Schweizer Uhrenindustrie bleibt optimistisch

Edle Glasvitrinen, weiche Samtkissen. Am 16. Januar startet für fünf Tage die Luxusuhrenmesse International de la Haute Horlogerie (SIHH) in Genf. Die Branche hat 2016 ein Desaster mit minus zehn Prozent hinter sich.


LuxusuhrenmesseInternational de la Haute Horlogerie (SIHH) in Genf findet vom 16-20. Januar statt. - screenshot/mm

30 Aussteller werden auf der SIHH vertreten sein. Hinzu kommt ein Publikumstag für den Endkunden. Damit reagiert die Messe auf den schwächelnden Absatz. Trotz des Luxus leckt die Branche noch ihre Wunden nach den Krisenjahren. Immerhin sieht der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie die Talsohle erreicht: "Wir erwarten für 2017 Exportumsätze im gleichem Umfang wie 2016", sagt Verbandspräsident Jean-Daniel Pasche. 2016 gab es Minus von zehn Prozent. Die Genfer Messe organisiert die "Stiftung zur Förderung der hohen Uhrmacherkunst". Deren Präsidentin Fabienne Lupo sagte der Nachrichtenagentur sda: "Es gab schon verheißungsvollere Jahre."

Das Wohl und Wehe der Industrie mit Exporterlösen von gut 20 Milliarden Schweizer Franken (18,6 Mrd Euro) im Jahr entscheidet sich in China: "Zwei Drittel des Exportvolumens entfällt auf Uhren für durchschnittlich 17.000 Franken", sagt Analyst Jon Cox von Finanzdienstleister Kepler Cheuvreux in Zürich der dpa. "Etwa die Hälfte der hochpreisigen Uhren wird von Chinesen gekauft."

Deren Kauflust war zuletzt aber stark gebremst. Antikorruptionskampagnen machten es uncool, Luxusuhren zu tragen, die zu unangenehmen Fragen hätten führen können. "Wir unterstützen diesen Kampf", sagt Pasche, "wir sind aber Nebenopfer." Dazu kam eine Verdoppelung der Luxussteuer in China auf 60 Prozent, dann kamen die Unruhen in Hongkong und die Terroranschläge in Europa. Manche betuchten Käufer blieben wohl zu Hause, statt sich in Boutiquen in Paris, Mailand oder Hongkong umzusehen.

Nun gibt es Lichtblicke. Gerade legte der Luxusgüterkonzern Richemont seine Zahlen für das Weihnachtsquartal vor und überraschte Analysten: sechs Prozent Umsatzplus, nach einen Einbruch von 13 Prozent im 1. Halbjahr. Zwar war das Zugpferd Schmuck. Mit Uhrenmarken wie Jaeger-LeCoultre, Piaget und Cartier büßte Richemont nochmal zwei Prozent ein. Das sei aber normal, sagt Analyst Patrik Schwendimann von der Zürcher Kantonalbank. Uhren werden meist über Großhändler verkauft, und die bauten bei einem Aufschwung erstmal ihre Lager ab. 

"Bekanntlich macht eine Schwalbe noch keinen Frühling, aber die aktuellen Indizien entsprechen bereits einem Schwalbenschwarm", schreibt er in einer Analyse und verweist auf positive Trends bei anderen Luxusgüterkonzernen wie LVHM und Tiffany. Cox sieht solides Wachstum in China und hält für 2017 plus vier Prozent für möglich.

In der Krise kam oft die Frage auf: Hat die Schweizer Uhrenindustrie den Trend zur Smartwatch verpasst? Apple ist mit seiner Apple Watch in Nullkommanichts zu einem der größten Uhrenhersteller der Welt geworden. Auf Smartwatches kann man sich Termine anzeigen lassen, Emails lesen, navigieren, Fitness messen, Fernseher ein- und ausschalten und – ach ja: auch die Uhrzeit ablesen.

Auf Luxusuhren habe das keinen Einfluss, meint Analyst Cox. "Niemand kauft sich eine Rolex oder Philippe Patek-Uhr, um darauf Emails zu lesen", sagt er. "Wer so etwas trägt, will zeigen, dass er reich ist. Und der kann sich auch zusätzlich eine Smartwatch leisten, wenn er will." Der Trend treffe mehr Hersteller im tieferen Preissegment, etwa die Swatch Group, den größten Uhrenkonzern der Welt. 

Deren Gründer und Chef Nick Hayek bleibt aber der Oberoptimist, auch nach einem Einbruch seines Betriebsgewinns im ersten Halbjahr 2016 um mehr als 50 Prozent. Die Gruppe legt demnächst ihre Zahlen vor und will sich deshalb jetzt nicht zur Marktlage äußern. Aber Hayek sagte der "Handelszeitung" im Dezember: "Es gibt keine Krise." Er spricht vom starken Franken, die Branche reagiere manchmal kopflos, er sei einer für langfristige Strategien. Bei Mikroelektronik und Mikromechanik sei die schweizerische Uhrenindustrie Weltmeister. "Aber wir wollen zuerst eine Uhr machen mit intelligenten Zusatzfunktionen, und nicht ein verkleinertes Telefon für das Handgelenk."

Deutschland ist für die Schweizer Uhrenindustrie der drittwichtigste Markt in Europa nach Großbritannien und Italien, aber die Exporte sinken. Pasche schaut nach Asien: "Es gibt noch Potenzial für unsere Industrie in Asien. Wir sehen diesen Markt zuversichtlich."

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