Pariser Designer im Schatten des «Bösen»


Balenciaga (Bild Pixel Formula)
Paris (dpa) - Natürlich hat der Skandal um Dior und John Galliano ihnen irgendwie die Schau gestohlen: Die Pariser Designer, die in den ersten Tagen der Prêt-à-Porter-Schauen für Herbst/Winter 2011/12 ihre Mode zeigten, hatten es schwer mit der Aufmerksamkeit. Die Kreativen, die vor dem Dior-Defilee am Freitagnachmittag dran waren, versuchten dennoch, sich nicht aus dem Konzept bringen zu lassen. Und lieferten einige beachtliche Kollektionen ab - auch wenn der Medienfokus zur Zeit fast gänzlich auf dem Pariser Modehaus liegt, das am Dienstag seinen langjährigen Stardesigner Galliano wegen übler judenfeindlicher Äußerungen vor die Tür setzte.

   Anders als die Journalisten ließen sich die Einkäufer nicht aus der Ruhe bringen, ordneten am Flughafen-Gate ihre Notizen und aktualisierten ihre Showroom-Termine. Ihr Verhalten wirkte wie «Business as usual». Geschockt zeigten sich aber alle.

   Die Vorgänge um Galliano gelten als beispiellos. Vieles kann man dem Modevölkchen nachsagen, doch Intoleranz gegenüber Minderheiten und Rassismus gibt es selten. Zahlreiche Designer bekennen sich offen zu ihrer Homosexualität und treten für eine liberale multikulturelle Gesellschaft ein. Karl Lagerfeld empörte sich im Fachblatt «Women's Wear Daily» darüber, dass der Galliano-Vorfall die ganze Modebranche in Verruf bringe. Auch andere äußerten ihr Entsetzen. Doch gab es Stimmen wie die der Stylistin Patricia Field, die das Ganze einfach nicht glauben konnten.

   Bei der freundlichen Schau von Miyake-Designer Dai Fujiwara am Freitagvormittag war von der Aufregung nichts zu spüren. Auch hier sah man - wie bei Dior - die Abschiedskollektion eines Designers - doch war es eine geplante letzte Schau.

   Fujiwara will sich künftig anderen Aufgaben widmen, ein Nachfolger soll im April bekanntgegeben werden. Zu sanften Klavierklängen brachten Helfer Schnittbögen auf dem Laufsteg kunstvoll in ein Origami-Faltwerk. Das bekamen die Models als rombenförmigen Mantel, Rock oder Kleid mit spitzen Flügeln umgehängt. Ein toller Effekt, der auch auf Fujiwaras großartige Drapierkunst verwies.

   Die eigentliche Kollektion nahm die Rombenformen auf, in Rockzipfeln, Ärmeln oder Kleiderlagen, realisiert auf fließenden grafisch klar gegliederten Entwürfen in hellen Grautönen. Daneben gab es gerundete Kleider mit leicht aufgeblasenem Volumen, es gab Computerdruck und Karomuster in sehr schönen Rot-, Braun- und Orangetönen.

   Schon am Tag davor hatte Nicolas Ghesquière seine Kollektion für Balenciaga vorgestellt. Ghesquière ist einer der meistbeachteten Designer der Pariser Modeszene. Er zeigt immer Neues und Wegweisendes.

   Ungewohnt locker fielen seine Entwürfe aus. Er kombinierte wadenlange seidige Faltenröcke mit fein gezeichneten Mustern in leuchtenden Farben zu voluminösen Jacken aus einem dicken Flechtwerk aus (künstlichem) Leder. Schmale Hosen wurden zu eleganten Tageskleidern kombiniert, Mäntel fielen lässig. Insgesamt wirkte alles elegant und sehr pariserisch.

   Balmain-Designer Christophe Decarnin erschien am Ende der Schau selbst nicht auf dem Laufsteg. Er hat gerade einen Klinikaufenthalt - angeblich wegen Depressionen - hinter sich und war demnach noch nicht wieder «einsatzfähig». Nachdem er in der vergangenen Saison Edel-Punk auf den Laufsteg gebracht hatte, ging es nun sehr zivil zu: Fast puristisch wirkten die scharf geschnittenen, taillierten Glanzjacken und -westen in metallischem Blau, Grün oder Gold. Schmale Hosen und prunkvoll gemusterte Glitzerkleider in Mikromini-Länge komplettierten den Look.

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