Tokyo Fashion Week stärkt Attraktivität für Branche und Verbraucher

Nach dem Modemarathon der vier Modeschwergewichte sind die Scheinwerfer nun auf Tokio gerichtet. Die Amazon Fashion Week Tokyo 2019 Herbst/Winter wird am Montag, 18. März, gestartet und bietet in ihrem sechstägigen Programm 52 Schauen. Die sechste Ausgabe der von Amazon Fashion unterstützten Veranstaltung weist wieder ein reichhaltiges Angebot an Nachwuchstalenten auf, doch werden auch immer mehr Re-Shows von global aufgestellten Marken wie Koché, Anrealage, Beautiful People und Ujoh gezeigt.


Visual der Amazon Fashion Week Tokyo 2019 Herbst/Winter

Die Tokyo Fashion Week wurde mehrfach für das späte Veranstaltungsdatum kritisiert, das sich negativ auf das Interesse internationaler Käufer auswirkte. Dennoch galt die Veranstaltung als Talentshow für Nachwuchsdesigner aus der Region, die nach ihrem Debüt in Japan nach internationalen Erfahrungen strebten. Doch mit dem ausgeprägten B-to-C-Ansatz von Amazon Fashion wird die Modewoche mehr und mehr zu einer Plattform, die Marken bei den Kunden und in der Branche eine bessere Visibilität verspricht.

Zum Auftakt der Veranstaltung organisiert der japanische Dachverband, die Japan Fashion Week Organization, ein neues Format, das eine Gesprächsrunde und eine Modepräsentation umfasst. Unter dem Namen "Special Presentation 2019AW" werden Moderedakteure, Einkäufer und 200 Verbraucher eingeladen, um sie mit der Modewoche und der Branche vertraut zu machen. Außerdem zeigt die japanische Nachwuchsmarke Noma T.D. ihre Kollektion.

Neu ist in dieser Saison die Teilnahme mehrerer Marken, die regelmäßig an den europäischen Fashion Weeks zu sehen sind. Am Donnerstag präsentiert beispielsweise das französische Label Koché zum zweiten Mal seit 2016 eine Runway-Show in Tokio. Die Marke hat ihre jüngste Kollektion – inklusive einer Collab mit Nike – bereits im Februar in Paris enthüllt.

"Das dürfte eine sehr verspielte Veranstaltung werden", erklärte die Designerin Christelle Kocher FashionNetwork.com Backstage in Paris. "Zu jenem Zeitpunkt können viele News und Collabs angekündigt werden". Für ihre in Paris gezeigte Herbstkollektion 2019 arbeitete sie mit zwei japanischen Wollproduzenten. Im Rahmen einer Begleitmaßnahme des Branchenverbands JFWO, in der Designer mit Produzenten zusammengeführt werden, entstanden 25 Stücke für ihre Kollektion.
 

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Koche – Herbst/Winter 2019 - Womenswear - Paris - © PixelFormula

Auch Anrealage und Beautiful People nehmen nach einer Show an der Pariser Modewoche an der Veranstaltung in Tokio teil. Das Label Ujoh von Mitsuru Nishizaki, das normalerweise in Mailand defiliert, kehrt mit der Capsule Collection "Saldarini Cashmere Flakes by Ujoh" in Zusammenarbeit mit einem italienischen Stoffproduzenten nach Tokio zurück. Alle drei Marken wollen auch einige bisher unveröffentlichte Entwürfe zeigen.

Die Gründe für die Zweitschauen in Tokio sind zwar vielfältig, können aber zum Teil durch die Attraktivität der Veranstaltung für gutinformierte Kunden erklärt werden. Mit ihrer Entscheidung habe sie "Spannung erzeugen" wollen, so Kocher. Für Kunihiko Morinaga von Anrealage stand die Bedeutung einer Präsentation "in Tokio und in Paris" im Vordergrund, "um unsere kreative Vision besser zum Ausdruck bringen zu können". Er erklärte weiter, dass er "in Tokio etwas ganz anderes" zeige. Die Marke will ebenfalls 100 Konsumenten an ihre Show einladen.

Unter den 14 Newcomern der Tokyo Fashion Week befinden sich sechs Finalisten des Tokyo Fashion Award 2019: Anei, Cinoh, Jieda, Nobuyuki Matsui, Postelegant und Rainmaker. Sie organisieren ihre Debüt-Schauen am letzten Veranstaltungstag. Über mehr Erfahrung verfügt der Gewinner des Fashion Prize of Tokyo, Auralee: Das Label organisierte im März bereits eine Präsentation in Paris, und zeigt seine Kollektion nun erstmals in Tokio im Rahmen einer Installation.

Auch aus dem asiatischen Raum reisen viele neue Teilnehmer an: Shushu/Tong aus China China, Wisharawish aus Thailand, Danjyo Hiyoji und Eridani aus Indonesien.
 
Um die Attraktivität der Veranstaltung für die Modebranche zu steigern, arbeitet JFWO zur Förderung der Modewoche mit der Datenanalytik-Firma Launchmetrics zusammen. Die Veranstaltung ist auf der von Launchmetrics für Modefachkräfte eingerichteten Community auf GPS Radar erhältlich. Darüber hinaus wird die Launchmetrics-Software den teilnehmenden Designern zur Verfügung gestellt, um die Shows verwalten und den Gästen eine bessere Erfahrung bieten zu können.

Trotz der sehr interessanten Teilnehmerliste verzichtet die Veranstaltung dieses Jahr erstmals auf die Zusammenarbeit mit der See now buy now-Initiative von Amazon Fashion, "At Tokyo". Diese Zusammenarbeit trug wesentlich zur kreativen und kommerziellen Sichtbarkeit der Modewoche bei. Die Nachricht dürfte viele Designer enttäuschen, die sich seit der sehr erfolgreichen Sacai/Undercover-Show 2017 für eine Teilnahme am Projekt interessierten. Weder Amazon noch JFWO kommentierten die Entscheidung.

Amazon Fashion habe die teilnehmenden Marken und die zum Verkauf angebotenen Produkte jeweils sorgfältig ausgewählt und die Marken in jeder Saison mit einem auf mehrere Hundert Dollar geschätzten Budget unterstützt. Die Entscheidung feuerte Spekulationen an, wonach sich das Unternehmen auf den nächsten Schritt seines B-to-C-Ansatzes konzentriere.

Seit der amerikanische Onlinehandelsriese Hauptsponsor der Veranstaltung geworden ist, entwickelt sich die Tokyo Fashion Week zu einem internationalen sui generis Event. Darüber hinaus erarbeitete sie die zuvor mangelnde kommerzielle Aufstellung. Das Potenzial, über die traditionellen Besucher (Moderedakteure und Einkäufer) hinaus ein Dialog-Hub für Marken und Konsumenten zu werden, zeichnet sich immer deutlicher ab.
 

Übersetzt von Aline Bonnefoy

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