in der Eröffnungskonferenz von der Ausbildung in der Modebranche. Sie verwies darauf, dass die chinesischen Absolventen, die in den großen Designschulen Europas studiert haben, nun in ganz China verteilt und sehr erfolgreich sind. Ihre Designs sind „einwandfrei“.

Die Fédération Française du Prêt-à-Porter nahm ebenfalls am Madifesto teil. Der Generalsekretär François-Marie Grau stellte seine jüngste Initiative zur nachhaltigen Entwicklung vor. Es handelt sich um ein neues Qualitätslabel auf europäischer Ebene, über das FashionMag demnächst berichten wird. Doch die Nachhaltigkeitspalme ging ohne Überraschung an die Skandinavier des Danish Fashion Institute.

Der Leiter für Entwicklung und Innovation des Verbands sprach über die Herstellung, das Kunsthandwerk, die Aus- und Weiterbildung sowie ökologische Aspekte. Mit überraschenden Fragen wie „Wussten Sie, dass Puma-Turnschuhe nur sechs Monate, nachdem man sie im Boden vergraben hat, wieder zu Staub werden?“ erinnerte der dänische Experte die Teilnehmenden optimistisch an ihre Verantwortungen. Er betonte auch die hervorragende Bilanz des letzten Copenhagen Fashion Summit, an dem über 1000 Personen aus 50 Ländern teilgenommen haben.

Madifesto ist zwar von diesen Zahlen noch weit entfernt, doch wenn die großen Institutionen den in dieser Ausgabe geknüpften Kontakt mit den Kleineren weiterführen, so kann festgehalten werden, dass die Veranstaltung für allen Ebenen der Industrie erfolgreich war.

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