Stephanie Phair, BFC Vorsitzende, über die Nutzung von Google, die digitalen Pläne für die LFW, die Herausforderungen des Brexit und Co-Hosting von Mode in Downing Street mit dem Premierminister

Es war ein sehr arbeitsreiches Wochenende für Stephanie Phair, die neue Vorsitzende des British Fashion Council. Sie besuchte mehrere große Shows und Veranstaltungen während der London Fashion Week, veranstaltete am Freitagabend bei Piccadilly ein Dinner zum Launch der Mulberry-Flagship-Boutique und tanzte am Sonntag auf der Vogue-Party anlässlich des 10. Label-Geburtstages von Victoria Beckham. Sie begrüßte die Gäste des chinesischen Internetgiganten JD.com am Montag bei einer Soiree in der Nationalgalerie und am Dienstag schließt sie die Londoner Saison ab, indem sie zusammen mit Theresa May eine Mode-Zusammenkunft in der Downing Street 10 veranstaltet.


Ihre BFC-Berufung in diesem Sommer war der neuste Schritt in ihrer beeindruckenden Karriere. Nach ihrem Abschluss in Oxford zog Phair nach New York und arbeitete zunächst als PR von Issey Miyake, als der große japanische Designer einen von Frank Gehry entworfenen Flagshipstore eröffnete, bevor sie sich dann als Redakteurin Anna Wintours Vogue anschloss. Anschließend wechselte Phair zur Fashion-Technologie und wurde CEO von The Outnet, der Discount-Abteilung von Net-a-Porter – gegründet von Natalie Massenet, ihrer Vorgängerin als BFC Vorsitzende.

Viele Leute könnten argumentieren, dass Phair in sehr große Fußstapfen treten würde, von Massenet, der Frau, die fast im Alleingang sowohl die Mode als auch den Online-Einzelhandel mit ihrer Paradigma-zerschlagenden E-Tailing-Erfindung revolutionierte.

Unter der Führung von Massenet und der langjährigen BFC-Geschäftsführerin Caroline Rush veranstaltete Downing Street in den letzten zehn Jahren mehrere Cocktails, die allerdings von Samantha Cameron und nicht von ihrem Premierminister-Ehemann David veranstaltet wurden.

Wir haben uns dieses Wochenende in London mit Phair getroffen, um ihre Pläne für den BFC zu besprechen, welchen Blick sie auf die Zukunft der Mode wirft, wie sich der Brexit auf Londoner Designer und britische Marken auswirken könnte und was die neuen Pläne des BFC mit Google sind.

FashionNetwork.com: Erzählen Sie mir von der Veranstaltung am Dienstag in der Downing Street?
Stephanie Phair: Wir freuen uns sehr, dass diese Nummer 10 die London Fashion Week unterstützt. Aber es wird nicht nur ein weiterer Designer-Spaß sein. Es geht viel ehr um den internationalen Handel und wir haben uns darauf konzentriert, wichtige Einzelhändler und Redakteure einzuladen, die nach London gekommen sind.

FNW: Was möchten Sie mit Ihrem Mode- und Technologie-Hintergrund zum BFC beitragen?
S.P.: Nach The Outnet habe ich ein Jahr Pause gemacht und habe dann unter Jose Neves bei Farfetch angefangen, zunächst als Chief Strategy Officer – das bedeutet, ich habe mich darauf konzentriert, wie man sich vorwärts orientiert, wie man Innovationen nutzt und mit Start-ups zusammenarbeitet, mit Unternehmen handelt und M & A. Das ist immer noch mein täglicher Job.
Eine der größten Herausforderungen in der Mode ist die Disruption des Digitalen. Man kann das als Blocker oder als Herausforderung ansehen und auch als eine neue Gemeinschaft. Wenn man also in jeder Branche mit einem Fuß steht – Mode und Technologie – hilft das, mehr von dem zu tun, was wir tun müssen. Und persönlich bin ich deswegen sehr aufgeregt.

FNW: Was sind Ihre wichtigsten Ziele?
S.P.: Auf die großartige Arbeit von Natalie und Caroline aufzubauen. Die Fokussierung auf drei Hauptpfeiler zu legen: Bildung, Business und Reputation. Die Aufgabe des BFC ist es, die kollektive Kraft unserer Industrie zu nutzen. Also, die Richtung, in die ich gehen möchte, ist, einen höheren Fokus auf Metriken, auf zahlreichere private Finanzierung und einen nachhaltigeren BFC zu richten.
Und wir müssen wirklich hart an der Förderung des internationalen Handels arbeiten und, ehrlich gesagt, Auslandsreisen kosten Geld. Ich bin ziemlich besessen davon, dass wir mehr private Mittel finden müssen, um die aufgebrauchte öffentliche Finanzierung zu kompensieren. Die Regierung muss Prioritäten setzen und das müssen wir akzeptieren.

FNW: In welcher Weise speziell?
S.P.: Zum Beispiel werden wir weiterhin unsere Samstags-Clubs unterstützen, die Teenagern ermöglichen, in Colleges und Unternehmen Job-Erfahrungen in der Mode zu sammeln. Das bedeutet, dass sowohl Kinder als auch ihre Eltern darüber informiert werden können, welche Jobs in der Mode existieren. Es gibt nicht nur Designer und Models, ich meine auch Schnittmusterschneider, Kaufleute und Maschinisten etc.

FNW: Alles digital untermauert?
S.P.: Wir müssen immer die digitale Welt als Chance sehen.
Technologieunternehmen profitieren bereits von all den schönen Bildern und Inhalten, die durch die Modesaison generiert werden. Google ist ein großer Unterstützer – und sie haben angeboten, eine Google-Person auf alle unsere Grundpfeiler zu setzen. Die BFC, Google und Holition, ein Augmented-Reality-Leader, haben bereits ein Datenvisualisierungsprojekt erstellt, mit dem wir den Einfluss der LFW wirklich messen können.
Unsere Modesaison ist wirklich ein großes Geschäft, aber man braucht auch die Fähigkeit, all unsere Kreativität zu unterstützen. Wie zum Beispiel den Designern dabei zu helfen, wie sie einen Vorstoß auf Risikokapitalanleger ausarbeiten können.

FNW: Und abschließend Ihre Ansichten zum Brexit?
S.P.: Ich habe beim Referendum für ein Bleiben gestimmt, wie fast jeder, den ich in der Mode kenne. Der Brexit ist ein sehr anspruchsvolles Thema für die Mode, eine Branche mit vielen beweglichen Bestandteilen – sowohl in Bezug auf Menschen als auch auf Dienstleistungen. Aber was auch immer passiert, wir brauchen Reibungsgrenzen und zollfreien Zugang zur Europäischen Union. Wir haben gute Gespräche mit der Regierung geführt, aber all die Ungewissheit macht es sehr schwer, etwas zu planen!
 

Übersetzt von Elisa Gerlach

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