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Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
16.02.2021
Lesedauer
4 Minuten
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New York Fashion Week, Tag 2: Designerstolz und Volumen

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
16.02.2021

Mangelnden Einsatz kann man den Designern, die an der jüngsten New York Fashion Week teilnehmen, nicht vorwerfen. Auf dem dichtgedrängten Montagsprogramm standen fast 30 Kollektionen, deren kunstvollen Ideen im Rahmen von künstlerischen Videos enthüllt wurden. Eine begrüßenswerte Erinnerung daran, wie schwer viele kreative Talente während der endlos scheinenden Pandemie gearbeitet haben.

Ein Tag, der nicht nur eine Ode an New York war, an den Stolz der Designer, die in der Stadt leben und den Respekt für die Träume, die diese Menschen in die Großstadt lockten, sondern auch eine Hommage an die Mode. Die Schlüsselbotschaft war die explosionsartige Volumenzunahme: von körperbetonter Kleidung und Skinny Jeans war weit und breit nichts zu sehen.

A. Potts 


A. Potts Herbst/Winter 2021 - A. Potts


Nirgends waren die neuen Volumen so offensichtlich wie bei A. Potts von Aaron Potts. Der Sohn einer Arbeiterfamilie aus dem Süden der USA wuchs in Detroit auf. Er absolvierte die Parsons School of Design und konnte sich seither an der Seite von Branchengrößen wie Marc Jacobs, Donna Karan, Emanuel Ungaro und Victoria’s Secret weiterbilden.

So eklektisch sein Lebenslauf auch sein mag, sein Video war hoch fokussiert. Seine schönen und stolzen Models tanzten in einem Loft an der 14th Street, mit majestätischen Priester-Umhängen, riesigen, karierten Mohair-Mänteln, voluminösen Schlaghosen und XL-Judo-Jacken. Farblich bewegte sich das Angebot von Sauergelb über Braun-Orange bis hin zu bräunlichem Anthrazit. Damit tat A. Potts genau das, was Mode eigentlich tun soll: Durch die übertriebenen Formen seiner Kleider in einer Zeit der kollektiven Nervosität Sinn zu stiften.

Chelsea Grays




Chelsea Grays Herbst/Winter 2021 - Chelsea Grays


Die atemberaubendste Kollektion des Tages war 'Homage 2020' der amerikanischen Menswear-Designerin Chelsea Grays, die in Paris tätig ist. Sie zeigte eine bezaubernde Hipster-Gruppe, die durch die Stadt marschierten. Ihre Entwürfe waren eine Mischung aus abstrakten, expressionistischen Klecks-Print-Hemden und Tops, exzentrischen Kilts, asymmetrischen Herren-Rockshorts, dazu Reitjacken aus Tweed, Patchwork-Zigeunerkleider und dicht bedruckte Karo-Jodhpurhosen. Für diese Kleidung braucht es eine gehörige Portion Chuzpe und Mut, doch sind nicht alle New Yorker mit diesen Charakterzügen gesegnet?

Chocheng




Chocheng Herbst/Winter 2021 - Chocheng


Chocheng ist eine Marke, die zu wissen scheint, was sie tut. Das Video der Designerin Cho Cho Cheng fing das Beste ihrer Arbeit ein: Plausible, makellose und nobel wirkende Ensembles in gekonnten Farb- und Stoffkombinationen.

Ausgestellte Mäntel mit Revers, Blusen mit Rüschenbesatz, Akkordeonfalten an Hemden und Kattun-Kleidern, bequem geschnittene professionelle Blazer. Gepaart mit zahlreichen vorzüglichen Schnitten zeugt die Kollektion von den Erfahrungen, die Cheng nach einem Studium an der Parsons School of Design während ihrer Lehre in der Savile Row sammelte. Dazu Kegelhüte und Kopfbedeckungen in Form umgekehrter Lampenschirme. Alles in einer sündhaft roten Farbe, die mehr an Valentino als an das Chinesische Neue Jahr erinnert.

Viele asiatische Models mit Duttfrisuren und roten Wangen auf einem Set, das zu einem Gene Kelly-Musical passen könnte, dazu synthetischer Weltraumsound. Keine wahnsinnig revolutionären Ideen, aber nichts desto trotz eine gekonnt zusammengesetzte und kohärente Kollektion.
 
Victor Li


Victor Li Herbst/Winter 2021 - Victor Li


Das Beste an dieser Co-ed-Kollektion waren die fantastischen Stoffe. Wundervoll zusammengesetzte Prints westlicher Helden, überlebensgroße Dollarnoten-Looks, Retro-Postkartenmotive auf eleganten Klubjacken, perfekte Acid-Dyed-Jeans, grafische Fotomontagen auf Westen mit Cut-outs.

Auch die zackigen Karos auf Boyfriend-Mänteln waren hervorragend. Das Video dauerte gerade einmal zwei Minuten. Kurz und gut: Ein meisterhaftes Exempel eines weiteren Parson School-Absolventen. Und ein Beleg dafür, dass in einem Video mit vorzüglichen Stoffen weniger mehr ist.

Private Policy


Private Policy Herbst/Winter 2021 - Private Policy


Eine in jeder Hinsicht abstruse Art, ein Argument anzubringen: Die aktuelle Kollektion von Private Policy bestand aus vielen Oversized-Schnitten und Sportswear, die sich an die Formen von Balenciaga anlehnte. Ohne jedoch deren Kraft oder Eleganz zu besitzen.

Im Begleittext zum Video stand, dass dieses die "versteckte Geschichte" von transkontinentalen Bahnarbeitern aus China um 1800 erzählen und von den fremdenfeindlichen Gefühlen jener Zeit zeugen soll.

Der Titel der Kollektion lautet 'We Remember You, Tales of Ghost Mountain'. Doch nur sehr wenig davon fand den Weg in das eigentliche Video. Dieses bestand hauptsächlich aus Models, die in New Yorker Lofts und Straßen schwindelerregende Pirouetten drehen.

Snow Xue Gao


Snow Xue Gao herbst/Winter 2021 - Snow Xue Gao


Düstere Eindrücke aus leeren Studios mit Wolkenkratzer-Ausblicken aus alten Bürogebäuden – eine seltsame Wahl als Kulisse für diese eher zuckersüße Modeauswahl mit ungelenk komplizierter Studenten-Schneiderei.

Adeam




Adeam Herbst/Winter 2021 - Adeam


Adeam von Hanako Maeda aus Japan bot eine puristische Vision romantischer Mode. Von vornehmen Kleidern mit Hammelkeulenärmeln bis hin zu kunstvoll ausgeschnittenen Hemden aus Menswear-Stoffen. Die Inspiration des Designers stammt von einer Ausstellung sechs zeitgenössischer japanischer Künstler im Mori Art Museum in Tokio.

Enthüllt wurde die Kollektion in einem geräumigen Raum, musikalisch hinterlegt mit einem wundervollen Balladen-Soundtrack. Ein unbekümmertes Spiel mit Volumen und Primärfarben und Models, die die zur Schau getragenen Kleider sichtlich liebten. Schmeichelhafte Mode von Maeda, dessen Name der großartigen Tradition modernistischer Mode aus Japan hinzuzufügen ist.

Carter Young




Carter Young Herbst/Winter 2021 - Carter Young


Die Erinnerung des Designers Carter Altman an Ausflüge, die er mit seiner Familie in den Gourmet-Store Zabar’s unternahm, um gemeinsam Bagels zu essen – nostalgisch erzählt von Paul Banks von Interpol – wird von der Grundstimmung dieser subtil geschneiderten Kollektion der Marke Carter Young eingefangen. Deren zwei Vorzeigelooks waren eine Mikro-Cord-Jacke und eine paspelierte Kanoniersjacke. Einfach und wirksam, wie sein Schwarz-Weiß-Video – das ebenso Loblied auf die Träume, die die Jugend nach New York ziehen, als auf die Mode selbst war.

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