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Veröffentlicht am
27.09.2018
Lesedauer
5 Minuten
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Tom Tailor will in der Womenswear und im Ausland wachsen

Veröffentlicht am
27.09.2018

Tom Tailor hat am Montag erste Einblicke in die Capsule Collection mit Toni Garrn gewährt, die ab Frühjahr 2019 auf den Markt kommen soll. Am Rande der Präsentation im Hamburger Headquarter des Modeunternehmens sprach CEO Dr. Heiko Schäfer mit FashionNetwork.com über Wachstumspotentiale in der Womenswear, die digitale Expansion auf Auslandsmärkten und die saisonalen Folgen des Klimawandels. 

CEO Dr. Heiko Schäfer mit Toni Garrn bei der Präsentation der gemeinsamen Capsule Collection für 2019. - TOM TAILOR


FNW: Was beschäftigt Sie mehr, die sinkende Nachfrage im Modehandel oder die Folgen des Klimawandels?

Heiko Schäfer: Es ist natürlich ein Branchenphänomen, dass sich Saisons nicht mehr genau planen lassen. Danach müssen wir uns alle in der Branche stärker ausrichten. Wir würden uns sicherlich alle freuen, zuverlässig im Oktober Winterjacken verkaufen zu können.

FNW: Ein Patentrezept, um dem zu begegnen haben Sie aber nicht?

Heiko Schäfer: Was man tun kann, ist natürlich die eigene Wertschöpfungskette etwas flexibler zu gestalten, so dass sie in der Lage ist, kurzfristiger auf Schwankungen reagieren zu können. Nichtsdestotrotz werden Sie die Physik nicht aushebeln können. Eine Winterjacke braucht drei Monate Vorlaufzeit bis sie auf der Fläche ist.

FNW: Noch vor wenigen Tagen wurde seitens einiger Finanzmedien die Profitabilität von Tom Tailor in Frage gestellt, vor allem wegen steigender Kosten im Retail und einer angeblich hohen Online-Konkurrenz. Wie sehen Sie das?

Heiko Schäfer: Dass unsere Profitabilität in Frage gestellt wird, wundert mich sehr. Wir verdienen gutes Geld und haben keinerlei Schwierigkeiten, auch nicht, was unsere Liquidität angeht. Tom Tailor ist ein finanziell sehr gesundes Unternehmen.

FNW: Steigende Retail-Kosten und Online-Konkurrenz machen Ihnen nicht zu schaffen?

Heiko Schäfer: Online ist für uns keine Konkurrenz, sondern ein Vertriebskanal wie Wholesale und der eigene Retail auch. Das digitale Geschäft über unseren Online-Shop sowie über Partner wie Zalando oder Amazon funktioniert sehr gut. Wir müssen uns natürlich darauf einstellen, dass das Gewicht dieser Kanäle immer größer werden wird.

FNW: Wird die Gewichtung dann noch mehr dazu führen, dass man im Retail etwas leiser tritt?

Heiko Schäfer: Definitiv. Wir haben in den letzten zwei Jahren 350 eigene Stores geschlossen, vor allem bei Bonita, aber auch bei Tom Tailor. Das ist momentan ja ein branchentypischer Prozess. Wir haben diesen sicher etwas radikaler durchlaufen als manch anderer und jeden einzelnen Standort auf Kundenfrequenz und Umsatz untersucht. Wenn der Laden nachhaltig keine Profitabilität gebracht hat, haben wir entschieden zu schließen. Das ist eine Prozess, den alle durchleben müssen und für uns Teil des normalen Geschäftsgebarens.

FNW: Das sehen viele Mitbewerber sicher sehr ähnlich. 

Heiko Schäfer: Neu ist, und das nicht nur für uns, dass der Traffic generell stärker zurückgeht als erwartet. Selbst hier 'bei uns' in der Mönckebergstraße, einer absoluten Hamburger Toplage, ging die Kundenfrequenz im vergangenen Jahr um sieben Prozent zurück. Vor einem solchen Hintergrund müssen Sie sich natürlich jeden Standort genau anschauen.

FNW: Wird man den Kunden für stationäre Angebote und den Weg in den Store wieder mehr (zurück)gewinnen können?

Heiko Schäfer: Den reinen Online- oder Offline-Kunden gibt es ja nicht. Am Ende geht es darum, beide Welten bestmöglich miteinander zu vernetzen. Insofern geht es um die Frage, wie man Kunden animieren kann, über beide Kanäle hinweg zu shoppen. Die Attraktivität der eigenen Läden muss man dabei immer hoch halten und etwa mit Events am POS und Visual Merchandising kontinuierlich ausbauen.

FNW: Sind Kooperationen und Capsule Collection die richtige Antwort auf sinkende Nachfragen?

Heiko Schäfer: Für mich ist die Zusammenarbeit mit externen, kreativen Partnern ein sehr valides Instrument, sich Inspiration von außen zu holen, aber auch gegenüber dem Konsumenten ein spannungsreiches Storytelling zu betreiben. Wir haben mit solchen Projekten 2017 sicher erst spät angefangen. Aber für mich stellt es vor allem zur weiteren Emotionalisierung der Marke ein valides Mittel dar. Und manchmal macht so eine Zusammenarbeit ja auch einfach wirklich Spaß, wenn Sie an unsere Konzerte mit Revolverheld in Hamburg und Berlin denken. 

FNW: Mit der Capsule Collection mit Toni Garrn und auch insgesamt wollen Sie nun ganz konkret bei der weiblichen Zielgruppe Zugewinne erreichen?

Heiko Schäfer: Absolut. Das Marktvolumen liegt zu zwei Dritteln bei Damenmode. Bei uns ist das Verhältnis derzeit noch fünfzigfünfzig. Außerdem wissen wir aus vielen Marktforschungen bereits, dass ein nicht unerheblicher Anteil von Kundinnen, die bereits bei uns kaufen, gerne einen breiteren Bedarf bei Tom Tailor abdecken würden – mit Kollektionsbestandteilen, die wir heute noch gar nicht anbieten.

FNW: Im Anschluss an die Präsentation mit Toni Garrn findet, wie in allen anderen ihrer Showrooms bundesweit, hier die monatliche Order statt. Welche Erwartungen haben Sie?

Heiko Schäfer: Was wir im Moment beobachten können, ist dass die Einkaufslaune unserer Handelspartner vor dem Hintergrund eines schwierigen Julis und Augusts aber auch Septembers, sehr gedämpft ist. Die Herausforderung besteht darin klar zu machen, dass es nicht um die aktuelle Saison geht, sondern dass wir sechs Monate nach vorne schauen müssen.   

FNW: Was sind die strategischen Ziele für 2019/20?

Heiko Schäfer: Wir wollen unsere Hausaufgaben machen. Das heißt: unser Wachstumspotential ausbauen, indem wir Dinge datengestützt schlicht besser machen, zum Beispiel bei der Sortimentsplanung, bei Preisgestaltung und Rabattmanagement. Ein zweiter Block umfasst den Ausbau unseres Geschäfts durch die Expansion auf neue Märkte. Wir werden unter anderem unsere Online-Shops stärker internationalisieren, vor allem mit Blick auf  Mittel- und Osteuropa. Und auch in Märkten wie Spanien oder Skandinavien wachsen, vor allem durch die Zusammenarbeit mit starken stationären Partnern.

FNW: Die werden vor allem in Europa sein? 

Heiko Schäfer: Für mich gilt ganz klar, nur Energie auf den Märkten einzusetzen, die für uns Sinn machen. In Indien, Südafrika oder in den USA wartet kein Mensch auf Tom Tailor. Viel mehr werden wir neben der Sortimentserweiterung im DOB-Bereich mit der Denim-Division von Tom Tailor verstärkt eine jüngere Zielgruppe der 25- bis 30-Jährigen fokussieren. Bei den jungen Erwachsenen mit Qualitätsbewusstsein und dem Wunsch nach einem gesunden Preis-Leistungsverhältnis sehen wir ebenfalls noch großes Potential für unsere Marken.
 
 
Interview: Rüdiger Oberschür für FashionNetwork.com 

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