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Pariser Menswear Season startet mit kunstvoller Schneiderei und einem neuen Star

Übersetzt von
Felicia Enderes
Veröffentlicht am
09.07.2020
Lesedauer
4 Minuten
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Nach einer dreitägigen digitalen Pariser Haute-Couture-Saison, in der man überraschend wenig Kleidung zu sehen bekam, eröffnete am Donnerstag in der französischen Hauptstadt die Menswear-Saison mit viel, viel anregender neuer Mode. Hinzu kam ein wirklich großartiges Pariser Debüt des jungen Modehauses EGONlab, das die allgemeine Tendenz hin zur kunstvollen Schneiderkunst unterstrich.


Études N°18 - Spring Summer 2021 - Official Video


Wo sich viele Couture-Häuser auf "Mood Pieces" und schnelle Teaser konzentrierten, schufen die Herrenmodedesigner vollwertige Videos mit kompletten Kollektionen, die mit viel Elan gedreht wurden und mit neuen Soundtracks aufwarten. Shazam erkannte nur wenige der Video-Soundtracks am Donnerstag, dem Eröffnungstag der fünftägigen französischen Menswear Season, die 68 Marken umfasst.

Der Tag begann mit ungeheurem Schwung dank Etudes und dessen erfinderischen Trios bestehend aus Aurélien Arbet, Jérémie Egry und José Lamali. Eine ausgedehnte 11-minütige Reise durch Paris – grüne Gassen, steingepflasterte Treppen, stillgelegte Bahngleise und mit Graffiti besprühte Hochhäuser, alles gefilmt im Norden der Hauptstadt – genauer gesagt im 20. Arrondissement – vom unabhängigen Filmemacher Grégoire Dyer, dessen Stil an den von Orson Welles erinnert. Der Titel der Kollektion? "Yes Future".

Der Film beginnt mit einem übergroßen weißen Laborkittel, gefolgt von voluminösen Parkas, gestreiften Hemden mit Keith-Haring-Bildern, säuregefärbten Jeanshosen und hellgrauen, kastenförmigen Wollanzügen, die mit Schnürstiefeln getragen werden. Dazu einige großartige Patchwork-Hemden mit Fotos von Vögeln und Sonnenuntergängen, die von Bildern von Roe Etheridge stammen. Dieser wiederum hat das Lookbook der Kollektion fotografiert. Kurz gesagt, Arty Streetwear, aufgenommen von einem Kunstfotografen. Alles in allem eine durch und durch intelligente Art und Weise, digitale Medien zur Präsentation einer Kollektion zu nutzen.
 
Man wurde auch Zeuge großartiger Blazer und Anzüge aus Leinen von CMMN SWDN, deren Video in einem komplett weißen Studio mit Strohballen gedreht wurde. Hinzu kommen Hemden aus Leder mit Kurbits-Blumendrucken des schwedischen Künstlers Carl Larsson und einige Morgenmäntel mit Universitätsabzeichen – ein cooles Statement für den Sommer. Alles inspiriert von der Zeit, die Saif und Emma, das kreative Duo an der Spitze der Marke, als Ehepaar in einem kleinen Häuschen an der schwedischen Küste verbrachten.
 
Volle Punktzahl ging an EGONlab für ein erstklassiges Video mit dem Titel "Renewal", das in Zusammenarbeit mit Kisol gedreht wurde. Das im Marais ansässige EGONlab ist eines der interessantesten neuen Labels in Paris, das Gebrauchskleidung, militärische Details und ausdrucksstarke Grafiken auf effektvolle Weise miteinander verbindet. Ihr erster Auftritt auf dem offiziellen Pariser Kalender mit dem Titel "The Myth of Renewal" hatte etwas Wunderschönes, einen Hauch von Utopie und enthielt formschöne Smokings, Survival-Geschirrwesten, strenge Jagdwesten und gemusterte Hemden. EGONlab arbeitete auch mit Sergio Tacchini zusammen und entwarf witzige Sweatshirts und Baseballjacken, die mit Katzencartoons versehen waren. Eine Marke voller guter Ideen mit Streetwear-Einflüssen. Von EGONlab und seinen beiden Designern, Florentin Glémarec und Kévin Nompeix, werden wir sicherlich noch einiges hören. Ein großartiger erster Auftritt!


EGONlab Spring/Summer 2021 - Instagram


Der Vormittag endete mit Wooyoungmi. Der talentierte Koreaner präsentierte ein eher bescheidenes Video, in dem wir junge Menschen mit langen Haaren sehen, die auf einer Bühne mit roten Wänden umherlaufen oder auf Stühlen stehen. Mit zweireihigen Anzügen aus feiner Wolle, Denim-Cargo-Hosen mit aufgesetzten Taschen für die Jungs und A-linienförmigen Kleidern oder khakifarbenen Armeehemden für die Mädels wirkte der Gesamteindruck viel zu bescheiden. Wooyoungmi sollte sich besser wieder an die Arbeit an seinem (digitalen) Zeichenbrett machen.
 
Inklusivität war das Thema bei Blue Marble, mit einem vielfältigen Casting von schicken Hippie-Skateboardern, die in und um Paris herum aufgenommen wurden. Tolle Button-Down-Hemden in Tie-dye-Optik, ausgebeulte Trainingshosen, gesteppte Mäntel und sensationelle Seidenhemden mit Drucken, die Mati Klarwein würdig wären. Alles endete mit einem triumphalen Spaziergang zu einem Yachthafen am See. Moderner Psychedelic-Chic in seiner ansprechendsten Form.

Ironischerweise war es einer der berühmteste Designer unserer Zeit – Jonathan Anderson –, der sich mit einem einfachen Teaser begnügte. Oder vielmehr ein "Fotobuch" der Frühjahr/Sommer-Kollektion 2021, die er bereits letzte Woche online von seinem Londoner Atelier aus enthüllt hatte. Diesmal stand der charmante Künstler Carlos Maria Romero mit lockigem Haar und nacktem Oberkörper fünfunddreißig Sekunden lang im Mittelpunkt. Er lag auf einer Reihe von Bildern aus der Kollektion und hängte geduldig Fotos, Stoffmuster, Skizzen und getrocknete Blumen auf. Diese stammen aus einem Päckchen, das JW Anderson letzte Woche an Redakteure und VIPs versandt hatte. Verwirrend, ja, aber auch irgendwie cool.

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