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Topshop-Mutter Arcadia bald in den Händen von Shandong Ruyi?

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
today 19.02.2018
Lesedauer
access_time 3 Minuten
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Nachdem bekannt wurde, dass der chinesische Textilriese Shandong Ruyi Bally übernimmt, brodelte die Gerüchteküche. Einem Bericht zufolge verhandle der Konzern die Übernahme von Arcadia, dem Mutterkonzern von Topshop und anderen Modemarken. Aus China kam diesbezüglich jedoch ein Dementi, ein Sprecher des Unternehmens erklärte gegenüber FashionNetwork.com am Montag, dass "Shandong Ruyi keine Übernahmegespräche mit Sir Philip Green führt".


Topshop


Die britische Sunday Times berichtete zuvor von Sir Philips möglichem Vorhaben, "alle oder Teile" von Arcadia zu verkaufen. Damit würde der Milliardär einen Schlussstrich unter seine 50-jährige Präsenz als zentraler Akteur im britischen Einzelhandel ziehen.

Eine gut informierte Quelle erzählte der Zeitung, eine Delegation von Shandong Ruyi habe im Londoner Hauptsitz von Arcadia "Gespräche geführt und die Auftragsbücher eingesehen".

Sir Philip ist jedoch nicht alleiniger Inhaber des Unternehmens und könnte eine solche Entscheidung nicht im Alleingang fällen. Die amerikanische Beteiligungsgesellschaft Leonard Green kontrolliert seit 2012 einen Viertel der Konzernaktien, was bei einer eventuellen Veräußerung von Arcadia relevant sein könnte. Die Sunday Times verwies darauf, dass eine Klausel in Leonard Greens Übernahmevereinbarung "beiden Seiten die Möglichkeit gebe, nach fünf Jahren einen Verkauf oder einen Börsengang des Unternehmens durchzuführen". Die Veräußerungssperre endete im vergangenen Dezember.

Der chinesische Textilkonzern ist für seine Übernahmefreude bekannt und besitzt bereits Anteile an der französischen SMCP-Gruppe (Sandro, Maje und Claudie Pierlot). Die Übernahme von Arcadia würde für die bereits jetzt stark aufgestellte Modesparte von Shandong Ruyi eine enorme Schubkraft darstellen. Arcadia betreibt weltweit 2800 Stores und beschäftigt 26.000 Mitarbeitende.

TOPSHOP IN SCHWIERIGKEITEN

Gerüchte über einen möglichen Verkauf von Arcadia erstaunen kaum. Der Konzern hadert in jüngster Zeit mit widrigen Wirtschaftsbedingungen und selbst das Zugpferd Topshop scheint vor den Schwierigkeiten im weltweiten Modehandel nicht verschont zu bleiben.

Da es sich um einen Konzern in Privatbesitz handelt, stehen nur wenige Informationen über die tatsächliche Wirtschaftsleistung von Arcadia zur Verfügung. Die Sunday Times will aber in Erfahrung gebracht haben, dass der vergleichbare Umsatz bei Topshop in der Weihnachtszeit um fast 11 Prozent eingebrochen ist. Bei Arcadia betrage der Rückgang 6,5 Prozent. Weiter ist die Zeitung überzeugt, die "Situation [habe] sich seither weiter verschlechtert".

Als finanzstarker Konzern wäre Shandong Ruyi deshalb ein Traumkandidat für eine Übernahme, um weitere Geschäftszweige zu erforschen. Shandong Ruyi ist einer der größten Textilkonzerne Chinas und auch weltweit. Er besitzt bereits das Apparel & Advanced Textiles-Geschäft von Invistas Apparel (Inhaber der Lycra-Marke), wie auch Aquascutum, Gieves & Hawkes und Kent & Curwen.


Topshop


Sir Philip Green ist seit Jahrzehnten eine maßgebende Persönlichkeit im britischen Einzelhandel. Er machte seine ersten Schritte in der Modebranche in den 1970er Jahren und übernahm dann die Führung des börsennotierten Discounters Amber Day. Nachdem er von dieser Position wieder verdrängt wurde, überblickte er bis in die späten 1990er Jahre die Marke Sears in Großbritannien. 2000 übernahm er BHS und zwei Jahre später Arcadia. Weiter machte er zwei feindliche Übernahmeangebote für M&S, war damit jedoch nicht erfolgreich.

Sein Ruf wurde stark erschüttert, als er das Unternehmen BHS nach jahrelangen erfolglosen Sanierungsversuchen für ein Pfund an Dominic Chappell verkaufte. Beim darauffolgenden Konkurs des Unternehmens wurde er im Parlament wie auch in der britischen Presse angegriffen und zahlte schließlich nach einer Einigung mit den Regulierungsbehörden GBP 363 Millionen (EUR 410 Mio.) in den Pensionsfonds des Unternehmens.

Laut Sunday Times unterhielt sich Sir Philip Green mindestens seit 2016 mit mehreren Bankangestellten von HSBC über eine mögliche Abspaltung von Topshop von Arcadia. Doch angesichts der ebenfalls defizitären Pensionsfonds von Arcadia dürften weder die Pensionsfondsverwalter noch die Regulierungsbehörden einer solchen Lösung zustimmen, zumal es sich bei Topshop um den wertvollsten Konzernbestandteil handelt.
 

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