Men's Fashion Week: London setzt mehr denn je auf junge Designer

Die London Men's Fashion Week gibt am Freitag, den 8. Juni, den Startschuss für den europäischen Laufstegmarathon der Herren, der nach Florenz und Mailand am 24. Juni in Paris endet. Wie auch die anderen Modehauptstädte zeigt sich London beeinträchtigt von den sich ständig ändernden Strategien der Modehäuser, die zunehmend auf gemischte Shows und Transfers in den Kalender der Damen setzen. London präsentiert in dieser 12. Ausgabe, die den Herrenkollektionen für den Frühling/Sommer 2019 gewidmet ist, ein Programm, das sich auf drei Tage und einen Abend konzentriert, an dem die unbändige Kreativität der aufstrebenden Designer wieder einen prominenten Platz einnehmen wird.

Bei der Londoner Men's Fashion Week dreht sich alles um junge Talente - britishfashioncouncil.co.uk

Auf dem Programm bis Montag, 11. Juni, stehen rund fünfzig Marken, die ihre Neuheiten auf 27 Modenschauen und 16 Präsentationen enthüllen werden. Iceberg eröffnet die Shows am Freitagabend. Die historische italienische Marke der auf Strickwaren spezialisierten Gilmar Gruppe – die zwischen 1976 und 1987 unter der Leitung von Jean-Charles de Castelbajac ihre Glanzzeit erlebte – ist der Ehrengast dieser Londoner Fashion Week, auf der sie zum ersten Mal auftritt.
 
Dass die Marke von James Long geleitet wird, hat sicherlich die Reise in die englische Hauptstadt in dieser Saison begünstigt. Hier war der britische Designer einer der ersten, der bei der London Men's Fashion Week mit seinem eigenen Menswear-Label lief. Iceberg präsentiert seine Herrenkollektion für den nächsten Sommer sowie einige Looks aus der Damenvorkollektion.
 
Zu den bekanntesten Namen gehören Hussein Chalayan, der talentierte türkisch-zyprische Modeschöpfer und Wahl-Londoner, sowie das historische Haus Kent & Curwen, das sich dank neuer Besitzer, darunter Fußballmeister David Beckham, und mit Kreativdirektor Daniel Kearns einer Verjüngungskur unterzieht. Die Marke entschied sich für eine Show am Sonntag und folgt somit auf Chalayan, der eine Show in der eigenen Boutique veranstalten wird.
 
Andere große Marken fehlen auf dem Kalender hingegen: von Craig Green, der ausnahmsweise in Florenz präsentiert, wo er am 14. Juni als Ehrengast bei der Männermodenmesse Pitti Uomo auftritt, bis zu Vivienne Westwood und Grace Wales Bonner, die derzeit ihr Präsentationsformat überdenken.

Chalayan, einer der letzten großen Namen auf der London Men's Fashion Week - © PixelFormula

Die englische Woche kann dennoch auf Oliver Spencer, Cottweiler, Christopher Raeburn, Xander Zhou, den ersten chinesischen Herrenmode-Designer in London, die Dänin Astrid Andersen sowie Matthew Miller zählen. Letzterer gewann im Januar den Woolmark Award 2017/18 in der Kategorie Herrenmode.

Die Hauptstadt der Kreativität, wie die britische Modewelt London gerne nennen, kann darüber hinaus auf ihre vielen aufstrebenden Stars stolz sein. Sowohl Nachwuchsdesigner, die auf den Londoner Laufstegen ihr Debüt absolvieren werden, als auch junge Designer, die in den letzten Saisons bereits ihre ersten Schritte auf den Catwalks gewagt haben, werden zu sehen sein. Besondere Aufmerksamkeit gilt Daniel W. Flecher, der die Präsentationen für eine echte Show aufgibt oder der Engländerin jamaikanischer Herkunft Martine Rose, die in den Kalender zurückkehrt, nachdem sie im Januar ausgesetzt hatte.
 
Im Mittelpunkt stehen auch die jungen englischen Marken, die in diesem Jahr das Finale des LVMH-Preises erreicht haben. So beispielsweise Samuel Ross, dessen Streetwear-Marke A-Cold-Wall – ebenfalls Halbfinalist des Woolmark-Preises – am Sonntag zu sehen ist und Kooperationen regelrecht anzieht (mit Nike für ein neues Modell, aber auch mit Levi's und eventuell Diesel); oder der Schotte Charles Jeffrey, der in weniger als zwei Saisons zum Liebling dieser Fashion Week avancierte und dessen lang erwartete Show am Montag mit seinem exzentrischen Label Charles Jeffrey Loverboy geplant ist.
 
Um die übersprudelnde Kreativität seiner jungen Talente besser zur Geltung zu bringen, hat der British Fashion Council das DiscoveryLAB ins Leben gerufen – ein Raum, der Designer und deren Erlebnisveranstaltungen willkommen heißt und Mode, Technologie, Kunst und Unterhaltung miteinander verbinden. Die Plattform begrüßt insbesondere die Präsentationen von CV22 Rugby England und Something To Hate On.

Charles Jeffrey Loverboy, eine der am meisten erwarteten Modenschauen in London - © PixelFormula

Abgesehen von Iceberg, inszenieren in dieser Saison auch – mit der Unterstützung des GQ Magazine Chine – die chinesischen Duette Haoran Li und Siying Qu mit ihrer Marke Private Policy und Une Yea und Shimo Zhou vom Label Staffonly ihr Debüt auf der Londoner Fashion Week. Alle vier wurden in englischen Modeschulen ausgebildet.
 
Weitere neue Namen sind die Street- und Sportswear-Marke aus Los Angeles, C2H4 sowie das südkoreanische Non-Gendered-Label Blindness, das 2013 von KyuYong Shin und JiSun Park ins Leben gerufen wurde und bisher in Seoul defilierte. In diesem Jahr war die Marke unter den 21 Kandidaten, die für den LVMH-Preis ausgewählt wurden. Nicht zu vergessen die irische Designerin Sharon Wauchob, die bereits ihre Damenkollektion in London zeigt. Sie wird im Rahmen des Projekts Wauchob x Norton & Sons, das von dem historischen Maßschneider der Savile Row realisiert wurde, auf der Men's Fashion Week anwesend sein.
 
Begleitet wird die Fashion Week von besonderen Events von Topman und einem exklusiven Abend von Burberry. Am Montagmorgen dann wird David Beckham in den von der London Fashion Week und dem British Fashion Council eingerichteten Designer Showrooms die besten jungen britischen Talente der Modebranche feiern.

Übersetzt von Felicia Enderes

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