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Werbung

Marco Palmieri über die Wiedergeburt von Lancel

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
today 03.04.2019
Lesedauer
access_time 4 Minuten
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Kann man sich den einen besseren Standort für einen Laden vorstellen als denjenigen des Pariser Flagship-Stores von Lancel? Er befindet sich an der Place de l’Opéra 8, in einem stark frequentierten Quartier. Im ersten Stock bietet das Geschäft eine umwerfende Aussicht auf ein architektonisches Juwel: Den Palais Garnier.
 

Marco Palmieri


Es ist aber auch die Wiege einer französischen Traditionsmarke, die in den vergangenen Jahren mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Mit Marco Palmieri soll sich dies nun ändern.

Der CEO und Inhaber der boomenden italienischen Koffermarke Piquadro übernahm Lancel im Juni 2018 vom drittgrößten Luxuskonglomerat der Welt – Richemont.

Das 1876 gegründete Luxushaus verfügt über 60 Verkaufspunkte, darunter Monobrand-Geschäfte wie der Pariser Flagship-Store, aber auch Corner-Shops in Kaufhäusern. Zunächst stellte das Unternehmen Accessoires für Raucher her, später stieg es zur globalen Marke auf. In den vergangenen Jahren brach der Umsatz jedoch ein, durch mangelnde Investitionen und ein in die Jahre gekommenes Angebot geriet die Marke langsam in Vergessenheit. Im Geschäftsjahr, das am 31. März 2018 endete, erzielte Lancel nur noch EUR 53 Millionen Umsatz, weniger als die Hälfte als noch vor fünf Jahren. Die Verluste beliefen sich auf schmerzhafte EUR 23 Millionen. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass Richemont für die Übernahme des Labels USD 346 Millionen hingeblättert hatte.

Für das jüngste Geschäftsjahr wird mit einem Verlust in Höhe von fast EUR 30 Millionen gerechnet. Richemont zahlte Palmieri also unter dem Strich dafür, die Marke zu übernehmen. Auch wenn der Vertrag im kommenden Jahrzehnt die Bezahlung von Lizenzgebühren in Höhe von EUR 35 Millionen an Richemont vorsieht.


Der Flagshipstore an der Place de l'Opéra


Die Übernahme von Lancel ist die jüngste Ergänzung von Piquadros Portfolio, zu dem seit 2016 bereits die florentinische Marke The Bridge zählt. Weshalb ist der CEO und Gründer von Piquadro, Marco Palmieri, so sicher, dass ihm der Turnaround bei Lancel gelingt, obwohl die Marke ihre Anziehungskraft verloren hat?

"Wieso wir Lancel gekauft haben? Nun, nach der Übernahme von The Bridge haben wir das Label wieder auf Vordermann gebracht und damit Gewinn erzielt. Da wurde uns bewusst, dass wir das auch mit anderen Marken tun können. Lancel war für Richemont keine strategische Marke, so willigten sie in den Verkauf ein", führte Palmieri im Gespräch aus.

Für die Gründerin der Marke, Angèle Lancel, war die Handtasche das "Geheimnis weiblicher Verführung". Ihr Sohn Albert entwickelte das Unternehmen in eine globale Marke, indem er praktische Taschen und Spiegel anbot und hochwertiges Leder verarbeitete, wie Echsen- und Kalbsleder.



Designerin Barbara Fusillo


"Lancel ist ein einzigartiges Haus mit einer 145-jährigen Geschichte und einem unglaublichen Archiv. Tausende großartige Produkte aus dem späten 19. Jahrhundert bis heute. Lancel wurde zu einer klassischen Marke, doch in Wirklichkeit handelt es sich um ein Avantgardelabel, das sich auf die Forschung stützt. Wenn ich das so sagen darf: Eine freigeistige Colette vor Colette", betonte Palmieri.

Und wie sehen seine Pläne für Lancel aus?

"Wir wollen jünger sein und viel modebewusster. Unsere Zielgruppe sind Millennials, mit einem dynamischen, reaktiven Angebot aus italienischer Produktion. Früher wurde Lancel an vielen Standorten produziert. Unser Ziel ist es, dass alle Lederwaren in Italien hergestellt werden und die Schmuckbeutel in Frankreich", erklärte er weiter.

Er steckt große Hoffnungen in die Kreativdirektorin Barbara Fusillo, die seit September 2017 für Lancel arbeitet. Die in Modena geborene Designerin studierte in Mailand und Florenz und arbeitete zunächst in Italien dann in Paris für Miu Miu. Darauf folgte ein zweijähriger Einsatz für Marc Jacob in New York. "Es war eine großartige Erfahrung, mit Marc direkt an den Taschen für seine Kollektionen zu arbeiten. Dann entschloss ich mich dafür, nach Europa zurückzukehren", so Barbara Fusillo.

Die DNA von Lancel definiert sie wie folgt: "Auf das Leder bezogen – höchste Qualität, avantgardistische Ideen, Kreativität und ein perfektes Gleichgewicht zwischen Kreativität und Funktionalität".



Ihre erste Kollektion seit der Übernahme durch Marco Palmieri setzt ein viel stärkeres Statement, besonders in der neuen Romane-Linie: Glattes Leder, raffinierte Produkte und schicke städtische Eleganz. So zum Beispiel nietenbesetzte Lackledertaschen in Burgunderrot und Tiefgrau.

"Unsere neuen Verschlüsse sind eine Neuinterpretation einer Schnalle, die wir in den Archiven gefunden haben und die der Tasche eine besondere Persönlichkeit verleiht. Das Lackleder ist an das Kalbsleder angelehnt", strahlt Fusillo.

Darüber hinaus wurde der Store an der Place de l’Opéra mit smarten Pop-Art-Grafiken, goldenen Regalen und hochwertiger minimalistischer Einrichtung modernisiert.

Mit einem Lächeln erklärt Marco Palmieri wie ein stolzer Vater, der sein Kind lobt: "Lancel wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein Lederwarenunternehmen. Seither wurde es nicht einmal geschlossen. Wie viele Marken können das von sich behaupten?".

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