Merck muss Gewinnrückgang verkraften

Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck hat auch im zweiten Quartal eine Durststrecke durchstehen müssen. Zwar laufen die Geschäfte vor allem im Laborgeschäft rund und auch die Pharmasparte kommt voran, doch kämpft der Dax-Konzern weiterhin mit enormem Gegenwind durch schwankende Wechselkurse. Zudem drückt der Schuh durch das kriselnde Flüssigkristallgeschäft. Das laufende Jahr bleibe ein "Übergangsjahr mit vielen Herausforderungen", erklärte Vorstandschef Stefan Oschmann zur Vorlage der Halbjahresbilanz.

Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck hat auch im zweiten Quartal eine Durststrecke durchstehen müssen. - Merck

Wie bereits bekannt, soll es erst ab 2019 wieder aufwärts gehen. An der Börse knickte die Aktie dennoch ein. Zuletzt gab das Papier um drei Prozent auf 87,74 Euro nach. Das zweite Quartal verdeutliche den Gewinndruck, unter dem Merck weiterhin stehe, schrieb Warburg-Analyst Ulrich Huwald. Nachdem die Aktie zuletzt gut gelaufen sei, gebe es nun keinen Anlass für weitere Käufe, sagte ein Börsianer.

Merck kämpft seit längerem mit dem relativ starken Euro, der im Dollar-Raum erzielte Umsätze bei der Umrechnung drückt. Im zweiten Quartal aber war es vor allem der starke Wertverfall des argentinischen Peso, der sich extrem negativ im Ergebnis niederschlug, wie Finanzchef Marcus Kuhnert erläuterte. Gegen die südamerikanische Währung ist der Dax-Konzern nicht abgesichert.

Zwar stieg im Berichtszeitraum der Umsatz leicht um ein halbes Prozent auf gut 3,7 Milliarden Euro, doch das bereinigte Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank vor allem wegen der Währungseffekte um knapp 14 Prozent auf 920 Millionen Euro. Außerdem hatte Merck im Vorjahr noch eine Meilensteinzahlung kassiert. Analysten hatten jedoch mit einem milderen Rückgang gerechnet, Merck unterbot selbst die pessimistischsten Schätzungen. Unter dem Strich blieben dem Konzern 247 Millionen Euro Gewinn. Ein Jahr zuvor waren es noch 426 Millionen Euro gewesen.

Das leichte Umsatzwachstum wurde erneut vom Laborgeschäft getragen, allerdings wurde auch dieses durch negative Währungseffekte gedrückt. In der Sparte, die Produkte für die Pharmaforschung von Laborwassersystemen bis zu Komplettlösungen zur Arzneiproduktion verkauft, profitiert Merck weiter von der Übernahme des US-Konzerns Sigma-Aldrich im Jahr 2015. Jedoch bremsten zuletzt etwa die Kosten für die Integration des Zukaufs und der Trend zu margenschwächeren Produkten das Ergebniswachstum.

In der Pharmasparte konnte der Konzern zwar aus eigener Kraft die Erlöse ankurbeln, das Wachstum wurde aber vom starken Euro komplett aufgezehrt, so dass unterm Strich ein leichter Rückgang stand.

Im Geschäft mit Flüssigkristallen etwa für Smartphone-Displays kämpft Merck weiter mit dem Preisdruck der asiatischen Konkurrenz und inzwischen stagnierendem Absatz. Auch in der gesamten Sparte für Spezialmaterialien, die auch die Auto-, Kosmetik- und Elektroindustrie beliefert, sanken die Erlöse. Merck stellt die Sparte neu auf und will dort ab 2020 bei Umsatz und Ergebnis wieder zulegen. Dafür sieht Oschmann den Bereich nun gut gerüstet. Künftig setzt der Konzern vor allem auf den Verkauf von Halbleitermaterialien. Bereits im zweiten Quartal brachten diese wesentlichen Schub.

Wie nun bekannt wurde, zieht sich der frühere langjährige Leiter der Sparte, Walter Galinat, komplett aus dem Konzern zurück. Galinat, der mit über 40 Jahren im Konzern als ein "Merck-Urgestein" gilt, geht Ende September in den Ruhestand. Merck hatte den 62-jährigen Manager bereits im Herbst an der Spitze der Spezialmaterialien gegen seinen jüngeren Nachfolger Kai Beckmann ausgetauscht.

Etwas Licht am Horizont sieht Merck nun für das zweite Halbjahr. Wechselkurseffekte dürften den Umsatz mit 3 bis 5 Prozent etwas weniger belasten als bisher befürchtet, hieß es weiter. Insgesamt erwartet der Konzern für 2018 deshalb nun 14,1 bis 14,6 Milliarden Euro an Umsatz, etwas mehr als bisher. Im vergangenen Jahr hatte Merck rund 14,5 Milliarden Euro umgesetzt. Der Vorjahreswert wurde bereinigt, weil die Darmstädter das Geschäft mit rezeptfreien Arzneien wie Nasensprays im Frühjahr an den US-Konzern Procter & Gamble verkauft haben. Weil aber nun mit höheren Verlusten aus Währungsabsicherungsgeschäften gerechnet wird, hält der Konzern an seiner Ergebnisprognose fest.

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