Rocket Internet sucht nach Übernahmezielen – Gewinne zum Jahresstart

Die Startup-Schmiede Rocket Internet wartet auf den nächsten großen Griff. Die Beteiligungsgesellschaft halte derzeit Ausschau nach weiteren möglichen Investitionsobjekten, sagte Unternehmenschef Oliver Samwer am Dienstag bei der Vorstellung der Quartalsbilanz. Infrage kämen Fintech-Unternehmen, branchenspezifische Marktplätze aber auch das Geschäft mit künstlicher Intelligenz.

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Rocket Internet hatte 2015 und 2016 kräftig in Beteiligungen am Essenslieferanten Delivery Hero und dem Kochboxenversender Hellofresh investiert, die inzwischen an der Börse notiert sind. Wann die Berliner wieder zuschlagen wollen, ließ Samwer offen. Man warte auf die richtige Gelegenheit. Geld für eine neue Einkaufstour hätte sein Unternehmen genug: Zum Stichtag Ende März verfügte Rocket Internet über flüssige Mittel in Höhe von 2,6 Milliarden Euro.

Rocket Internet gründet Firmen oder investiert in junge Unternehmen. Als bisher größter Erfolg aus dem Hause Samwer gilt der Online-Modehändler Zalando. Auf eine weitere, ähnlich gute Story wie Zalando warten die drei Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer aber bislang. Die wichtigsten Unternehmensbeteiligungen Hellofresh, Global Fashion Group, Jumia, Westwing und Home24 konnten ihren Umsatz im ersten Quartal zwar steigern – die Mehrzahl der Unternehmen arbeitet aber trotz Verbesserungen noch nicht profitabel. Vor allem die Beteiligungen in Russland und Brasilien litten zum Jahresbeginn unter dem starken Euro.

Der Beitrag der Unternehmensbeteiligungen zur Rocket-Bilanz lag bei minus 12 Millionen Euro, damit reduzierte sich die Belastung aber deutlich: Im Vorjahresquartal hatte das Minus noch 72 Millionen Euro betragen. Die Unternehmen lägen im Plan und hätten einen wichtigen Schritt in Richtung Profitabilität gemacht, betonte daher der Rocket-Internet-Chef.

Mit dem ersten Quartal 2018 weist Rocket Internet für seine wichtigsten Beteiligungen Unternehmen keine aggregierten Kennziffern für Umsatz und operative Marge mehr aus. Das sei nicht mehr angebracht, da es angefangen mit den Börsengängen von Hellofresh und Delivery Hero im vergangenen Jahr zunehmend mehr selbstständige Firmen im Beteiligungs-Portfolio gebe. Auch der Online-Möbelversender Home24 hatte unlängst seine Börsenpläne verkündet.

Unter dem Strich schrieb Rocket Internet zum Jahresauftakt schwarze Zahlen – nach hohen Verlusten im Jahr 2017. Hier zahlte sich vor allem der Verkauf von Anteilen an Delivery Hero aus. Als Konzerngewinn wies Rocket Internet für das erste Quartal 75 Millionen Euro aus. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum war noch ein Verlust von 86 Millionen Euro angefallen. Die Erlöse kletterten im Jahresvergleich von 9 auf 10 Millionen Euro. Analyst Marcus Diebel von der US-Bank JP Morgan sprach von einem beeindruckenden Wachstum.

Der Essenslieferant Delivery Hero gilt inzwischen als wahrscheinlicher Aufsteiger in den MDax, wenn der Arzneimittelhersteller Stada im kommenden Monat seinen Platz im Mittelwerteindex räumen muss. Durch den Verkauf an dem südafrikanischen Medienkonzern Naspers reduzierte Rocket Internet die Beteiligung bis Quartalsende auf 8 Prozent. Im April nutzte der Startup-Brutkasten zudem den gestiegenen Kurs von Hellofresh für eine Aktienplatzierung und kürzte so seinen Anteil von 44 auf etwa 36 Prozent.

Die Rocket-Internet-Aktie selbst zeigte sich von den Zahlen am Dienstag nur wenig bewegt. Anfänglich etwas schwächer gestartet, arbeitete sie sich bis zum Mittag auf ein moderates Plus von rund einem halben Prozent auf 23,02 Euro vor. Seit Jahresbeginn hat das Papier, das seit März im MDax notiert ist, rund 10 Prozent hinzugewonnen. Seit dem Börsengang im Oktober 2014 hat sich der Kurs allerdings fast halbiert. Damals war das Papier mit 42,50 Euro gestartet.
 

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