Reebok: Kasper Rorsted verteidigt Muscle Up-Programm

Auf einem überdimensionierten Bildschirm im Medienraum der Adidas Group in Herzo prangt im Großformat eine Zahl: "+400". Der CEO des Mutterkonzerns Adidas, Kasper Rorstedt, richtet sich an die Finanzpresse und fühlt sich in seiner Rolle sichtlich wohl. Als er auf die kränkelnde Tochter Reebok zu sprechen kommt, wählt er diese vielsagende Zahl, um seinen Erläuterungen mehr Gewicht zu verleihen. +400, das entspricht dem Wachstum der Bruttomarge von Reebok im vergangenen Jahr: Sie verbesserte sich um ganze 4 Prozent auf 40,7 Prozent, bei einem Umsatz von EUR 1,843 Milliarden.


Die neue Markenbotschafterin Gal Gadot - Reebok

Angesichts der erfreulichen Dynamik bei Adidas ist Reebok für den Konzern seit geraumer Zeit ein wunder Punkt. Kasper Rorsted erklärt die Schwierigkeiten damit, dass "wir in den vergangenen acht bis neun Jahren nicht alles Nötige getan". Dennoch verteidigt Rorsted das vor eineinhalb Jahren eingeführte Muscle Up-Programm, das Reebok bei der Ausrichtung als reine Fitnessmarke stärken und die Rentabilität des Labels verbessern soll. Das Programm brachte einschneidende Veränderungen: "Wir haben Reebok zu einer Einheit mit Sitz in Boston konsolidiert, um alles an einem Standort zusammenzuführen und die Zukunft der Marke zu bestimmen", so der CEO. Er bestätigt, dass der Konzern dabei "sehr aggressiv" vorgegangen sei. Ziel sei es, fast die Hälfte der Stores in Nordamerika zu schließen. Im Jahr 2017 wurden bereits die 40 verlustreichsten Verkaufsstellen geschlossen, im laufenden Jahr soll die Entwicklung weitergeführt werden.

Durch die Verkleinerung des Bestands und die Schwierigkeiten im amerikanischen Einzelhandel schrumpfte der Umsatz der Marke 2017 um 15 Prozent auf EUR 432 Millionen. In China ist mit einem Plus von 25 Prozent eine erfreuliche Entwicklung zu beobachten, in den Sparten Training, Running und Classics verzeichnete das Unternehmen ebenfalls einen Zuwachs im zweistelligen Bereich. Mit einem Wert von EUR 82 Millionen bleibt der in China erwirtschaftete Umsatz zwar bescheiden, doch ist das Wachstumspotenzial im Land der Mitte groß. Das 24-prozentige Wachstum in Westeuropa mit einem Umsatz in Höhe von EUR 496 Millionen ist bemerkenswert. Besonders das Classics-Angebot erfreute sich hier großer Beliebtheit. In Russland und den davon abhängigen Märkten setzte die Marke mit EUR 182 Millionen zwei Prozent weniger um als im Vorjahr. In Lateinamerika ergab sich ein fast zehnprozentiges Wachstum (EUR 235 Millionen), die Situation in Japan blieb mit EUR 101 Millionen vergleichsweise stabil und im Raum EMEA betrug der Absatz EUR 304 Millionen, nicht zuletzt dank der Training-Sparte.

Der Konzern verwies darauf, dass alle Prozesse, von der Produktentwicklung bis hin zum Marketing, gestrafft werden, um die Margen in die Höhe zu treiben. Dabei fokussiert das Unternehmen auf den digitalen Bereich und darauf, in den Worten des CEO "die richtigen Produkte, zum richtigen Preis und zum richtigen Zeitpunkt" auf den Markt zu bringen. So werden Investitionen von Marketingkonzepten abgeleitet und in Zusammenarbeiten gesteckt. Nach der Ankündigung einer Kollektion in Zusammenarbeit mit Victoria Beckham enthüllte der Konzern die mit der Schauspielerin Gal Gadot erarbeiteten Entwürfe für die Fitnesssparte der Marke. Kasper Rorsted hofft, dass Reebok mit diesen Veränderungen und dem neuen Produktangebot im Jahr 2018 in Nordamerika die Rückkehr auf den Wachstumspfad gelingt.
 

Übersetzt von Aline Bonnefoy

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