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Mailand: Ausgefeilte Präsentationen in einer sich plötzlich leerenden Stadt

Übersetzt von
Felicia Enderes
Veröffentlicht am
24.02.2020
Lesedauer
5 Minuten
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Keine Stadt inszeniert Mode- und Luxus-Präsentationen so gekonnt wie Mailand. So auch während der vergangenen letzten Modewoche, die am Sonntag nach den ersten Todesfällen durch den Corona-Virus in Italien mit einer dramatischen Flucht aus der Stadt endete.

Natürlich finden in der italienischen Modemetropole bedeutende Shows wie die von Prada, Fendi, Versace und Armani statt, aber oftmals gab es an einem einzigen Tag doppelt so viele Präsentationen wie Laufstegschauen zu bestaunen. Viele von ihnen waren kunstvoll inszeniert und boten großartige Mode. Die letzte dieser Präsentation – von Fila – fand am Sonntag statt, als sich die lombardische Stadt schlagartig leerte.


Plan C - AW 2020 - Mailand - Photo: Plan C


Plan C
Eine Marke, die derzeit einen ruhigen, aber sehr überzeugenden Aufstieg erfährt, ist Plan C, die Modemarke von Carolina Castiglioni.
 
Für ihre vierte Kollektion inszenierte Castiglioni eine Präsentation in einer bizarren Privatgarage mit einem für Autos vorgesehenen Drehteller, auf dem ein Paar Models in eleganten grünen Kreppmänteln standen. Unter ihnen befanden sich sorgfältig ausgewählte Spielsachen von Carolinas Tochter Margherita. Scheinwerfer projizierten die vergrößerten Spielzeugschatten als Kulisse an die Wand, es wirkte wie ein Film Noir von Orson Welles.

Gezeigt wurden Kapuzenjacken, fließende weiße Baumwollhemden und Herrenmäntel mit großen, kontrastierenden Knöpfen.
 
"Ein raffiniertes urbanes Modearsenal", lachte die stets elegante Carolina, Tochter einer Modelegende – Consuelo Castiglioni, die ehemalige Designerin von Marni.
 
Plan C verfügt bereits über einen eigenen Laden in Japan; mehrere Pop-up-Stores befinden sich in Isetan in Tokio, Le Bon Marché in Paris und Harvey Nichols in London (bzw. sind in Planung), während in Korea eine Partnerschaft mit Samsung unterzeichnet wurde. Außerdem ist sie bereits nach knapp zwei Jahren ihres Bestehens in 130 Geschäften weltweit vertreten, eine äußerst beeindruckende Bilanz. Mode liegt ihr eindeutig in den Genen.
 
Valextra
Wir trafen Castiglioni einen Tag später bei der Taschen- und Gepäckmarke Valextra in der Via Manzoni im Zentrum von Mailand. Sie war eine von fünf Designern – neben Sunnei, Massimo Alba, Arthur Arbesser und Double J –, die jeweils ein paar Taschen für Valextra im Rahmen eines Collab-Projekts entwarfen.
 
Sunnei lieferte die beeindruckendste Installation – einen mächtigen Kran, der auf und ab fuhr und vier Variationen der Valextra "Passepartout"-Tasche aus dem beliebten breit gestreiften Leder der Marke enthüllte. Massimo Alba seinerseits bot seine charakteristische Mischung aus Retro-Rock-Platten und Kunstfotografie zusammen mit einer Reihe von coolen Lederanhängern. Der in Wien geborene Arbesser verwendete in seiner Arbeit einige sehr feine Intarsie-Motive, während sich Double J mit regionaler italienischer Seide beschäftigte. Das von dem Modejournalisten JJ Martin kreierte Double J konnte in dieser Saison gleich doppelt punkten. Zwei Abende zuvor präsentierte er eine Reihe von farbenfrohen Outfits und herrlichen Taschen im Rahmen einer Zusammenarbeit mit Acqua di Parma.
 
Für Valextra versah Carolina das "Iside Crossbody"-Modell mit einer Zeichnung ihrer Tochter Margherita.


Valextra Extra Milano - Photo: Valextra


Trussardi
Am Abend zuvor hatte FashionNetwork.com der Präsentation der ersten Kollektion von Elena Durazzi für Trussardi beigewohnt. Tatsächlich ist es ihre erste und letzte, da Trussardi plant, jede Saison den künstlerischen Leiter zu wechseln. Was uns angesichts der Qualität der Entwürfe von Elena Durazzi ein wenig traurig stimmte. Ihre schick gepolsterten Boleros, ihre eleganten Samthosen und ihr ultraklassischer Herrenanzug in Harris Tweed – alles in ihrer Kollektion war einwandfrei.
 
Die Designerin zeigte zudem einige Kreationen aus Leder, wie raffinierte ärmellose Hirschlederkleider und Militärhemden aus beigem Leder, die von Models getragen wurden, die in einer neoklassizistischen Mailänder Wohnung auf Trussardi-Möbeln standen oder saßen. Auf einem Yamaha-Klavier spielte eines von ihnen eine spirituelle Melodie, was die Anmut dieses wahren Mode-Moments noch hervorhob.
 
Roberto Cavalli
Das angeschlagene Modehaus präsentierte eine neue, eigentlich recht schicke, Kollektion für den Herbst. Shirts mit Tigerprint für die Herren und rote Cocktailkleider mit Leopardenprint auf Chiffon für die Damen. Zudem einige tolle Chesterfield-Mäntel für Männer und Frauen. Der auffälligste Look jedoch war eine Mischung aus vier verschiedenen Tier-Prints. Eine großartige Lederjacke mit Python-Print, eine Lederhose mit Anakonda-Muster, ein Chiffon-Hemd im Leoparden-Design und ein Schal mit Tiger-Print. Was für ein Blickfang!
 
Für die Damen gab es außerdem Smokinghemden mit Brustplatten aus Baumwollpiqué mit Tiger-Print und Tartan-Jacken. Das Ganze wurde von einem sympathischen Italiener namens Marco präsentiert, nachdem die PR-Abteilung ihn schimpfte, weil er fast seinen Familiennamen preisgegeben hätte.
 
"Es ist Firmenpolitik, dass niemand aus dem Kreativteam namentlich genannt wird", hieß es seitens der PR auf dem Event, das im überfüllten Mudec Museum stattfand, – kein gelungenes Beispiel dafür, wie man Mode präsentieren sollte.


Durazzi X Trussardi - FW20-21 - Photo: Trussardi


Aspesi
Es war ein höchst lobenswerter Versuch von Aspesi, eine ganze Kollektion aus recyceltem Material zu schaffen; die Sache hatte allerdings einen Haken: Die Kleidung sah nicht besonders gut aus. Eine merkwürdig traurige Farbpalette, langweilige, bauchige Silhouetten und schräg aussehende Models mit grünem und himmelblauem Haar; alles in allem ein Präsentations-Flop. Überraschend, so etwas in Mailand zu sehen.
 
Fila
Ein mysteriöser Eisvorhang begrüßte die Besucher in einem ehemaligen Bahnhof, wo Fila am Sonntagnachmittag seine letzte Darbietung inszenierte, während sich die Stadt schlagartig leerte. Sneaker-Kollektionen, die in imposanten Eisblöcken gefangen waren; Models, die mysteriös auf einem sich bewegenden Laufsteg vorbeikamen und Gruppen von Skateboardfahrern und Après-Skiern, die wie Trophäen in beeindruckenden Bildern angeordnet waren, sorgten für eine gelungene Atmosphäre und zeugten von italienischer Fashion-Theatralik.
 
Die von Antonio Ingrasciotta und Josef Graesel entworfenen und von alpinen Legenden wie Reinhold Messner und Ingemar Stenmark inspirierten Kleidungsstücke überzeugten mit viel Elan, Farbe und Attitude. Von der gelb-blauen Skijacke, die auf Stenmarks Weltcup-Sieger-Outfit anspielte, bis hin zu Messner in seinem Fila-Overall nach der Eroberung des Everest.
 
Der DJ, der einige groovige Sounds auf Lager hatte, unterstrich zusätzlich die Tatsache, dass Fila plötzlich wieder durchaus angesagt ist. Wie gesagt, es geht nichts über eine ausgefeilte Mailänder Präsentation, um einer Marke neuen Schwung zu verleihen.

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