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Veröffentlicht am
26.09.2008
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3 Minuten
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Mailänder Modesommer 2009: Spaß gegen die trübe Stimmung

Von
DPA
Veröffentlicht am
26.09.2008

Mailand (dpa) - Mailands Mode ist in starker Form. Allerdings nur im wörtlichen Sinn. Denn viele Designer haben sich für die Saison Frühjahr/Sommer 2009 einem experimentellen Spiel mit Volumen und Silhouetten verschrieben.


Dolce & Gabbana

Den wenigsten Defilees der am Samstag endenden Milano Moda Donna gelang es jedoch, einen tieferen Eindruck zu hinterlassen. Was will die Frau tragen, wenn um sie herum die Wirtschaft taumelt? Die Antworten blieben oft vage.

Eine Lösung könnte heißen: Sie möchte trotzdem Spaß haben. Diese Auffassung zumindest vertreten Dolce & Gabbana. Sie selbst hatten Spaß. «Wir können uns nicht erinnern, wann wir das letzte Mal soviel bei der Arbeit gelacht haben», berichtete Italiens erfolgreichstes Designerduo. Der Grund: Die Modeschöpfer nahmen den Schlafanzug aus dem Bett des Mannes und integrierten ihn in die neue Tagesgarderobe der Frau. So werden zum Beispiel Pyjamajacken zu Blusen. Dazu kamen Formen und Stoffe aus dem Barock. Eine aberwitzige Kombination vielleicht, aber sie ging auf. Experimentell auch einige Schnittlösungen. So zeigten Domenico Dolce und Stefano Gabbana unter anderem aus Kreisen konstruierte Kurzärmel.

Der Geometrie entnommene Formen sowie ein inzwischen immer exzessiver ausgeführtes Spiel mit dem Volumen, lassen den Körper der Frau oft hinter viel Stofffülle verschwinden. Nicht jeder tief sitzende, am Po Falten werfende Hosenschritt, nicht alle wehenden Rückenpartien, aufgeplustert wirkenden Ärmel und flatternden Kleiderfähnchen werden auf viel Gegenliebe der Kundin treffen. Ähnliche Kleidungsstücke hingen bereits in diesem Sommer bis zum Schlussverkauf in den Auslagen.


Emilio Pucci

Der große Antrieb der Mode ist wieder einmal die Stoffentwicklung. Exemplarisch dafür steht die neue Kollektion von Versace. Ein Mix aus Seide und Papier erzeugt eine Oberfläche in Schlangenoptik. Organza sieht wie Python aus, Baumwolle wie Krokodilleder.

Im Gegensatz zu ihren meisten Kollegen führte Donatella Versace am Donnerstagabend mit vielen Minischlauchkleidern eine Silhouette vor, die das Körperliche betont. Das Leitmotiv aber waren Reißverschlüsse, die oft ihrer Funktion enthoben wurden und als rein dekoratives Element auftauchen. Sie sind Träger am Kleid, Ziernaht oder bergen als Herz geformt Pailletten oder Rüschen in sich. Die neuen prachtvollen Versace-Drucke für das Abendthema entwarf die britische Illustratorin Julie Verhoeven. Es entstanden opulente Motive auf weißem Grund.

Beim Engländer John Richmond hingegen bestimmten Graffitis das Musterbild. Zudem setzte er neben ganz viel Schwarz auf vibrierende Nuancen von Blau, Pink oder Grün. Oft baut Richmond Volumen auf den Schultern auf. Diese Anleihe aus den 1980er-Jahren ließ sich auch auf anderen Shows beobachten. Bei ihm gibt es außerdem sexy geschnittene Hosenanzüge, militärisch inspirierte Jacken und Kostüme sowie sportlich interpretierte Cat suits.

Neben den Drucken, den Glitzerpailletten und großen Schmucksteinen bestimmen in der nächsten Saison auch gelochte Oberflächen die Optik. Zum einen sind es komplett perforierte Materialien wie etwa bei Fendi. Hier markieren außerdem sehr breite Gürtel die Silhouette über darunter in Stufen gelegten Röcken. Emilio Pucci, das Traditionslabel aus Florenz, wiederum arbeitet mit Aussparungen in grafischen Formen.

Bei Laura Biagiotti zeigen sich neben einigen Perforierungen auch viele Korallenstickereien. Zudem führte die Römerin Blusen, Mäntel, Kleider und Röcke mit Zipfelsäumen vor. Während das italienische Label Les Copains Kostüme mit Miniröcken in Ballonform, Strickwesten mit Satinrevers und Kleider mit Polokragen im Angebot hat, fand bei Max Mara der Overall zu seinem großen Auftritt.

Der gemeinsame Nenner aller Mailänder Kollektionen aber waren die Schwindel erregenden Highheels mit Höhen bis zu 18 Zentimetern. Wer einmal Moderedakteurinnen auf solchen Absätzen von einer Show zur anderen wanken sah, bekommt eine Ahnung davon, wie wenig sinnvoll dieser Trend sein dürfte. Und das Leid hat für diese Damen noch kein Ende. Während die Mailänder Modewoche am Samstag mit eher unbedeutenden Namen ausklingt, startet für sie am Wochenende der Defilee-Marathon der Pariser Prêt-à-porter.

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