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Veröffentlicht am
20.01.2021
Lesedauer
3 Minuten
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Textil+Mode: Pleitewelle wird durch Lockdown-Verlängerung unabwendbar

Veröffentlicht am
20.01.2021

Der Kollaps rückt in greifbare Nähe: Die gestern seitens der Bundesregierung und der Länder beschlossenen Lockdown-Verlängerung treibt die deutsche Modeindustrie in den Ruin. So deutlich drückt es der Gesamtverband Textil+Mode aus. In einem ebenfalls gestern abgehaltenem Krisengespräch im Bundeswirtschaftsministerium habe man nochmals versucht, die Situation deutlich zu machen. Viele mittelständische Mode- und Textilunternehmen stehen vor dem endgültigen Aus.

Die weiteren zwei bzw. vier Wochen des Lockdowns werden aus Sicht des Gesamtverbandes Textil+Mode viele Unternehmen nicht überstehen. - shutterstock


"Die Verlängerung des Lockdowns ist für unsere mittelständischen Textilhersteller nicht mehr zu schultern", so Ingeborg Neumann, Präsidentin des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie. 
 
Die Folgen des Einzelhandels-Lockdowns reichen für die Industrie schon jetzt bis weit ins nächste Jahr. Die Bestellungen des Handels, der keine Ware im Laden verkaufen darf, gehen von Monat zu Monat zurück. Nach den Frühjahrs- und Sommerkollektionen 2020 sind auch die Herbst-/Winterkollektion 2020/21 zu großen Teilen liegen geblieben.

Das Verständnis für die Spezifika im Modegeschäft mit seiner "verderblichen" Ware scheint in den Spitzen der Politik tatsächlich noch immer nicht angekommen zu sein.  
 
"Wer als Industriebranche durch die Schließung des Modeeinzelhandels so massive Folgen zu tragen hat, braucht Hilfe. Die Uhr tickt, es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, um eine Pleitewelle noch abzuwenden. Wer weiterhin qualitativ hochwertige Mode von deutschen Marken haben will, muss jetzt helfen", so Ingeborg Neumann.
 
Die Branche fordert die Bundesregierung deshalb eindringlich auf, Herstellern und Einzelhändlern im gleichen Umfang den Wertverlust von saisonaler Ware als erstattungsfähige Kosten zu ermöglichen. Der weit überwiegende Teil der Kollektionen der deutschen Mode- und Schuhindustrie wird im stationären Handel verkauft.

Für den Branchenverband German Fashion warnt auch Präsident Gerd Oliver Seidensticker vor den dramatischen Folgen: "Viele Mittelständler trotzen der Krise derzeit aus der Substanz, was jetzt mit der neuerlichen Lockdown-Verlängerung endgültig an die Grenzen des Machbaren kommt und Tausende von Existenzen in der Modeindustrie gefährdet."
 
"Bei den enormen Vorfinanzierungskosten der Hersteller halten wir Umsatzverluste von bis zu 45 Prozent und mehr nicht mehr lange aus", ergänzt der Präsident des Bundesverbandes der Schuh- und Lederwarenindustrie, Carl-August Seibel.
 
Ein Gros der rund 650 deutschen Schuh- und Bekleidungshersteller mit rund 65.000 Beschäftigten sind Traditionsmarken, die oft in dritter und vierter Generation werthaltige Mode und Bekleidung produzieren. "Was uns mit den Lockdown-Maßnahmen und immer mehr Belastungen bei den Energiepreisen und durch gesetzliche Auflagen zugemutet wird, zwingt unsere werthaltige deutsche Modeindustrie in die Knie", so Martina Bandte, Präsidentin des Branchenverbandes Gesamtmasche.

Der Winterlockdown betrifft die Modehersteller noch viel härter als der Frühjahrs-Lockdown, der bis zu 45 Prozent Umsatzeinbrüche zur Folge hatte. Die Finanzdecke ist im Laufe des Jahres für viele Hersteller immer dünner geworden, die Rücklagen sind aufgebraucht.

Es fehlen hierzulande wie auch in vielen Auslandsmärkten die Anlässe, einen neuen Ski-Anzug oder ein neues Kleid im Lockdown zu kaufen. Auch das Online-Geschäft gleiche die Verluste bei Bekleidung und Schuhen nicht einmal im Ansatz aus, so die Verbände einstimmig.

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