Tiscis vereinigtes Königreich von Burberry

Nach dem radikalen Rebranding weht beim bedeutendsten Luxushaus Großbritanniens ein neuer Wind. Am Dienstagabend legte Riccardo Tisci mit seiner ersten Kollektion für Burberry ein vorzügliches Debüt hin.


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Burberry – Frühjahr/Sommer2019 - Womenswear - London - © PixelFormula

Im Herzen des Rebrandings steht das neue, kurvige Burberry-Logo. Für all diejenigen, die es verpasst haben, hinterließ der italienische Designer auf allen Stühlen einen Schal mit dem neuen Emblem in verschiedenen Farbtönen.

Tisci ordnete die Show um das britische Klassensystem herum an. Einleitend zeigte er sehr damenhafte Chiffonkleider und Jacken im Grande-Dame-Stil. Um das Ganze etwas aufzumischen, schickte er auch Punk-Rock-Gören mit auf den Laufsteg, aus seiner Collaboration mit Vivienne Westwood.

Die Show fand in nächster Nähe der neuen US-amerikanischen Botschaft im Herzen des Londoner Quartiers Vauxhall statt. Auf der Einladung stand 17 Uhr, doch das Interesse der Gäste war so groß, dass sie bereits um 16 Uhr bei der Türöffnung in Scharen in das Gebäude strömten.

In den Räumlichkeiten befand sich früher eine Sortierstelle der Post. Zunächst war es sehr düster, doch dann ging der riesige Vorhang vor dem durchsichtigen Welldach auf, und der Raum wurde vom Licht durchflutet. Zu den Klängen des Massive Attack-Songs Unfinished Sympathy wurden verschiedene japanische Papierwände, Ledervorhänge und Sperrholzplatten leise in die richtige Position gebracht. Die Inszenierung war von A bis Z perfekt.

Tisci hat ganze Arbeit geleistet, das sah man der Kollektion an. Die Models kreisten in einem raffinierten Labyrinth umher und trugen tadellos geschnittene Jacken, Plissee-Seidenröcke mit großflächigen Katzenprints und Baseballjacken mit dem neuen Logo. Weiter gab es Bleistiftröcke aus samtigem Leder mit Kaschmirpullover zu sehen, wie auch einen spektakulären Hosenanzug aus grauer Mini-Hahnentritt-Wolle mit Falten-Ärmeln und elastisch gearbeiteten Ellbogenpartien. Besonders bemerkenswert waren mehrere Laser-Cut-Trench-Coats mit elastischen Kummerbunden sowie ein verblüffend geschnittenes Trench-Coat-Kleid mit unzähligen Riemen und Schnallen. Ein besonderer Hingucker war zudem ein Cocktailkleid im fließenden Leopardenstoff, getragen in Kombination mit einer Gürteltasche und einer Leder-Clutch mit wulstiger Goldschnalle in B-Form.

Die Show war gepackt voll mit geschickten Design-Kniffen. So wurde der legendäre beige-rote Plaidstoff in eine Reihe vertikaler Linien vereinfacht und ein neues Accessoire geschaffen – der abgetrennte elastische Ärmel in grauem Hahnentrittmuster oder im klassischen Trench-Coat-Beige.
Der Kreativdirektor entwarf viele weitere fabelhafte Accessoires, so beispielsweise Highheels aus Schlangenleder mit winzigen Medaillons am Absatz und eine schicke Tasche mit dem wulstigen B-Logo.


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Burberry – Frühjahr/Sommer2019 - Womenswear - London - © PixelFormula

"Es ist toll, zurück zu sein! Ich habe schon meine Debütkollektion als Student in London gezeigt, doch diese hier ist ein Stück größer", witzelte der Designer, der ein schwarzes T-Shirt mit einem weiteren neuen Logo – ein T und B, die ineinandergreifen – trug.

"Ich habe London schon immer geliebt und genieße es, wieder hier zu wohnen. London und die eklektische Vielfalt der Stadt inspirieren mich jeden Tag. Und bei jedem Besuch in den Archiven des Modehauses finde ich noch mehr Schönheit in Burberry. Es ist einfach unglaublich!", so Tisci.
 
Im Vorfeld der Show, die er "Kingdom" nannte, veröffentlichte Riccardo Tisci mehrere Posts auf Instagram. Dazu zählten Bilder von ihm selbst und von riesigen Bären mit dem neuen B-Logo in zahlreichen Städten, von Shanghai bis London. Der gebürtige Italiener verpasste auch dem Flagshipstore der Marke an der Londoner Regent Street einen neuen Look. Er bat den Künstler Graham Hudson, eine riesige Installation aus Gerüsten und Betonklötzen zu bauen. Ein Großteil der Kollektion wurde kurz nach der Show in diesem Store zum Kauf angeboten.

Doch gab es auch weniger gelungene Aspekte. Viele der Menswear-Stücke wiesen eine starke Ähnlichkeit zu seinen Givenchy-Entwürfen auf. Das Finale mit der Abendmode – die traditionell eine Schwachstelle von Burberry war – schien etwas stereotypisch. Wenn auch die Show reibungslos ablief und die Kleider alle den Look & Feel von Burberry zum Ausdruck brachten, waren die modischen Statements manchmal zu schnörkellos. Es fehlte etwas vom sexuellen Elan und avantgardistischen Ausdruck, die für Tiscis beste Jahre bei Givenchy in Paris so bezeichnend waren. Die Show hätte zudem mit mindestens einem halben Dutzend Outfits weniger auskommen können.

Unter dem Strich war das Debüt jedoch ein klarer Triumph. Ein neuer Wind weht bei Burberry und die Show war gepackt mit höchst tragbaren, schmeichelhaften und eleganten Entwürfen. Die größte Modemarke Großbritanniens mischt wieder kräftig mit.
 

Übersetzt von Aline Bonnefoy

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