Verbraucherverhalten: Vorsichtiger Optimismus in Spanien

Der Schlussverkauf lässt Spaniens Händler aufatmen. Der spanische Bund von Textil- und Accessoire-Händlern Acotex verzeichnet diesen Sommer ein leichtes Plus von 1,5 Prozent auf 2,6 Mrd. Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Landesweit sind dies die einzigen verlässlichen Zahlen. Je nach Region variieren die Ergebnisse.

El Passeig de Gràcia, eine der Haupteinkaufsstraßen in Barcelona

Dieses leichte Wachstum reicht jedoch nicht, um die Saison Frühjahr/Sommer 2013 zu retten – letztlich sind die Umsätze zwischen Februar und Juni um 9 Prozent gesunken. Im Mai und Juni war das Wetter schlecht, die Wirtschaftskrise und sinkende Kaufkraft tun ihr Übriges. Hinzu kommt nach Meinung der Händler, dass die Kleiderschränke der Spanier nach dem Wirtschaftsboom früherer Jahre ohnehin noch gut gefüllt sind.

„Die Verbraucher schauen sich in den Läden um, vergleichen und kaufen dann im besten aller Fälle“, so sehen es viele der befragten Händler. Die Sonne ließ sich dieses Jahr erst spät blicken und half damit den Kunden sich bis zum „klassischen“ Sommerschlussverkauf mit seinen starken Preissenkungen zu gedulden.

Viele Quellen bestätigen, dass der Juli mit einem Plus von 4,8 Prozent positiv ausgefallen ist. Dieser Trend ist vor allem auf gut gefüllte Lager zurückzuführen: Größen und Modelle sind noch wie zum Beginn der Saison vorhanden.

Nach zwei euphorischen Wochen wurde es wieder ruhiger und der August schloss mit minus 4,4 Prozent. Diesen Sommer war es zum ersten Mal erlaubt, auch außerhalb der klassischen Schlussverkaufszeiten reduzierte Sale-Artikel anzubieten. Acotex und Händler sind überzeugt, dass dies der Bekleidungsindustrie schadet, da die Verbraucher wissen, wie es um die Branche bestellt ist und dass Schlussverkäufe nun jederzeit stattfinden können.

In Katalonien sind nach Aussagen regionaler Textilgruppen die Verkäufe während des Schlussverkaufs um 5 Prozent gesunken. Dieses Ergebnis wird nach der schlechten Wintersaison und hinsichtlich der schlechten wirtschaftlichen Situation Spaniens noch positiv bewertet.

Der Beginn des Schlussverkaufs lief mit im Vergleich zu den anderen Jahren sehr starken Reduktionen sehr gut. Aber nachdem die Preise ein weiteres Mal sogar bis auf Rabatte von 70 Prozent herabgesetzt wurden, ging der Verkauf nur langsam weiter.

Corbis

Seit Beginn des Jahres bis Ende August sank die Aktivität der Modegeschäfte um insgesamt 6,7 Prozent. Allein April und Juli konnten sich über jeweils plus 7,9 Prozent und plus 4,8 Prozent freuen.

Nach einer Umfrage der Zeitschrift Global Fashion Export unter 210 Schuhhändlern, verkaufen 60 Prozent der befragten Geschäfte weitaus besser während des Schlussverkaufs als zu normalen Zeiten. Der starke Andrang von Händlern des mittleren bis gehobenen Segments auf TheMicam (15. bis 18. September) lässt auf Optimismus für die Frühjahr/Sommer-Saison 2014 schließen.

Die Händler berichten von drastischen Rückgängen von Bestellungen in den letzten Saisons aufgrund der schlechten Verkaufszahlen und auch davon „qualitative Produkte zu niedrigeren Preisen anzubieten, um die Stammkundschaft zu halten.“

Die meisten Händler betonen die Bedeutung der ausländischen Touristen für ihren Umsatz. Oria Borja, Vorsitzende von Acotex, sieht den Rest des Jahres eher positiv, „zum Teil aufgrund des Weihnachtsgeschäfts. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass die Zahlen besser als für 2012 ausfallen. Vergangenes Jahr stand unter dem negativen Einfluss der Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 21 Prozent im September sowie der Aussetzung der Prämien für Beamte. Beides hielt die Spanier von großen Ausgaben ab.“

Die von FashionMag befragten Händler und Einrichtungen unterwerfen ihren vorsichtigen Optimismus der allgemeinen Entwicklung der Wirtschaft, der Gehälter und eventueller neuer Steuermaßnahmen, die von der Regierung eingesetzt werden könnten, um den Anforderungen der Europäischen Union gerecht zu werden.

Die Vereinigungen der Hersteller schätzen, dass „der schlimmste Teil der Krise vorüber ist. Von jetzt an kann es nur noch besser werden.“

Ein positiver Punkt für die Textilindustrie ist der Aufschwung der Online-Verkäufe. Von Januar bis März sind diese laut IMS um 24,1 Prozent gewachsen. Die Modebranche konnte online ein rekordverdächtiges erstes Quartal mit plus 15,1 Prozent verzeichnen.

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