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Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
27.05.2019
Lesedauer
4 Minuten
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Moderner Minimalismus für Giorgio Armanis erstes Cruise Collection-Defilee

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
27.05.2019

Giorgio Armani machte am Freitagabend in Tokio ein persönliches Debüt: Er organisierte das Defilee seiner ersten Cruise Collection und zeigte im Innern des Landesmuseums in der japanischen Hauptstadt eine prachtvolle Resort Collection.


Giorgio Armani - Cruise Collection 2020 - Tokio- Photo: Giorgio Armani


Die beiden Co-ed-Schauen wurden vor einem hochkarätigen Publikum enthüllt, zu dem unter anderem Uma Thurman und Tadao Ando zählten. Sie fingen Giorgio Armanis besondere Fähigkeit ein, hoch kommerzielle Kleider zu entwerfen, in denen sich Haute Glamour und Galapracht vermischen. Vor allem aber zeugten diese Kleider davon, wie sehr sich Giorgio Armani von der asiatischen und ganz besonders der japanischen Ästhetik inspirieren ließ.

"Japan ist eine der Zivilisationen, die seit je her Schönes hervorgebracht hat. Das Land hat eine ganz einzigartige Ästhetik, eine gewisse Schlichtheit gepaart mit Rigorosität. Die Verbindung des strengen architektonischen Minimalismus mit einem tiefen Verständnis der vielschichtigen Geschichte des Landes. Genau darum liebe ich Japan!", erklärte der Designer an einer Pressekonferenz vor der Show.

Adrett und gebräunt zeigten die Models fließend geschnittene Hosen, dekonstruierte Kaschmir-Jersey-Zweireiher mit ausgewaschenem Denim Finish, dunkelblaue Kaschmirpullover mit Rundhalsausschnitt und weiße Sneakers.

Die längliche Silhouette der Damenlooks überzeugten mit klassischen fließenden Armani-Schnitten und deutlich ausgestalteten Schulterpartien, die eine maskuline Wirkung erzielte. Für Frauen auf Achse entwarf das Haus tadellose Hosenanzüge in Hahnentritt- oder Nadelstreifenoptik. Und überall war Schildpatt zu sehen – von bedruckten Tuniken und Armbändern bis hin zu Taschen und Amuletten.


Giorgio Armani - Cruise Collection 2020 - Tokio - Photo: FashionNetwork.com



Für die Abendgarderobe entwarf der Designer wundervolle, lange Kleider aus gewaschener Seide in Schildpattoptik. Insgesamt umfasste die gewaltige Show 122 Looks.

Giorgio Armani ist erst spät zu den Marken gestoßen, die ihre Cruise Collections auf den Laufstegen zeigen. Marken wie Louis Vuitton, Christian Dior und allen voran Chanel organisieren bereits seit einem Jahrzehnt globale Riesenevents zur Enthüllung ihrer Cruise Collections.
 
Armani bleibt jedoch in Japan eine Kultfigur mit einem fast rockstarähnlichen Status. Unzählige Gäste warteten geduldig und verneigten sich ehrerbietig, um ein Bild mit ihm machen zu können.

In der Menswear spielte Armani mit sanften Zügen und körpernahen Schnitten, perfekt sitzenden Jacken, smarten Cabans mit Schalkragen und einigen vorzüglichen Duster Coats, dazu viel glänzende Sportswear. Er zeigte auch eine fantastische Anzugserie und erinnerte seine jeweils 380 Gäste daran, dass Armani der einflussreichste Menswear-Schneider der letzten 50 Jahre ist. Farblich bewegte sich die Kollektion in Braun- und Beigetönen.



Giorgio Armani - Cruise Collection 2020 - Tokio - Photo: FashionNetwork.com



"Kaffeebraun ist Giorgio Armanis neues Grau", scherzte der Designer, der am Rande seiner Show einen dreitägigen Besuch in Kyoto eingeplant hatte.

Und auch in der alten Kaiserstadt wurde der Kreativdesigner von Hunderten von Fans angehalten und höflich um Selfies gebeten.

Giorgio Armani besuchte Japan zum ersten Mal in den 80er Jahren, um mit vier anderen Designern einen Preis entgegenzunehmen. Die anderen Preisträger waren Karl Lagerfeld, Hanae Mori, Zandra Rhodes und Perry Ellis.

"Damals war ich ein kleiner Nachwuchsdesigner und noch grün hinter den Ohren, ich konnte kaum glauben, dass ich eingeladen war. Karl und Herr Fairchild [der legendäre Chefredakteur der Women's Wear Daily] waren meine Mentoren. Sie brachten mir bei, wie ich den Taktstock führen musste. Da wusste ich, dass dieses Land für mich etwas ganz Besonderes bedeuten würde", erinnerte sich Giorgio Armani fast schon nostalgisch.

Und wo der Designer schon in Japan weilte, weihte er auch gleich seinen riesigen Flagship-Store im Einkaufszentrum Ginza wieder ein.

"Ich arbeitete bei dieser Kollektion nicht mit Japan im Hinterkopf. Obwohl ich wusste, dass ich kam, um den neuen Armani Tower einzuweihen. Wenn diese Kollektion morgen zurück nach Mailand ginge, würde sie auch funktionieren, wir haben haufenweise Käufer, die nur darauf warten, ihre Bestellungen zu tätigen. Doch als ich hier in Tokio ankam, wurde mir klar, dass die Kollektion moderner, einfacher und entspannter war, mit mehr Freiheit in der kreativen Suche. Wie Armani, durch eine japanische Linse betrachtet.

Diese Kleider sind für die japanischen Frauen, für die ich sie vorgesehen habe", erklärte der achtzigjährige Designer.

Der Wirbel um Armanis Marke hat sich in jüngster Zeit zwar etwas gelegt, doch rechnet der Designer damit, dass sie in den kommenden zwei Jahren wieder zu mehr Wachstum zurückfindet. Giorgio Armani bleibt die weltweit größte Luxusmarke, die noch immer vollumfänglich von ihrem Gründer geführt wird. Somit ist er zu Recht stolz auf seine Leistung.

"Es war so schön, zu sehen, wie viele Menschen hier in den Straßen von Tokio Armani tragen. Wissen Sie, die Japaner sind mehr Armani als Armani selbst", lachte der Designer, der oft in der dritten Person von sich spricht.

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