Mailänder Modesommer 2009: Unschuldige Mädchen und starke Frauen

Mailand (dpa) Weiß, wohin das Auge blickt. Auf den Laufstegen der Milano Moda Donna zeichnen viele Designer mit dieser Farbe ein Bild der Romantik, der Unschuld oder der Reinheit.


Gucci

Als dann am Mittwochabend anlässlich der noch bis Samstag laufenden Defilees das italienische Traditionshaus Gucci seinen Auftritt hatte, wurde klar: Es gibt im Frühjahr/Sommer 2009 aber auch starke Frauen.

Bei Gucci trägt man Anzug. Mit einer schmalen Hose, die am Knöchel in einem Umschlag endet und einer kurzen Jacke. Etwas Handfestes, das bis dato auf kaum einer Veranstaltung der Mailänder Modewoche zu sehen war. Kräftig im Farbbild, kombiniert mit einer bedruckten Bluse, einem schmalen Tuch und bis zu 18 Zentimeter hohen Highheels ist die Interpretation allerdings alles andere als klassisch. Zwar kommt auch Frida Giannini, die Designerin der Marke, nicht am Megatrend der neuen Saison vorbei und führte wehende Chiffon- und Seidenkleidchen vor. Doch gibt es parallel ein Sport- und Safarithema. Olivfarbene Kostüme etwa erhalten goldene Reißverschlüsse und aufgesetzte Taschen. In dieses Bild gehören auch leichte Parkas, Blousons und Westen aus Pythonleder oder Kleider mit Tunnelzug.

Ganz anders die Vorstellung von Roberto Cavalli. Der Designer aus Florenz schwelgt in Romantik. Da sind zum einen die steif wie eine Skulptur wirkenden bedruckten Mini-Bustierkleider mit Volants. Fließende, weiße Chiffonhosen umwehen das Bein und werden zum Beispiel mit einem goldbestickten Rüschentop kombiniert. Immer wieder tauchen zarte Muster, Puffärmelchen oder Biesenelemente auf. Viele Cavalli-Kleider beginnen am Oberkörper mit einem geraden weiten Schnitt und nehmen im Rockteil noch mehr Volumen auf.

Weiß war auch ein zentrales Thema bei Brioni. Die Kollektion aus der italienischen Edelschneiderei fasste die sparsamste aller Farben jedoch nicht romantisch auf, sondern nahm sie als Basis für präzise ausgeführte Formen- und Volumenspiele. Mit Riegelelementen, aufgesetzten Taschen und Tunnelzügen fließen Elemente aus dem Sport ein. Asymmetrische Stehkragen, markante Rückendekolletes oder zentral platzierte Schleifen verleihen den Kleidern eine individuelle Note.

In der neuen Mode von La Perla liegen weiße Kleidungsstücke oft in Schichten aus Chiffon und Spitze. Das italienische Label, das seinen Ursprung in den Dessous hat, bringt als Oberbekleidung im kommenden Frühjahr/Sommer schulterfreie Kleider, ausgestellte Hosen, voluminöse Blusen oder bestickte kurze Westen in die Geschäfte. Neben dem vielen Weiß sind sich auch ein knackiges Blau oder ein Smaragdgrün im Angebot.

Am Donnerstag erinnerten sich DSquared2 daran, dass die Frau im Alltag vor allem tragbare reale Kleidung benötigt. Die kanadischen Zwillinge Dan und Dean Caten, die hinter dem Namen stehen, bewiesen mit ihrer Show, dass die einst jungen Wilden inzwischen zu Designern mit Substanz gereift sind. Wie schon Gucci räumen auch sie dem Hosenanzug viel Platz ein. Mal ist er aus Jeansstoffen geschneidert, dann wieder setzt eine silberne Weste einen glamourösen Akzent. Die Jacken erhalten Taillierungen oder werden zum Bolero verkürzt, die Hosen fallen weit. Das Abendbild mit den schlichten Roben, in die schmale Gurte integriert wurden, rundete die Kollektion von DSquared2 ab.

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