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Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
11.02.2020
Lesedauer
3 Minuten
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Marken gehen Kollektionsdesign aufgrund des schnelleren Saisonrhythmus' früher an

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
11.02.2020

2015 folgten 63 Prozent der europäischen Modelabel einem halbjährlichen Kollektionsrhythmus. Fünf Jahre später trifft dies nur noch auf 49 Prozent zu. Parallel dazu liefern 71 Prozent mindestens vier Kollektionen pro Jahr, was zu einer Verlängerung der Prozesse führt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die das Forschungsinstitut Institut Français de la Mode (IFM) im Auftrag von Première Vision durchgeführt hat.


Durch die Beschleunigung des Saisonrhythmus müssen die Marken beim kreativen Prozess und der Stoffauswahl früher ansetzen - Première Vision SA


Ende 2019 befragte IFM 1765 Branchenakteure aus Frankreich, Italien, Deutschland, Großbritannien und Spanien. Auf diese Länder entfallen 75 Prozent des europäischen Kleidungskonsums. Die Umfrage zeigt große Unterschiede in den Designprozessen und dem Produktionszeitplan, je nach Segment – Luxus, erschwinglicher Luxus, Massenmarkt, Mittleres Preissegment und Nachwuchsdesign. Doch auch innerhalb der einzelnen Segmente ergeben sich markante Unterschiede.

72 Prozent der befragten Marken im Luxussegment haben das Prinzip der Precollections bereits in ihr Modell integriert. Doch handelt es sich dabei um die Spitze des kreativen Eisbergs, angesichts der zahlreichen Capsule Collections, Collaborations und anderen "Drops" neuer Produkte. 48 Prozent der Modehäuser werden mehr als vier Mal pro Jahr beliefert und 20 Prozent stützen sich gar auf über 12 Lieferungen. Diese Entwicklung lässt sich durch die Beschleunigung des eigentlichen Kreationsrhythmus‘ erklären: 23 Prozent der Marken liefern mehr als vier Saisons pro Jahr, und 12 Prozent gaben an, mehr als acht Kollektionen eingeführt zu haben.

Der erschwingliche Luxus will Schritt halten



"Wir bemerken, dass die Generalisierung der Precollections im Luxussegment Schritt für Schritt auch alle Modemarken dazu brachte, die Läden früher zu beliefern", so IFM und Première Vision. "Darüber hinaus sind die Teile, die früher auf die davorliegende Kollektion Bezug nahmen, heute als Blickfang konzipiert, um eine moderne Kundschaft auf der Suche nach den neusten Trends zu sättigen. Deshalb müssen die Designer die kreative Arbeit für die neue Saison, die stets mit der Auswahl der Stoffe beginnt, früher angehen".

Bei den erschwinglichen Luxus-Marken (Agnès b., Maje, Sandro, The Kooples, Zadig & Voltaire, …) macht sich der Wunsch bemerkbar, demselben Rhythmus zu folgen wie das Luxussegment. Doch wird die Sparte auch mit der Unmöglichkeit konfrontiert, diesem hektischen Rhythmus standzuhalten. In diesem Segment haben 51 Prozent der Marken den halbjährlichen Kollektionsrhythmus beibehalten. 26 Prozent sind auf vier Saisons übergegangen und lediglich 4 Prozent produzieren mehr als acht Kollektionen im Jahr. Dieses Erneuerungsbestreben führt 70 Prozent der Marken dazu, sich auf mindestens vier Lieferungen pro Jahr zu stützen.



Première Vision


Darauf folgt der Massenmarkt, die Wiege der Fast Fashion, mit zahlreichen Modemarken wie Zara, Massimo Dutti, Celio, C&A, Mango, … . Es überrascht kaum, dass 40 Prozent der Vertreter dieser Sparte ihre Entwürfe in mehr als 10 Kollektionen pro Jahr packen. Laut IFM produzieren 59 Prozent der europäischen Marken dieser Sparte mindestens vier separate Kollektionen pro Jahr, und sie werden im Verlauf des Jahres mindestens vier Mal beliefert.

Angesichts dieses Wettlaufs gegen die Zeit bleiben mit 54 Prozent die Mehrzahl der Marken im mittleren Preissegment dem traditionellen Rhythmus mit zwei Kollektionen pro Jahr treu. Der Einfluss des Massenmarkts macht sich aber bei den Lieferrhythmen auch bemerkbar, 69 Prozent der Unternehmen bevorzugen vier jährliche Lieferungen.

Auch die Nachwuchsdesigner entscheiden sich mehrheitlich für den Zwei-Kollektionen-Rhythmus, lassen sich dafür jedoch generell nur zweimal jährlich beliefern, aus praktischen und finanziellen Gründen.

Der Kreationsprozess hat sich tiefgreifend verändert



"Die Stoffsuche, die Konzeptionsphasen und die Lieferfrequenzen können sich verschiedenen Kalendern anpassen", bringen es IFM und Première Vision auf den Punkt. "Doch die Frequenz der Produkterneuerung in den Stores hat global zugenommen. Auch die Stoffsuch- und Konzeptionsphasen haben sich im Vergleich zu den Erkenntnissen der Studie im Jahr 2015 beschleunigt. Man kann auch sagen, dass sich der Kreationsprozess an und für sich tiefgreifend verändert hat: Die Kollektionen werden nicht mehr nacheinander entworfen, sondern es werden zeitgleich mehrere Kollektionen produziert, um die zahlreichen Lieferungen zu ermöglichen. So beschränken sich die Such- und Auswahlphasen der Stoffe nicht mehr auf einen präzisen Zeitpunkt im Jahr".

Die von IFM im Auftrag von Première Vision durchgeführte Umfrage erfolgte im Vorfeld der Datumsverschiebung der Première Vision Paris. Die Winterausgabe der Messe wird ab 2021 von Mitte auf Anfang Februar verlegt und die Septembermesse wird bereits Anfang Juli organisiert.

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