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Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
11.09.2019
Lesedauer
4 Minuten
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Rihanna erfindet Dessous neu und begründet ein Modeimperium

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
11.09.2019

Rihanna inszenierte am Dienstagabend in Brooklyn ein Damenunterwäsche-Festival der Superlative. Mögen einige dies auch als Übertreibung sehen – es war das modische Gegenstück zu Napoleons Schlacht bei Austerlitz, zu Schachmeister Garry Kasparows Sizilianischer Verteidigung und Fürst von Metternichs Leistung am Wiener Kongress. Die gewaltige Show umfasste Live-Performances, sportliche Tanzeinlagen, sehr hübsche Lingerie und ein gigantisches Set, das von De Chirico hätte stammen können. Eine bahnbrechende Veranstaltung in einer der wichtigsten Modebranchen. Ein unerhört cleveres Manöver, das innerhalb von nur 40 Minuten von einer Moderevolution kündete.


Bild: Getty Images für Savage X FentyX Fenty Show Presented by Amazon Prime Video - Getty Images for Savage X Fenty Show Presented by Amazon Prime Video


Die im Innern des Barclays Center in Brooklyn veranstaltete Show begann denkbar schlecht. Das Publikum war gezwungen, sich ohne Wasser oder sonstige Getränke die Beine in den Bauch zu stehen. Fashionistas und zahlreiche Schönheiten aus Brooklyn mussten den Raum mit schrecklich gekleideten Amazon-Manager teilen. In den Annalen der Modegeschichte gab es wohl keine schlechter gekleidete Gäste-Gruppe seit Riga im Jahr 2005 oder Tiflis Anno 2009. Jeff Bezos, der in Brunello Cuccinelli ziemlich schick aussah, müsste sie mal darauf ansprechen.

Darüber hinaus mussten alle Gäste ihre Handys abgeben, ein Gräuel für Moderedakteure mit Social-Media-Druck. Die iPhones der leitenden Redakteure wurden bislang gerade Mal im Rahmen der Events in der Downing Street oder im Buckingham Palace eingezogen.

Ungeachtet dieser Anmaßung entpuppte sich die Show als absolut bahnbrechend. Sie startete mit einer Tanzeinlage von Rihanna, umringt von 10 Tänzern in schwarzen Bodysuits und ebensolcher Unterwäsche. Im Hintergrund das riesige Set mit einer vierstöckigen Fassade, die an den Fendi-Hauptsitz, den Palazzo della Civiltà in Rom, erinnerte.

Sogleich wurde der Blick von den auf dieser Fassade unter den Kalkbögen tanzenden Models angezogen. Mehrere Steadycam-Crews huschten über das Set, während Gigi Hadid einen Auftritt im Femme Fatale-Outfit machte – inklusive schmuckbesetzter Kopfbedeckung.



Bild: Getty Images für Savage X FentyShow Presented by Amazon Prime Video - Getty Images for Savage X Fenty Show Presented by Amazon Prime Video


Wo Victoria's Secret Supermodels in fantasievollen Federlooks auf die Laufstege sandte, und sie somit objektivierte, bevölkerten bei Rihanna Models mit unterschiedlichen Ausmaßen das Set und schufen dadurch ein harmonisches, integratives Gesamtbild. Transgender-Models und Models mit amputierten Beinen, wie auch rundliche Silhouetten waren ebenfalls mit von der Partie.

Verschiedenste Hiphop-Stars und Sänger erschienen hinter dem Migos-Trio und tanzten in Metallic-Outfits in einem Pool, dazu sang Halsey lustvoll, mit Big Sean, A$ap Ferg und Fabolous. Die Spannung ließ während der gesamten Show nicht ab, es entstand eine Mischung aus unglaublich angesagter Varieté- und Broadway-Show.

Dazwischen tauchten auch Topmodels wie Alek Wek, Cara Delevingne, Joan Smalls und Bella Hadid in besonders launenhafter Stimmung auf.

Die gezeigte Lingerie war sportlich, mit athletischen Einflüssen und enthüllte eine optimistische Palette dunkler Sorbet-Töne. Die Stimmung war jedoch sehr aggressiv. Es gab keinen anmutigen Jane-Austen-Moment, keine romantische Schwanensee-Einlage. Und dennoch – Taffe Weiblichkeit war Trumpf.


Bild: Getty Images für SavageX Fenty Show Presented by Amazon Prime Video - Getty Images for Savage X Fenty Show Presented by Amazon Prime Video


Nach einer riesigen Tanzperformance, die fast 100 knapp bekleidete Models involvierte, verneigte sich Rihanna, ohne ein Wort zu sagen oder zu singen, vor den 850 begeisterten Zuschauern. Den Anwesenden war bewusst, dass sie einem historischen Modeevent beigewohnt hatten. Sie haben zwar den Abend damit verbracht, hunderte Unterhosen und BHs zu begutachten, aber tief in ihrem Innern fühlten sie, dass sie Teil der Schöpfung geworden waren.

Und das Timing war perfekt, wenn man bedenkt, dass die Titelgeschichte des Business-Teils der New York Times am Freitag, 6. September folgenden Titel trug: "Victoria’s Secret hatte Schwierigkeiten, schon vor Jeffrey Epstein".

Victoria's Secret bestimmte die amerikanische Lingerie während fast zwei Jahrzehnten – und erzielte im vergangenen Jahr in Nordamerika immerhin noch USD 7,4 Milliarden. Nun kommt der Gigant aber ins Wanken aufgrund des kulturell anstößigen Schauenmodells und der Verbindung mit dem größten Sexskandal der USA. Jeffrey Epstein war während vieler Jahre finanzieller Berater des CEOs Leslie H. Wexner. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, sich in den 90er-Jahren als Talent Scout für Victoria's Secret ausgegeben zu haben, um junge Mädchen sexuell auszubeuten.

In Rihannas Show kann von alledem keine Rede sein, sie definierte an diesem Abend die Regeln für Modespektakel neu. Am 20. September wird die Show auf Amazon Prime Time zu sehen sein. Und Savage X Fenty dürfte mit diesem neuen feministischen Paradigma ein rasantes Wachstum gewiss sein.
 

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