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Von
Fabeau
Veröffentlicht am
08.01.2016
Lesedauer
4 Minuten
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Modebranche: Es lief schon mal besser

Von
Fabeau
Veröffentlicht am
08.01.2016



Die Kunden kaufen, der Handel boomt. Allerdings geht der Positivtrend am Modehandel vorbei


Selbst Premium-Anbieter wie Hugo Boss hatten in 2015 zu kämpfen
Der deutschen Mode- und Textilindustrie geht es nicht gut. Die fetten Jahre scheinen vorbei. Die Insolvenzen und Geschäftsaufgaben häufen sich. Wer es mit schwarzen Zahlen auf ein Pari schafft, kann sich fast schon zu den Gewinnern zählen. Die deutschen Ikonen der deutschen Modeindustrie - Steilmann, Gerry Weber, Esprit oder Tom Tailor - hatten im letzten Jahr merklich zu kämpfen. Selbst Hugo Boss musste eine Gewinnwarnung aussprechen, weil es nicht mehr so lief, wie man es sich in Metzingen vor einigen Jahren ausgerechnet hatte. Der Börsengang von Steilmann verpuffte fast im Nix, während der von der Street-One-Mutter CBR ganz abgeblasen wurde. Die Kurse der meisten Modeaktien sanken enorm. Esprit übt sich seit Jahren trotz immer weiter sinkender Zahlen in unermüdlichen Optimismus, Tom Tailor verordnete sich dieses Jahr ein massives Sparprogramm und auch Gerry Weber setzte den Rotstift an und sondiert weitere Möglichkeiten, um den Umsatz- und Gewinnschwund aufzuhalten.
Das Allheilmittel der zügellosen Expansion mit eigenen Läden, das vor fünf Jahren noch super funktionierte, hat seine Wirkung verloren, denn mieten in Bestlage ist teuer und auch jenseits der deutschen Grenze ist das Gras nicht grüner als hier. In Südeuropa sieht es schon länger mau aus, in China ist auch kein Stich mehr zu machen und aus Russland zieht man sich besser zurück. Die Gründe für die bedenkliche Entwicklung der Modebranche sind vielseitig: Einerseits ist da der unpassende saisonkonträre Kollektionsrhythmus, der viele Händler zur Verzweiflung bringt, anderseits das Wetter, das immer dann sonnig und warm wurde, wenn der Kunde frieren sollte, und sich just dann abkühlte, wenn die neue Sommergarderobe gekauft werden sollte. Auch bahnbrechende neue Trends fehlten in den letzten Saison: Die cozy Strickjacke zur engen Röhre war ein Dauerbrenner, von dem frau kaum ein Dutzend im Schrank braucht. Die Industrie ist mithin auf der Suche, wie sie den Abwärtstrend stoppen kann. Die Voraussetzungen dafür sind nicht gerade glänzend: Zwar herrscht Vollbeschäftigung, aber internationale Krisen verunsichern Konsumenten zunehmend und die werden in 2016 bestimmt nicht weniger.

Auch der Modehandel schwächelt



Das Konzept von TK Maxx scheint aufzugehen: Restposten zum Schnäppchenpreis funktionieren auch in 1A-Lage
Für den deutschen Einzelhandel war 2015 ein "Jahr des Konsums". Das statistische Bundesamt geht von einem nominalen Wachstum von 2,8 bis 3,1 Prozent aus, das aufgrund kaum vorhandener Inflation real auf fast dem gleichen Niveau liegen könnte. Auch der HDE rechnet mit einem Plus von über 2,7 Prozent. Doch der Modehandel konnte von dieser Entwicklung kaum profitieren. Zwar sorgen neue internationale Konzepte in immer neuen Centern (ganze zwölf im letzten Jahr) für durchschnittlich gute Zahlen, aber auf gleicher Fläche tut sich bei den meisten Modehändlern kaum was. Das spürt insbesondere der mittelständische und kleine Händler. Und auch die Investitionsfreude internationaler Labels in den angeblich so krisensicheren deutschen Markt sinkt sichtlich. Viele größere Ketten wie Forever 21 oder Abercrombie fahren ihr Engagement zurück oder lassen - wie nun bei Topshop bekannt geworden - gleich die Finger von einem Megastore in überteuerte Bestlage - das Investment ist einfach zu groß und der deutsche Kunde einfach zu unberechenbar. Die „Geiz ist geil“-Mentalität hat er verinnerlicht, ohne rotes Sale-Schild kauft er selten und auch die Innenstädte meidet er zunehmend und surft lieber mit dem Pad auf dem Sofa, oder noch schlimmer  investiert er sein Geld lieber in Reisen, Smartphones, Spa-Aufenthalte oder kauft sich mit günstigem Kredit eine Eigentumswohnung, die er über die nächsten 30 Jahre abzahlen muss.

Internationale Händler sind skeptischer beim deutschen Markt

Auch wenn der deutsche Markt bei ausländischen Händlern nach wie vor attraktiv ist, agieren viele Marken eher defensiv und testen ihn mit kleineren Onlineinitiativen wie der amerikanische Dessousanbieter Victoria’s Secret, der neulich ausgewählte Teile sogar kostenlos nach Deutschland schicken wollte. Die großen vertikalen Ketten wie H&M, Primark und Zara oder auch TK-Maxx expandieren vorsichtig weiter, denn sie können das liefern, was der deutsche Kunde will: Mode zum Bestpreis. Kleinere Labels wagen die Expansion nur mit genügend Finanzkraft im Rücken und nach sorgfältiger Analyse. Bestehende Händler atmen auf, dass der Wettbewerb nicht weiter angeheizt wird und hoffen darauf, dass auch die Abwanderung zum Onlinehandel stagniert und darauf, dass vielleicht doch noch ein Wunder geschieht. Aber ob das kommt, ist alles andere als fraglich.

Fotos: (1) ECE, (2) FW (3) TK Maxx

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