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Von
DPA
Veröffentlicht am
05.05.2017
Lesedauer
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Outdoor-Branche braucht Verjüngungskur

Von
DPA
Veröffentlicht am
05.05.2017

Wetterfest und längst salonfähig: Outdoor-Kleidung und -Zubehör haben sich von Nischenprodukten für Wanderer, Bergsportler und Extremcamper zur Alltagsware entwickelt. Doch trotz der breiteren Kundschaft wächst die Branche nicht mehr in den Himmel. Nach anfangs zweistelligen Wachstumsraten geht es seit einigen Jahren im gesättigten deutschen Markt deutlich langsamer voran – bei wachsendem Wettbewerbsdruck.

"vom Berg in die Fußgängerzonen der Städte" - Jack Wolfskin


Um jährlich etwa zwei bis drei Prozent wächst die Branche in Deutschland, wie die Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Sportartikel-Industrie, Nicole Espey, schätzt. Zuletzt lagen die Umsätze hierzulande bei rund 2,5 Milliarden Euro. Scharfe Abgrenzungen sind allerdings schwierig, weil zumindest ein wenig "outdoor" in sehr vielen Produkten steckt – vom Wanderschuh bis zum Rucksack, von der Windjacke bis zum Schlafsack und Campingkocher.

Auch die Zahl der Firmen, die sich in der Branche tummeln, hat zugenommen. So zeigten im vergangenen Jahr mehr als 900 Aussteller aus über 40 Ländern bei der Branchenschau "Outdoor" in Friedrichshafen ihre Neuheiten. Der Boom hatte neue Anbieter auf den Markt gelockt – was den Wettbewerb um die frischlufthungrige Kundschaft deutlich anheizte. Viele der etablierten Marken sind bisher in Familienhand wie etwa der Wanderschuh- und Bergstiefelhersteller Meindl oder der Bergsportausrüster Vaude.

Anders ist das mit dem europäischen Marktführer Jack Wolfskin: Das im hessischen Idstein ansässige Unternehmen gehört dem US-Investor Blackstone und könnte bald an ein Konsortium aus Investoren und Hedgefonds gehen. Unter anderem eine teure China-Expansion hatte Jack Wolfskin Kraft gekostet – und sich dann weniger ausgezahlt als geplant.

Trotzdem, das Unternehmen sei gesund und wachse auch ordentlich, heißt es. 351 Millionen Euro Umsatz und "operativ schwarze Zahlen" verbuchte der Anbieter mit dem Tatzenabdruck im Firmenlogo im vergangenen Geschäftsjahr (30. September), nach 314 Millionen Euro im Vorjahr. "Wir sind mit der aktuellen Entwicklung bei uns sehr zufrieden", sagt ein Unternehmenssprecher.

Allerdings soll eine hohe Schuldenlast auf dem Outdoor-Ausrüster lasten. Schon seit Wochen ist ein möglicher Besitzerwechsel im Gespräch, nachdem das Konsortium Schulden von Jack Wolfskin übernommen haben soll. Bei den Gesprächen lägen nun mehrere Vorschläge auf dem Tisch, heißt es.

Ein Szenario: Das Konsortium könnte die Schulden teils in Eigenkapital wandeln und dem Unternehmen frisches Kapital zuschießen – und den Outdoor-Ausrüster damit unter seine Fittiche bekommen. «Die Gespräche mit den Gläubigern verlaufen positiv, und wir gehen davon aus, dass eine zeitnahe Lösung eine starke Plattform für die weitere Entwicklung von Jack Wolfskin bieten wird", sagt der Unternehmenssprecher.

Grundsätzlich muss den Anbietern derweil um die Nachfrage nicht bange sein, ist BSI-Geschäftsführerin Espey überzeugt. Sport und Bewegung in der Natur hätten Hochkonjunktur. So ist Wanderurlaub auch bei Deutschland-Touristen aus dem Ausland sehr gefragt und kurbele auch die regionale Wirtschaft an, wie es beim Deutschen Wanderverband heißt. Auch Bergsportarten wie das Skitourengehen und Klettern liegen seit Jahren im Trend, ganz zu schweigen vom Camping-Boom, der den Platzbetreibern seit Jahren Übernachtungsrekorde beschert.

Ausruhen können sich die Anbieter dennoch nicht: Ihr Weg "vom Berg in die Fußgängerzonen der Städte" habe auch neue Spielregeln mit sich gebracht, sagt Espey: Sie müssen es mit mehr und anderen Konkurrenten aus den unterschiedlichsten Preissegmenten aufnehmen – ob die nun Aldi, Tchibo oder Bogner heißen. Auch sind sie schnelllebigeren Modetrends unterworfen und müssen eine vielfältigere Kundschaft bedienen als in früheren Zeiten.

Apropos Kundschaft: Gerade bei jungen Leuten tun sich die Outdoor-Ausrüster derzeit schwer. Um sie für die Produkte zu begeistern, gelte es nicht nur, die richtigen Trends aufzuspüren, sondern auch für die passende Marktpositionierung zu sorgen, Kollektionen gut zu steuern und die Digitalisierung gewinnbringend anzugehen, sagt Philipp Prechtl von der Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner, der früher selbst für das Einzelhandelsgeschäft bei Jack Wolfskin zuständig war. "Das ist mehr als nur Onlinehandel und Social Media." Wer heute erfolgreich sein wolle, müsse auch die Datenanalyse beherrschen, und da hätten viele Mittelständler noch Nachholbedarf.
 

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