TOMS: Mehr Geben als Nehmen



Blake Mycoskie hat mit TOMS ein millionenschweres Social-Enterprises aufgebaut
Blake Mycoskie ist aktuell einer erfolgreichsten und bekanntesten Socialpreneure weltweit. 2006 reiste der damalige Endzwanziger nach Argentinien und sah, dass die Kinder dort ohne Schuhe liefen. Das brachte ihn auf die ebenso geniale wie simple Idee mit den TOMS Latschen: Für den Kauf eines Paars wird ein Kind in einem ärmeren Teil der Welt mit einem passendem Paar versorgt. One for One ® - lautet der einprägsame und effektive (und rechtlich geschützte) Markenslogan der kalifornischen Marke.

Corporate Responsibility als Unternehmenszweck

Laut eigenen Angaben hat TOMS bereits 45 Millionen Schuhe an bedürftige Kinder auf der ganzen Welt verteilt: Das heißt im Umkehrschluss wohl, dass bereits einige Millionen Schuhe verkauft worden sind. Ein Millionengeschäft! Mycoskie ist mit Sicherheit ein Gutmensch, aber einer der die Betriebswirtschaft versteht. Statt irgendwo Brunnen zu graben oder Reis zu verteilen, lebt er den Traum der Generation Y: Arbeiten für den sozialen Zweck oder wie er es in seinem Buch formuliert hat „Start something that matters“.

Buy something that matters



TOMS Slogan One for One: Der ist Zweck ist Programm
Nachdem das TOMS-Konzept in den USA etabliert ist, nimmt das Unternehmen jetzt Europa, insbesondere Deutschland, in den Fokus. Der Zeitpunkt dafür könnte nicht besser sein. Wer seinen Blick auf der Schanze, in Berlin Mitte oder Schwabing über das Kopfsteinpflaster gleiten lässt, sieht einige Frauen und Männer in den Espadrilles mit dem unscheinbaren blau-weißen Fähnchen am Haken. Die gut situierten Mittdreißiger in den Szenebezirken leben, um sich zu verwirklichen; sie arbeiten, um zu leben - und sie lieben Reisen, gutes Essen, einen schönen, am liebsten nachhaltigen Lifestyle: 45 Euro für simple Leinenschuhe sind für sie preislich genauso ok wie knapp 4 Euro für einen Liter Bio-Soya-Milch.
Was die meisten von ihnen nicht wissen, ist das von ihrem Einkauf wohl auch eine Investmentfirma profitiert. Der US-Finanzinvestor Bain Capital ist so ziemlich genau vor einem Jahr bei TOMS eingestiegen. Die Hälfte von Mycoskies Anteilen hat er übernommen. Die Nachrichtenagentur Reuters schätzte den Unternehmenswert damals auf gut 625 Mio. Dollar. „Diese Partnerschaft wird TOMS helfen schneller zu wachsen und den Menschen mehr zu geben, als wir es sonst könnten“, erklärte Mycoskie in einem Statement. TOMS verkaufte zu diesem Zeitpunkt außer Schuhen auch schon Brillen für Augenlicht (seit 2011) und Bio-Kaffee für sauberes Trinkwasser. Seit Kurzem gibt es auch Taschen, die eine sichere Geburt ermöglichen sollen. Weitere Überlegungen (mit bereist registrierten Domains) gehen in Richtung Finanzdienstleistungen, Tickets und weitere Getränkeformen wie Wein oder Saft. Mit dem Geld von Bain will Mycoskie u.a. andere Socialpreneure unterstützen. Bain investiert das Geld dagegen stärker in das Geschäft: Vertrieb, Organisation, Expansion. Wirtschaftlicher Erfolg muss ja nicht im Widerspruch mit der charitativen Unternehmensphilosophie stehen.

One for One ® - Die Botschaft steht für sich selbst

Viel Geld in Marketing muss TOMS nicht investieren. Die Botschaft steht für sich selbst - allerdings will sie kommuniziert werden, aber da hilft der Handel mit. Wer im Juli auf dem TOMS-Stand der Premium Berlin war, konnte sich davon selbst ein Bild machen wie so eine Hilfsaktion aussieht. Durch eine Virtual-Reality-Brille macht man sich mit einem Giving Partner (in der Regel eine vor Ort etablierte NGO) auf die fast reale Reise in ein armes Viertel Südamerikas. In einem Schulhof werden die Schuhe angepasst. Kinderaugen strahlen. Was gibt es Schöneres? Viele deutsche Händler hatten die Brille auf. Sie alle wollten nach dem Trip „mehr mit TOMS machen": POS-Events, Schaufenster, Social Media - das volle Programm, es ist ja für eine gute Sache. Die Marke hat eine echte Geschichte, so was verkauft sich gut - nicht nur an Hipster.
TOMS in Zahlen - One for One ® (Stand: Juni 2015)

  • 45 Millionen neue Schuhe an Kinder verteilt (Anm.: Es handelt sich dabei um einfachere Schuhformen, die auf die jeweilige Umgebung angepasst (bspw. schwarze Leinen-Slipper mit robuster Sohle, Winterstiefel, Sneaker).

  • 325.000 Menschen wurde geholfen, das Augenlicht zurückzugewinnen.

  • 175.000 Wochen lang wurden Familien mit jeweils 20 Liter sauberem Trinkwasser versorgt.

  • Zusammenarbeit mit mehr als 100 Giving Partnern in über 70 Ländern

  • Produziert wird in den Regionen, in denen die Giving Shoes verteilt werden (Argentinien, China, Äthopien, Haiti, Indien und Kenia). Dadurch wurden bereits 700 Jobs vor Ort geschaffen.




Fotos: TOMS

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