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Prada zieht nach Rassismusvorwurf mehrere Artikel aus dem Verkehr

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
today 17.12.2018
Lesedauer
access_time 3 Minuten
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Ist Prada rassistisch? Ein Schlüsselanhänger in Tierform, mit einem dunklen Gesicht und wulstigen roten Lippen wurde als Blackface bezeichnet und mit einem dunkeln Teil unserer Vergangenheit in Verbindung gebracht.


Chinyere Ezie


Die kleinen Gestalt wurde im Rahmen der Linie "Pradamalia" geschaffen. Es gibt sie zwar schon seit mehreren Wochen, doch der Skandal wurde erst von Chinyere Ezie losgetreten. Die Verfassungsrechtsanwältin hob die Ähnlichkeiten mit den karikierten Zügen von Blackfaces hervor.

Die Anwältin hatte kurz zuvor das National Museum of African American History and Culture in Washington D.C. besucht und teilte daraufhin auf Facebook Bilder der Kinderbuchfigur "Little Sambo" aus dem 19. Jahrhundert, die sinnbildlich für den unverhohlenen Rassismus jener Zeit steht. Dieser Figur stellte sie ein Bild der in den Prada-Schaufenstern ausgestellten Accessoires gegenüber. Die Polemik verbreitete sich von da an wie ein Lauffeuer.

Es hagelte Kritik: Hunderte von negativen Kommentaren auf den sozialen Netzwerken zwangen Prada dazu, schnell zu handeln und den Schlüsselanhänger und alle anderen Produkte, auf denen die Figur abgebildet war, aus dem Verkauf zu ziehen. Es handelt sich um eine ganze Reihe von Accessoires und Kleidungsstücken.

Obwohl die italienische Marke bei ihrem Entwurf offensichtlich keine rassistischen Hintergedanken hatte, zeugt die schnelle Reaktion davon, dass sich das Modehaus bewusst ist, welche potenziellen Schäden solche Anschuldigungen mit sich ziehen können. Dies wurde in jüngster Vergangenheit am Beispiel von Dolce und Gabbana deutlich, deren Reaktion auf eine ähnliche Anschuldigung von der Öffentlichkeit als unangemessen betrachtet wurde. Die zögerliche Stellungnahme der Gründer des Modehauses schadete der Luxusmarke in China stark – es steht noch offen, ob und wie sie sich in diesem Markt wieder aufrappeln kann.

In einer Medienmitteilung zur Angelegenheit erklärte Prada: "Die Pradamalia sind tierische Schlüsselanhänger, die aus verschiedenen Bestandteilen der Geschichte von Prada bestehen. Es sind frei erfundene Fantasiegestalten, die sich nicht auf die wirkliche Welt beziehen und erst recht nicht auf Blackface. Die Prada-Gruppe wollte niemanden beleidigen und verabscheut jegliche Form von Rassismus und rassistischer Bilder. Deshalb ziehen wir die betreffenden Figuren aus unseren Schaufenstern und Läden zurück".

Die Polemik hebt ein ständiges Problem der Modebranche hervor: Die stetige Suche nach Neuem in einer Zeit, in der jeglicher Verdacht auf Rassismus, kulturelle Aneignung oder ganz allgemein ein mangelndes Einfühlungsvermögen in wenigen Stunden viral gehen kann. Wie bereits erwähnt erholt sich Dolce und Gabbana erst langsam von den jüngsten Vorwürfen und H&M und Gap wurden ebenfalls aufgrund von als rassistisch empfundenen Werbekampagnen an den Pranger gestellt. Das Risiko besteht für alle Unternehmen der Branche, ungeachtet des Preissegments.

Tatsache ist, dass die Branche ohne große Unterscheidung Konsumenten rund um den Globus ansprechen will. Für diese ist es aber wichtig, dass die Marken, die sie tragen, als positiv wahrgenommen werden. So haben sie keine andere Wahl, als ihrer Umgebung Rechnung zu tragen und ihre Kommunikation zu pflegen.

Die Zeiten, in denen die kulturellen Zeichen der amerikanischen Ureinwohner oder der Massai regelmäßig von Designern geplündert wurden, in denen ohne Aufschrei reihenweise weiße Models defilierten und in denen es akzeptabel erschien, weiße Models für Zeitschriften schwarz zu schminken, sind vorbei. Dieselbe Sensibilisierung muss nun konsequent auf scheinbar harmlose Gegenstände wie Schlüsselanhänger Anwendung finden.
 

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