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Römische Alta-Moda-Tage in der Krise

Von
DPA
Veröffentlicht am
today 15.07.2009
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Rom (dpa) - Prunk und Luxus konnten dieses Jahr nicht mehr darüber hinwegtäuschen: Die römischen Alta-Moda-Tage sind in der Krise. Altmeister Fausto Sarli startete am Sonntag den Abgesang: «Nächstes Jahr mache ich nur noch eine kleine Schau für einen erlesenen Kreis in meinem eigenen Atelier», kündigte er seinen Abschied von der Alta Moda an. Dabei hatte der neapolitanische Couturier noch kurz zuvor sein Publikum mit einem Defilee begeistert, das ganz dem Werk des Mode-Illustrators René Gruau (1909-2004) gewidmet war.


Fausto Sarli, Foto: dpa

«Sarli im Zeichen der Solidarität», hatten Zeitungen noch zuvor getitelt. Der Modeschöpfer hatte die Schau mit seinem «Modell der Hoffnung» eröffnet, einem eleganten Abendkleid in Schwarz-Weiß, dessen Erlös der Bevölkerung von Onna zu Gute kommen sollte. Der kleine Ort war bei dem verheerenden Erdbeben, das Anfang April die mittelitalienische Region Abruzzen verwüstet hatte, fast völlig zerstört worden. Aber auf Standing Ovations folgte Ernüchterung. Denn Sarli ist nicht der Einzige, der Rom den Rücken kehren will.

«Wenn von 400 Zuschauerinnen nach der Schau nur acht etwas kaufen, stellt sich einfach die Frage: Lohnt es sich noch?», brachte es Gattinoni-Chef Stefano Dominella auf den Punkt. Eine Schau koste immerhin rund 250 000 Euro, dabei seien die Einnahmen bei der Haute Couture seit Mitte 2008 «um 40 Prozent gesunken». Und so scheint Gattinoni sich Sarli anschließen zu wollen. Chefdesigner und Dominellas Partner, der sympathische Guillermo Mariotto, sieht das Ganze gelassener: «Ich habe mit 19 bei Gattinoni angefangen und schon damals wurde über die Krise des Modesektors gesprochen», sagte Mariotto. «Trotzdem sind wir heute, nach gut 20 Jahren immer noch hier und leben gut dabei.»

Die Mailänder Stardesignerin Raffaella Curiel mit ihren berühmten Kostümen und Susanna Liso mit ihrem tragbaren Woll-Chic zeigten ihre Modelle zwar auch dieses Jahr mit Erfolg - aber schon außerhalb des Programms. Curiel hatte sich bereits im Vorjahr im Zank mit der Alta- Moda-Chefin Nicoletta Fiorucci vor versammelter Presse auf dem Laufsteg verabschiedet. «Dies ist eine typisch italienische Veranstaltung fünfter Klasse und das auch noch ohne Klimaanlage», hatte sie damals wütend erklärt.

Und die Situation hat sich nach Einschätzung vieler Kritiker wenig geändert. Die Organisation sei chaotisch, bemängeln sie und klagen darüber, dass die Veranstalter, anstatt sich der fantastischen Kulisse Roms zu bedienen, die Schauen in das wenig charmante Auditorium oder in den allzu ehrwürdigen Gebäudekomplex «Santo Spirito in Sassia» verbannen.

Eine Ausnahme machte der libanesische Designer Abed Mahfouz: Er glänzte am Dienstagabend am antiken Konstantinsbogen direkt beim Kolosseum mit prächtigen, von der Kunst des Barock inspirierten Abendroben. Seine langen, opulenten Kleider mit ihren Silberstickereien schienen vor den historischen Bauten unter dem römischen Abendhimmel erst richtig zur Geltung zu kommen. Und auch das junge Designer-Duo Antonio Grimaldi e Sylvio Giardina für «Grimaldi&Giardina» schafften es, den Organisatoren einen antiken Veranstaltungsort abzuringen: Sie beglückten ihr Publikum mit rot- goldenen Gewändern aus Seide und Chiffon - nicht im Auditorium, sondern in den Märkten des Kaisers Trajan.

Doch der Ort für die Modenschauen ist wohl auch eine Geldfrage: «Wir können schließlich nicht jedem Stilisten eine andere Location bezahlen», zitierte die römische Tageszeitung «La Repubblica» die Alta-Moda-Chefin Nicoletta Fiorucci. Allerdings sollte Fiorucci klar sein: Eine Alta Moda ganz ohne große Namen ist zum Sterben verdammt. «Wir machen trotzdem weiter mit den Newcomern und der ethischen Mode», hatte Fiorucci trotzig den Abschied von Sarli kommentiert. «Ein großer Fehler», meint Altmeister Renato Balestra, dessen Defilee am Mittwochabend als abschließender Höhepunkt der vielleicht letzten römischen Mode-Woche auf dem Programm steht. «Ich persönlich hätte Tränen in den Augen», kommentierte Balestra die Spekulationen über ein Ende der Alta Moda.

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