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Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
20.07.2022
Lesedauer
6 Minuten
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Robert van de Kerkhof (Lenzing): Lenzing musste sich "als Marke nachhaltiger Stoffe positionieren"

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
20.07.2022

Das auf Holz- und Faserzellstoffe spezialisierte österreichische Unternehmen Lenzing wünscht sich, dass seine Produkte denselben Bekanntheitsgrad erlangen wie etwa Lycra und Gore-tex. Dennoch investiert die Gruppe nicht in den Ausbau ihrer Produktion, sondern vielmehr in die Umstellung ihrer historischen Tencel-Produktion auf robustere und vor allem nachhaltigere Modal-Fasern, beispielsweise mit ihrer Marke Ecovero. Vertriebsvorstand Robert van de Kerkhof erklärt uns die Strategie des Unternehmens und spricht auch über die Auswirkungen der Gesundheitskrise auf die Geschäftstätigkeit, die Transformation der Textilbranche und die bevorstehenden energetischen Herausforderungen.

Robert van de Kerkhof - Lenzing


FashionNetwork: Die Geschäftstätigkeit von Lenzing war in den Jahren 2020 und 2021 starken Schwankungen ausgesetzt. Wie hat sich die Gesundheitskrise auf das Geschäft ausgewirkt?

Robert van de Kerkhof: Die Pandemie führte zu einer großen Verunsicherung. Wie lange wird die Krise dauern? Wie wird die Erholung? Geht es schnell wieder aufwärts? Heute wissen wir, dass die Verbraucher durch die Pandemie sehr viel mehr Wert auf Umweltfragen legen. Und die Strategie der Marken geht in Richtung nachhaltigerer Kollektionen. Genau das hat dazu geführt, dass sich unsere Ecovero-Produkte (bei der Herstellung dieser Viskosefaser tritt 50 Prozent weniger CO2 aus) und Tencel (Lyocell und Modal, Anm. d. Red.) 2020 sehr gut entwickelt haben. Doch kam mit der Energiekrise in Europa eine weitere Herausforderung hinzu, die neue Fragen aufwirft: Werden wir in der Lage sein, die Produktion aufrechtzuerhalten? Zu welchem Preis? Werden wir die Mehrkosten an unsere Kunden weitergeben und werden diese wiederum mit den Verbrauchern dasselbe tun? Darüber hinaus wird sich die Inflation auch auf das Vertrauen der Verbraucher auswirken, wie bereits in Europa und in den USA zu beobachten ist. Es ist nur eine Frage der Zeit, bevor auch Asien davon betroffen ist. Dadurch werden die Marken vorsichtiger. Den uns verfügbaren Daten nach zu urteilen, lassen sie geringere Stückzahlen produzieren, doch nachhaltige Artikel verkaufen sich nach wie vor gut.

FNW: Sind es diese Erkenntnisse, die Sie vor wenigen Wochen zur Veröffentlichung der neuen Unternehmensstrategie geführt haben?

RVK: Wir verfolgen aktuell mehrere Ansätze. Wir haben gerade eine neue Produktionsstätte in Thailand in Betrieb genommen und erhalten erste Feedbacks. Und die Faserzellstoffanlage in Brasilien war eine der bedeutendsten Großinvestitionen der jüngeren Vergangenheit. An beiden Standorten haben wir die volle Kontrolle über die Herkunft des Holzes, denn Holz aus gefährdeten Wäldern zu verwenden, ist das Letzte, das wir wollen (Viskose wurde in der Vergangenheit oft für den hohen Holzbedarf und die verwendeten Chemikalien kritisiert, Anm. d. Red.). Wir werden auch in Zukunft weitere solche Investitionen tätigen. Sei es mit Lyocell (Viskose, deren Herstellung weniger umweltschädlich ist, Anm. d. Red.), die vor allem in Thailand produziert wird, aber auch Lyocell-Mischungen mit Baumwolle oder Wolle, die insbesondere für Heimtextilien verwendet werden. Und natürlich wollen wir nachhaltiger werden. Die Refibra-Faser besteht zu 70 Prozent aus Holz und 30 Prozent aus Baumwolle. Aber das ist nicht genug. Wir müssen auch den Post-Consumer-Aspekt vertiefen. In diesem Sinne wollen wir bis 2024 in Zusammenarbeit mit der Södra-Gruppe 24.000 Tonnen Recycling-Produkte verwenden.

FNW: Sie wollen das Wachstum also auf dem Weg der Nachhaltigkeit fördern?

RVK: Im Grunde genommen haben wir uns dafür entschieden, nicht in unser Wachstum zu investieren. Bei unseren Konkurrenten werden Sie eine Steigerung der Viskoseproduktion sehen. Wir wollen aber unsere Viskoseproduktion zugunsten von Premium-Viskose wie Ecovero sogar reduzieren. Darüber hinaus ist die Umstellung unserer Viskoseproduktion auf Modal (mit Viskose verwandter Stoff, der resistenter und weicher ist und dessen Produktion weniger umweltschädlich ist, Anm. d. Red.) bereits angelaufen. Wir hoffen, dass bis Ende des Jahres mehr Modal aus unserer Anlage in Nanjing (China) kommt. So auch bei unserer Anlage in Purwakarta (Indonesien), die gegenwärtig Standard-Viskose herstellt und zunächst auf Ecovero umstellen wird, längerfristig aber auf die Herstellung von Modal. Diese Entwicklungen stützen sich auf bedeutende Investitionen. Im weiteren Sinne haben wir uns bis 2050 zum Ziel gesetzt, unsere Kohlenstoffemissionen zu halbieren. Noch in diesem Jahr erreicht das Lyocell-Geschäft in Thailand die Klimaneutralität und wir hoffen, dass wir bis November eine Zertifizierung erhalten.

FNW: Wie steht es um die Projekte für die Entwicklung neuer Stoffe?

RVK: Wir entwickeln weiterhin neue Stoffe. Wie Tencel Luxe, eine vegane Alternative für Seide. Oder Tencel Web, eine Vliesfaser, die in zahlreichen Bereichen Einsatz findet, beispielsweise für Hygieneprodukte oder in der Landwirtschaft. Und auch im Bereich Textilien/Bekleidung, wie die Rückmeldungen bei der Techtextile (die Ende Juni in Frankfurt stattfand, Anm. d. Red.) ergaben. Wir haben auch eine Zusammenarbeit mit Orange Fiber begonnen (italienischer Hersteller einer zitrusfruchtbasierten Zellulosefaser, Anm. d. Red.). Weiter arbeiten wir mit Schuhakteuren wie Allbirds und Adidas zusammen, um ihren CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Das sind Möglichkeiten, die es vor ein paar Jahren noch nicht gab und die für uns sehr interessant sind. Dann investieren wir auch auf Branchenebene. Einer unserer Vizepräsidenten ist Vorstandsmitglied der NGO Textile Exchange. Ich stehe dem "Business Council" von Rehub vor, einem Euratex-Projekt, das sich der Sammlung, der Sortierung und dem Recycling von Textilien widmet. Und wir sind Teil der UNO-Initiative "Together for Sustainability", die sich insbesondere mit Fragen der Rückverfolgbarkeit befasst.

FNW: Somit findet der Wandel vor allem auf Branchenebene statt?

RVK: Die Transformation betrifft die ganze Branche. Ein Großteil des Markts bestellt beispielsweise im Niedrigpreissegment. Dadurch wird der Markt von Polyester beherrscht. Nun spricht man ja viel über Transparenz, doch ist die Erdölindustrie eine der undurchsichtigsten Branchen überhaupt. Man weiß nur selten, woher das Erdöl kommt. Viele Kunden wären daran interessiert, zu erfahren, ob es sich beispielsweise um russisches Erdöl handelt. Doch dem gegenüber steht eine Baumwollproduktion, die nicht mehr wachsen, vielleicht sogar etwas schrumpfen wird, aufgrund der mangelnden Düngemittel, die aus der Ukraine stammen, aber auch durch die Konkurrenz der Lebensmittelbranche. Und der Graben, der uns vom werkstofflichen Recycling von Polyester trennt, ist groß, obwohl Recycling-Polyester eigentlich die Norm sein sollte. Dasselbe gilt für die Wiederverwertung von Zellulosefasern, wobei es hier mit Programmen wie Cirulose von Renewcell gute Projekte gibt. Ich bin sehr optimistisch über die Kreislauffähigkeit holzbasierter Stoffe. Und es ist wichtig, in all diese Fragen zu investieren, denn, wenn die Produktion auf heutigem Stand weitergeht, fehlen der Branche bis 2030 20 000 Tonnen nachhaltige Fasern. In diese Bresche könnte das Recycling einspringen.

Die Gruppe setzt auf den neuen Viskose-Standard Ecovero, der nachhaltiger ist als klassische Tencel-Fasern - Lenzing


FNW: Welchen Stellenwert hat die Markenbekanntheit in der Strategie von Lenzing?

RVK: Ich war früher für Lycra und DuPont (Gore-tex) tätig. Das sind heute meine wahren Konkurrenten. Denn, wenn man eine Marke ist, setzt man nicht einfach eine einzige "Ingredient Brand" in das Produkt. Im Sport kann man es sich erlauben, verschiedene Materialmarken zu haben. Für eine Modekollektion ist das schwieriger. Als ich 2013 zu Lenzing wechselte war meine Analyse also, dass die Verbraucher das Konzept der Funktionalität verstanden haben: Gore-tex setzt auf Schweißregulierung und Atmungsaktivität, Lycra auf Bewegungsfreiheit. Für mich stand fest, dass sich Lenzing als Marke nachhaltiger Stoffe positionieren musste. Ecovero und Tencel haben aktuell keine konkurrierende Marken, doch verfügen sie auch nicht über eine starke Bekanntheit. Das verbessert sich mit den Jahren. Und diejenigen, die sie getestet und die besondere Weichheit der Stoffe erlebt haben, sind weitestgehend bereit, sie weiterzuempfehlen. Das ist sehr ermutigend für die Zukunft. Und für die Marken. Denn, wenn die Kunden sehen, dass es Tencel oder eine andere Marke ist, werden sie bereit sein, für nachhaltigere Stoffe mehr zu bezahlen.

FNW: Sie erwähnten die Energiekrise, der heute das Hauptaugenmerk der Textilbranche gilt. Inwiefern sind Sie von den steigenden Preisen betroffen?

RVK: Wir haben je nach Standort einen unterschiedlichen Energiemix. Die Anlagen, die Zellstoff herstellen, produzieren auch einen Teil ihrer Energie. Am Standort Lenzing beispielsweise stammt mindestens 85 Prozent des Stroms aus unserer eigenen Biomasse. Rund 40 Prozent unserer Bäume werden zu Zellulosefasern verarbeitet, 20 Prozent zu anderen Materialien und Industrieprodukten und 40 Prozent zu Schwarzlauge ("Black Liquor"), die eine hohe Energiedichte hat. Doch in den USA und in Großbritannien sind wir stärker von Gas abhängig und in Indonesien und China stellen wir aktuell von Holzkohle auf Gas um, während wir in Malaysia Biomasse einführen. Gas und Kohle werden teurer, doch bei Biomasse ist das nicht so ein Problem, somit ist die Lage für uns weniger alarmierend als für andere Branchenakteure. Nun stellt sich also die Frage, ob der Winter diesbezüglich schwierig bleibt, ob sich also die Industrie mit genügend Energie versorgen kann. Da kommt eine bedeutende Herausforderung auf die europäische Textilbranche zu.

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