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DPA
Veröffentlicht am
30.11.2021
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3 Minuten
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Twitter-Mitgründer Jack Dorsey gibt Spitzenjob auf

Von
DPA
Veröffentlicht am
30.11.2021

Twitter-Mitgründer Jack Dorsey gibt den Chefposten bei dem Online-Dienst auf. Nachfolger soll der bisherige Technikchef Parag Agrawal werden, wie das Unternehmen aus San Francisco am Montag bekanntgab. "Ich habe entschieden, dass es letztendlich Zeit ist für mich zu gehen", schrieb Dorsey auf Twitter. Er habe darauf hingearbeitet, dass sich die Firma von ihren Gründern lösen könne.

Jack Dorsey - Archiv / Reuters / Jim Bourg


Dorsey stand zuletzt seit 2015 an der Twitter-Spitze. Der 45-Jährige gilt als Erfinder des Kurznachrichtendienstes. So hatte Dorsey auch 2006 den allerersten Tweet abgesetzt. Er führte die Firma in der Anfangszeit von Mai 2007 bis Oktober 2008. Danach gründete er den Bezahldienst Square und trat bei Twitter kürzer. Seit der Rückkehr an die Twitter-Spitze führte er beide Unternehmen gleichzeitig – eine Doppelbelastung, die bei einigen Investoren Bedenken auslöste. Dorsey musste geschäftlichen Zielmarken zustimmen, um sie zu besänftigen. Twitter betonte nun, dass es keine Änderungen an den Geschäftsprognosen für die nächste Zeit gebe.

Unter Dorseys Führung gelang es Twitter, weitgehend aus den langjährigen roten Zahlen herauszukommen – auch wenn zuletzt eine Vergleichszahlung nach einer Investorenklage wieder für einen hohen Verlust sorgte. Zugleich kommt Twitter mit seinem Geschäftsmodell, bei dem Werbekunden für Geld Tweets in die Timeline der Nutzer bringen können, nicht annähernd an die Anzeigenerlöse von Facebook heran. Auch bei der Kursentwicklung hinkt Twitter den Großen der Online-Branche deutlich hinterher, was bei Anlegern gelegentlich für Murren sorgte. Zuletzt startete Twitter den Versuch, zusätzliches Geschäft mit Abo-Erlösen zu erschließen.

Zu den Änderungen in Dorseys Zeit gehörte auch, dass die Länge eines Tweets von den ursprünglichen 140 auf 280 Zeichen ausgeweitet wurde.

Im US-Wahlkampf 2020 und der Pandemie ergriff Twitter unter Dorsey eine harte Position gegen Falschinformationen über Impfstoffe und Donald Trumps Behauptungen, der Sieg im Rennen ums Weiße Haus sei ihm durch Betrug gestohlen worden. Dorsey wurde deswegen von den Republikanern in Anhörungen im US-Kongress angegriffen.

Jetzt schrieb er, Technikchef Agrawal sei schon längere Zeit sein Wunschnachfolger gewesen, weil er das Unternehmen und dessen Bedürfnisse verstehe. "Er führte mit Herz und mit Seele", schwärmte Dorsey. Agrawal ist seit 2011 bei Twitter und wurde im Herbst 2017 Technikchef.

Agrawal übernimmt die Firmenspitze sofort. Im Verwaltungsrat will Dorsey noch bis Ablauf seines Mandats im kommenden Jahr bleiben. Neuer Chef des Verwaltungsrats, der in US-Unternehmen neben einer Kontrollfunktion auch die Strategie mitbestimmt, wird der Online-Unternehmer und frühere Facebook-Manager Bret Taylor.

Die Twitter-Aktie sprang zunächst um mehr als zehn Prozent hoch, als der Sender CNBC berichtete, dass Dorsey sich von der Firmenspitze zurückziehen wolle. Nach der Verkündung Agrawals als Nachfolger schmolz das Plus zusammen, dann drehte der Kurs ins Minus. Fest steht, dass Dorsey bei einigen einflussreichen Großaktionären einen schweren Stand hatte. Laut US-Medien versuchte der Hedgefonds Elliott bereits im vergangenen Jahr, einen Chefwechsel durchzusetzen.

Dorsey hatte eigentlich vorgehabt, Twitter für ein halbes Jahr von Afrika aus zu führen – verwarf den Plan dann jedoch nach Gegenwind von Investoren und wegen der Corona-Pandemie. Dorsey, dessen Vermögen im Superreichen-Ranking von "Forbes" auf knapp zwölf Milliarden Dollar geschätzt wird, ist Fan von Kryptowährungen wie Bitcoin und machte zuletzt mit einer Warnung vor "Hyperinflation" von sich reden.

Als Top-Manager ist er eine ungewöhnliche Erscheinung – nicht nur wegen seines langen Barts und seiner Batikshirts. Als Jugendlicher war Dorsey Punker, später machte er eine Ausbildung zum Masseur. Ein Grund dafür, dass er 2008 den Job als Twitter-Chef verlor, sollen Ablenkungen durch Yoga-Kurse und Zeichen-Stunden gewesen sein.

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Medien