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Verbraucherverhalten: Frankreich zwischen Sorge und Pragmatismus

Veröffentlicht am
today 25.09.2013
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Zu behaupten, dass 2013 bisher eher schwierig für die französische Bekleidungsindustrie war, wäre geradezu ein Euphemismus. Schlechtes Wetter und sinkende Verbraucherzahlen drücken die Stimmung bei den Händlern. Während sie einerseits auf Besserung hoffen, bereiten sie sich gleichzeitig auf Schlimmeres vor.

Man muss sich nur die Verkaufszahlen des ersten Halbjahres 2013 anschauen, um die schlechte Stimmung der Händler in Frankreich zu verstehen. Minus 0,2 Prozent, minus 5,6 Prozent, minus 11,5 Prozent, plus 5,3 Prozent, minus 8,2 Prozent und plus 2,9 Prozent. Und der gute Aprilwert muss außerdem zu den minus 17 Prozent im Vorjahr ins Verhältnis gesetzt werden, der positive Juniwert hängt vor allem mit dem Start des Sommerschlussverkaufs zusammen. Im Juli schien dann endlich die bis dahin wenig gesehene Sonne und brachte ein Wachstum von 2,6 Prozent.

„Die Frühjahr/Sommer-Saison war für alle schwierig“, sagt Alain Tritter, Direktor der Frankreichabteilung der Holy Fashion Group, die Eigentümer von Strellson ist. „Wenn von den 140 Händlern, mit denen wir zusammen arbeiten, auch nur fünf im Plus sind, ist das schon viel.“

„2013 beläuft sich unser organisches Wachstum auf plus 10 Prozent, insgesamt bleibt es jedoch gleich“, betont Yann Jaslet, Generaldirektor bei Bonobo. „Das Verkäuferverhalten ist jedoch sehr unregelmäßig. Es ist schwierig, die Teams in den Geschäften und die Vorräte danach auszurichten.“ Johan Munck, Leiter des Retails für Esprit Frankreich, sieht das genauso und erklärt, dass die Verkaufszahlen von einer Woche auf die andere ohne ersichtlichen Grund um 20 Prozent wachsen oder fallen können.

Bei allen Händlern, egal wie sie sich geschlagen haben, herrscht eine Frage vor: Was passiert, wenn 2014 genauso aussieht? Man ist mehr als gespannt auf die Zahlen für den Rest des Jahres 2013 – in der Hoffnung, dass sie etwas Erleichterung bringen. Was man bisher weiß, wirft jedoch ganz andere Fragen auf.

„Obwohl das Septemberwetter der Jahreszeit entspricht, sinken die Zahlen weiter. Das Problem liegt also nicht im Wetter begründet, sondern reicht tiefer“, befürchtet Bernard Morvan, Präsident der Fédération Nationale de l’Habillement in Frankreich. „Die Sorgen der Händler drücken auf die Bestellungen. Es wird weniger und dafür öfter eingekauft, in der Hoffnung wieder durchstarten zu können, wenn sich die Situation bessert. Dieses Verhalten wirkt sich natürlich negativ für die Zulieferer aus.“

„Der Idealfall wäre ein langsames Ende der Krise“, so sieht es Daniel Wertel, Vorsitzender des französischen Bündnisses für DOB. „Die französische Politik bringt den Unternehmen im Moment keinen Vorteil. Wenn der Beginn der Wintersaison sonnig ausfällt, ist es kein Wunder, wenn jetzt wenig verkauft wird und die Produkte dann im nächsten Schlussverkauf landen.“

Der erst kürzlich zum Vorsitzenden gewählte Daniel Wertel bringt die Verkaufsprobleme mit den immer wichtiger werdenden Schlussverkäufen in Verbindung – derzeit machen sie 45 Prozent der Verkäufe im Modebereich aus. „Ich kenne die Logik der Händler hinter dieser Vorgehensweise, aber die ist nicht wirksam. Von den zusätzlichen Sales brauchen wir dann auch gar nicht erst zu reden (AdR: In Frankreich gibt es festgelegte Zeiträume, zu denen Händler Preisnachlässe anbieten können).“
Dieses Jahr hat der Ansturm auf den Sale in der Tat einen neuen Höhepunkt erreicht: 44,6 Prozent aller verkauften Womenswear-Artikel waren preisreduziert, im Vergleich zu 29 Prozent in 2007. Die Finanzkrise 2008 und die daraus entstehenden Probleme und Sorgen haben das Kaufverhalten schnell verändert – besonders bei einer Kundschaft, die die Preise in den Geschäften mit den oft niedrigeren Online-Preisen vergleicht.

Der Online-Handel ist jedoch auch nicht vor allem gefeit. Das französische Bündnis der Online-Händler Fevad vermeldet im ersten Quartal minus 7 Prozent bei den Bekleidungsverkäufen im Vergleich zu plus 15 Prozent im Vorjahr.

Auch der gewerbliche Immobiliensektor ist vom schlechten Jahr 2013 betroffen. „Das Ende des Jahres wird den Ton für 2014 vorgeben“, warnt Chris Igwe, Direktor der Retail-Abteilung beim Dienstleister CBRE für gewerbliche Immobilien. „Die Schwierigkeit liegt darin, zu wissen, ob die geplanten Projekte tatsächlich umgesetzt werden. Meiner Meinung nach wird 2014 jedoch nicht schlimmer als 2013. Ein gewisser Optimismus ist vorhanden. Ich glaube nicht daran, dass die Kundenfrequenz in den Läden sinkt, zumindest nicht in den großen Einkaufsstraßen und regionalen Shoppingzentren. In kleineren Städten sieht das schon anders aus. Aber es gibt immer französische Unternehmen, die gezielt in Straßen oder Zentren Fuß fassen möchten, in denen sie bisher nicht vertreten sind. Und die starke Nachfrage aus dem Ausland darf gleichzeitig auch nicht vergessen werden.“

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