Paris Fashion Week im Schatten von Karl Lagerfelds Tod

Nur wenige Tage nach dem Ableben des Modeschöpfers Karl Lagerfeld findet sich die trauernde Modebranche am Montag in Paris zur nächsten Fashion Week ein. Der Mode-"Kaiser" wünschte zwar keine öffentliche Beerdigung und noch weniger eine öffentliche Ehrung – dennoch wird er in den Köpfen aller Beteiligten sein. Nicht zuletzt am Abschlusstag der Veranstaltung, bei der Chanel-Show am 5. März. Diese schließt den Schauen-Marathon der Herbst-/Winterkollektionen 2019/2020 ab, der zunächst nach New York, dann nach London und Mailand führte und nun in Paris endet. An der Show werden die letzten Kreationen des unvergleichlichen Modeschöpfers gezeigt, die er mit seiner rechten Hand und Nachfolgerin Virginie Viard kreierte. Die Show dürfte der krönende Höhepunkt des emotionsgeladenen Pariser Schauenprogramms werden.


Karl Lagerfeld vor einem Jahr bei der Chanel-Show für den Herbst/Winter 2018/2019 - © PixelFormula

Nun, da der ikonische Kreativdesigner nach fast einem halben Jahrhundert an der Spitze der Pariser Modeszene gestorben ist, wartet die Paris Fashion Week mit einer beeindruckenden Anzahl neuer Talente auf. Mehr als ein Dutzend werden neu in das Programm der Präsentationen aufgenommen (Faith Connexion, Gauchère, Karim Adduchi, Kimhekim, Kristina Fidelskaya, Kwaidan Editions, Mame Kurogouchi, Moohong, Unravel Project, Walk of Shame, Cukovy, Maison Mai, Magda Butrym und Savoar Fer) und vier weitere bringen ihre Kollektionen auf die Laufstege.

Zu erwähnen ist darunter zunächst die Marke des talentierten Südkoreaners Rok Hwang: Rokh. Der Designer, der sich an der renommierten Designschule Central Saint Martins in London ausbilden ließ, wurde am LVMH-Preis 2018 mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Er eröffnet den Reigen am Montag, 25. Februar mit seinen dekonstruierten und fließenden Entwürfen. Der in Texas aufgewachsene Designer verdiente sich seine Sporen unter der Führung von Phoebe Philo bei Céline ab, und arbeitete an verschiedenen Projekten für Chloé und Louis Vuitton mit, bevor er 2015 in London sein eigenes Label eröffnete.

Am darauffolgenden Dienstag, 26. Februar übernimmt Dawei das Szepter. Das im September 2016 vom chineschstämmigen Wahlpariser Dawei Sun gegründete Label bietet zeitgenössische Mode, die raffiniert und einfach zugleich ist und gekonnt drei Universen zusammenführt: Eine junge, urbane Sportswear, einen "gemütlichen" Minimalismus und einen Hauch Romantik und Poesie.

Der Designer kann bereits auf eine beachtliche Erfahrung zurückblicken. Nach dem Studium an der Chambre Syndicale de la Couture Parisienne, das er 2005 abschloss, launchte er im Jahr 2010 seine erste Marke, Belle Ninon, mit Ling Liu. Ebenfalls mit Liu überblickte er bis 2013 die kreative Abteilung von Cacharel.
 

Outfit von Dawei für die Frühjahrs-/Sommerkollektion 2019

Am letzten Veranstaltungstag, dem 5. März, werden auf den Pariser Laufstegen nach der Chanel-Show erstmals die Label Cyclas und Jarel Zhang gezeigt. Cyclas bietet minimalistische, entspannte Luxus-Mode von zeitloser Eleganz. Geführt wird das Label von Keiko Onose, die lange als Einkäuferin tätig war, so unter anderem 13 Jahre lang als Womenswear-Einkaufsleiterin der Modekette United Arrows. 2007 gründete sie dann die Marke The Secretcloset, die sich auf Luxus-Designermode konzentrierte und in 5 Verkaufsstellen in ganz Japan vertrieben wurde. Sie launchte auch eine Eigenmarke für das Unternehmen, bevor sie 2016 mit Cyclas einen Neustart wagte.

Der in China geborene Designer Jarel Zhang absolvierte zunächst ein Kunststudium in London und schloss seine Ausbildung an der University of Northumbria ab. Seine 2015 gegründete Marke wird durch einen innovativen, futuristischen Stil charakterisiert. Die Kollektionen wurden zunächst in New York, dann in London und im vergangenen März in Paris gezeigt und nun im offiziellen Schauenkalender aufgenommen.

Ebenfalls mit Spannung erwartet werden die Rückkehr von Lanvin, Nina Ricci und Lacoste, die mit neuen Kreativdirektoren an den Start gehen. Bei Lanvin steht am 27. Februar das Debüt von Bruno Sialelli auf dem Programm. Der Designer, der bereits für Loewe, Balenciaga und Paco Rabanne tätig war, wurde im Januar von Lanvin zum neuen Kreativdirektor ernannt. Das vom chinesischen Investmentfonds Fosun kontrollierte Unternehmen befindet sich zurzeit im Relaunch.

Die Fans brennen auch auf die Rückkehr von Nina Ricci am 1. März. Das Label hat sich in einem radikalen Schritt dafür entschieden, seine kreative Leitung nach dem Wechsel von Guillaume Henry zu Patou zwei blutjungen Designern anzuvertrauen. Es handelt sich um Rushemy Botter (33 Jahre) und Lisi Herrebrugh (29 Jahre), Gewinner des Festival de Hyères 2018 und Finalisten des LVMH-Preises. Botter stammt von der karibischen Insel Curaçao und studierte an der Amfi-Designschule in Amsterdam. Seine Partnerin – privat wie beruflich – ließ sich an der Akademie Antwerpen ausbilden, in dieser Stadt wohnt das Paar auch seit zehn Jahren. In Hyères sorgten die beiden mit einer sehr einfallsreichen und engagierten Herrenkollektion für Aufsehen, besonders mit destrukturierten und auf vielfältige Weise wieder zusammengefügten Anzügen.



Bruno Sialelli gibt sein Debüt bei Lanvin während der Paris Fashion Week - Lanvin

Die dritte Newcomerin im Bunde – die in Tat und Wahrheit alles andere als unerfahren ist – heißt Louise Trotter. Sie zeigt am 5. März ihre ersten Entwürfe für Lacoste, als Nachfolgerin von Felipe Oliveira Baptista. Die britische Designerin legte bereits eine glänzende Karriere als Kreativdirektorin von Joseph in London hin. Zuvor war sie Kreativ-Direktorin für die Luxusmarke Jigsaw. Zu Beginn ihrer Karriere war sie in den USA für Calvin Klein und Gap tätig, als Vizepräsidentin für Produktdesign und -entwicklung der Damenkollektion. Später wurde sie zur Kreativdesignerin der Luxuslinie H Hilfiger ernannt.

Erwähnenswert ist außerdem die Rückkehr von Kenzo. Das Label setzte seine Teilnahme im September aus, um das neue See now, buy now-Konzept für die Memento-Kollektion vorzubereiten, deren Inspiration aus den Archiven des Modehauses stammt. Die Produkte der Kollektion Memento n°4 werden unmittelbar nach der Präsentation am 27. Februar zum Verkauf angeboten.

Neben diesen Neuerungen werden wie gewohnt die Kollektionen der renommiertesten Pariser Modehäuser gezeigt – unter anderem Christian Dior, Saint Laurent, Chloé, Celine, Hermès, Balenciaga und Givenchy – wie auch zahlreiche ausländische Labels, so Alexander McQueen, Yohji Yamamoto, Issey Miyake, Miu Miu, Dries Van Noten und Thom Browne. Tommy Hilfiger zeigt seine Kollektion erstmals während der Modewoche der Damenkollektionen am 2. März. Das Label enthüllt dabei die Zusammenarbeit mit der amerikanischen Schauspielerin und Sängerin Zendaya.

Die Pariser Modewoche verspricht somit trotz der Absage von zehn Marken ein intensives Programm. Nicht mit von der Partie sind beispielsweise die koreanische Designerin Moon Youn Lee und Paul & Joe, die am 26. Februar bzw. am 3. März außerhalb des offiziellen Programms defilieren. Ganz von Paris verabschiedet haben sich die in Berlin ansässige und in Schanghai produzierte Marke Ximonlee, nach einem Testversuch in Paris im vergangenen Winter. A.W.A.K.E. kehrte in der vergangenen Woche zur London Fashion Week zurück. Auch die alteingesessene Marke Poiret, die 2018 einen Relaunch ankündigte, verschwindet nach zwei Saisons und dem Rücktritt der Designerin Yiqing Yin wieder von den Laufstegen. Die Designer von Jour/Né haben ihre Teilnahme aus "persönlichen Gründen" abgesagt.

Auch der kolumbianische Designer Esteban Cortazar entschied sich gegen eine Modenschau und konzentriert sich stattdessen auf Pop-up-Konzepte. Valentin Yudashkin will seinerseits stärker auf größere Veranstaltungen in und um Moskau fokussieren. John Galliano setzt während der Umstrukturierung der Marke aus und feilt an einem neuen Präsentationsformat. Sonia Rykiel, die im September in der Pariser Allee defilierte, die den Namen der Markengründerin trägt, bevorzugte nun eine Präsentation im kleineren Rahmen.
 

Übersetzt von Aline Bonnefoy

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