New York Fashion Week: Die Designer kehren für ein Wochenende mit starken Shows zu ihren Wurzeln zurück

Sei Dir selber treu, schreibt Shakespeare in "Hamlet", und – auf halbem Wege durch die New Yorker Catwalk-Saison – sind die Designer sicherlich dem Rat des "Unsterblichen Barden" gefolgt.

Kreative hier in Amerika haben sich darauf konzentriert, ihre eigene private DNA zu respektieren und zu den Wurzeln ihrer Marke zurückzukehren. Das Ergebnis ist eine der stärksten Saisons seit vielen Jahren. Und während sich das Wetter schwül, feucht und nass zeigt, sind die Kleider in meist superhell und bunt, in einer Saison, in der multi-ethnische Models die Regel sind.

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Kate Spade New York - Frühjahr/Sommer 2019 - Womenswear - New York - © PixelFormula

Kate Spade

Seinen Ursprüngen treu zu sein, war lange Zeit Usus für alteingesessene Marken oder junge Modehäuser. Ein gutes Beispiel dafür ist Kate Spade, wobei das Haus seine erste Kollektion seit dem tragischen Tod des Gründers im vergangenen Juni präsentierte. Die Show, die in der New York Public Library stattfand, war zugleich der Auftakt der neuen Kreativdirektorin Nicola Glass, die auf Deborah Lloyd folgte.

Sie bestand aus einer Reihe von charmanten, bonbonfarbenen Prints und kohärenten, verzeihenden Silhouetten, die alle sanft von Filmlichtballons angestrahlt wurden.

Das Leitmotiv der Show war der geschickte Gebrauch von Kate Spades bekanntem pik-förmigem Logo, das auf perfekt gerichteten Sommergewändern, fließenden Seidenkleidern oder auf kurzen Röcken und auf einem prächtiger Trenchcoat mit alpinen Prärieblumen auftauchte. Als Glass schließlich einen einfarbigen Look aussandte, handelte es sich um ein sensationelles Seidenwickelkleid in tiefem Lilaton mit passendem Kopftuch, Stiefeln und Logo-Clutch, getragen von einem schwarzen Model.

Vor der Show erklärte Glass den Redakteuren, dass sie infolge des Todes des Gründers von der Nostalgie der Marke übermannt wurde. Daher wollte sie sich auf das Fundament und das Farbschema des Hauses konzentrieren, dabei sorgfältig jeden Vintage-Eindruck vermeiden. Zeitgenössische Kleidung für geschäftstätige moderne Frauen, oder für die "Neighborhood Girls", die im Hauptsong von Suzanne Vega als Showmusik zu hören waren.

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Rodarte - Frühjahr/Sommer 2019 - Womenswear - New York - © PixelFormula

Rodarte

Die New York Fashion Week brauchte wirklich einen Mode-Knüller und auf einem durchnässten Friedhof in der Lower East Side bekam sie einen in Form einer brillanten Show des in Los Angeles ansässigen Modehauses Rodarte.

Inszeniert auf dem NYC Marble Cemetery, einem wenig bekannten, aber schönen grünen Gelände, mit Grabsteinen, Gewölben, Sockeln und Gräbern aus dem frühen 19. Jahrhundert. Zusätzlich zu dieser Atmosphäre fiel ein gleichmäßiger Regen, während die Model-Besetzung feierlich in halbtransparenten, vielschichtigen Fantasiekleidern, in mega-gerüschten, der Schwerkraft trotzenden Metallic-Lederkleidern oder in dichten Unmengen aus gekräuseltem Chiffon marschierte. Viele waren mit spanischen Spitzenmantillen veredelt oder mit unzähligen Stoffblumen oder echten Rosen verziert.

Noch nie hat wohl ätherische Exzentrik oder dunkle Schönheit die Genialität des Gründers des Hauses besser verdeutlicht und ebenso hat die Arbeit des Design-Duos Kate und Laura Mulleavy je schöner ausgesehen!

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Christian Cowan - Frühjahr/Sommer 2019 - Womenswear - New York - © PixelFormula

Christian Cowan

In einem völlig anderen Register zeigte Christian Cowan eine großartige Show in den Spring Studios, dem Haupt-Laufsteg der Modewoche in Tribeca.

Mit Christina Aguilera in der ersten Reihe schickte Cowan eine großartige Rockstar-Street-Couture-Kollektion raus: von einem Silver-Surfer-artigen Pailletten-Minikleid mit schwarzem Kapuzenoberteil, auf dem "Christian Cowan SS19" stand, über karierte Schachbrett-Jumpsuits bis hin zu einem fantastischen, smaragdgrünen, metallic-netzartigen Cocktail-Kleid mit Seitenschlitz. Der herausragendste Look war aber das goldene, paillettenbesetzte Party-Gören-Cocktail-Kleid mit Zebramuster in Kombination mit einer schwarzen Leder-Bomberjacke, deren Ärmel mit unzähligen goldenen Uhren und Armbändern besetzt waren. Alles verband sich mit einer erstklassigen Zusammenarbeit mit dem italienischen Schuhdesigner Giuseppe Zanotti, der metallisch-fantasievolle High Heels mit Göttinnen-ähnlichen Federn rüberschickte. Das erinnerte ehrlich gesagt an die glorreichen Jahre von Gianni Versace. Wenn ich so darüber nachdenke, wird beim nächsten Mal, wenn sich die Frage stellt, wer eines Tages auf Donatella folgen könnte, die Antwort offensichtlich sein. Christian Cowan hat es sicherlich Design-mäßig drauf.

Jonathan Cohen - Frühjahr/Sommer 2019 - Womenswear - New York

Jonathan Cohen

Der jüngste New Yorker Downtown-Designer-Favorit in Manhattan ist Jonathan Cohen, ein in San Diego geborener Kreativer mit mexikanischen Eltern, der ein Finalist beim diesjährigen CFDA/Vogue Fashion Fund Award ist.

Er ist gesegnet mit einem subtilen Auge, einer Begabung für das Theatralische und mit einer Vorliebe für Performance-Kunst, so inszenierte Cohen am Donnerstagabend in einer Downtown-Galerie auf der Bowery eine ziemlich brillante kleine Modenschau.

Kaum drängten sich hundert Leute in die rohen Räumlichkeiten, als ein kurzer, intensiver Regenguss an einem weiteren klatschnassen Tag in New York losbrach.

Im Inneren spielte ein wunderbares Streichquartett namens Sterling Strings, bestehend aus vier schwarzen, professionell ausgebildeten klassischen Musikern, die dramatische Versionen berühmter Pop- und Rocksongs spielten, als eine Besetzung von etwa 15 Models aufmarschierte.

"Ich wurde von vier meiner Lieblingsmusiker und -bands inspiriert: The Cure, Siouxsie and the Banshees, Lauryn Hill und Kate Bush", erklärte der leicht bärtige Cohen, der sogar auf Dirndlröcke und Gewänder die Texte von seinen Musikhelden druckte.

Cohen entwickelt seine eigenen Stoffe – bemerkenswert einige wunderbare, gefleckte Blütenblatt-Seidenkleider – und zeigte auch clevere graue, maskuline Nadelstreifen-Blazer und einige wunderbare Shirt-Kleider. Wochenend-Looks für einen entspannten Indie-Musiker. Cohen bleibt seinem ästhetischen Konzept treu, wie all die besten Designer in Manhattan in dieser Saison.

Und um Polonius berühmtes Zitat aus "Hamlet" zu vervollständigen:
Und daraus folgt, so wie die Nacht dem Tage,
Du kannst nicht falsch sein gegen irgendwen.

Übersetzt von Elisa Gerlach

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