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Vinted lebt auf 'großem Fuß' und plant langfristig

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
today 11.10.2019
Lesedauer
access_time 3 Minuten
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2016 hätte Vinted untergehen können. Drei Jahre später ist die App zum unumgänglichen Akteur in der europäischen Second-Hand-Branche aufgestiegen. Doch trotz eines Umsatzes von EUR 1,3 Milliarden bleibt das Geschäftsmodell defizitär. Vinted setzt nun auf Expansion in Europa und will an seinem Bezug zu Second-Hand-Kleidung arbeiten, um die Gewinnzone zu erreichen.


Thomas Plantenga - MG/FNW


"Vinted lebt auf großem Fuß", lacht CEO Thomas Plantenga auf Besuch in Paris am 10. Oktober. "Wir investieren jeden Monat eine Million Euro in den Kundendienst. Aber wir sind überzeugt, dass wir mit einem ausreichend großen Angebot alle unsere Rechnungen zahlen können ". Das Angebot bezieht sich auf die Anzahl Artikel, aktuell rund 120.000. Vinted geht davon aus, dass die zunehmende Größe des Angebots und die Zuverlässigkeit des Dienstes Schlüsselfaktoren für den Erfolg des Unternehmens darstellen.

Mit 23 Millionen Mitgliedern in 11 Ländern verzeichnet das Portal aktuell einen durchschnittlichen Kaufpreis von EUR 15 pro verkauften Artikel. Die Privatpersonen, die auf der Plattform tätig sind, verkaufen durchschnittlich zwei Artikel pro Woche. Und das Zielpublikum ist dem Angebot treu, 80 Prozent der Mitglieder kehren bis einen Monat nach ihrem letzten Besuch auf die Plattform zurück und 60 Prozent in den zwei auf den letzten Besuch folgenden Jahren.

"Frankreich hat uns gerettet", betont Thomas Plantenga, der das Ruder 2016 übernommen hat. Zu diesem Zeitpunkt stagnierte der Umsatz und die Kosten stiegen ins Unermessliche. "Das Geld reichte für 10 Monate. Das Modell funktionierte nicht und wir konnten uns nicht von der Konkurrenz absetzen", erinnert sich der Geschäftsführer. Er entschloss sich für den Sparkurs und löste zunächst die sieben internationalen Büros auf. Die dadurch angestoßenen Überlegungen führten zu einer ganz einfachen Strategie: "Den Kunden glücklich machen".

"Kein Modeunternehmen"

Das Unternehmen entschloss, "den Nutzern mehr Wert zu bieten". Mit einer auf 5 Prozent reduzierten Verkaufsgebühr sollte der Ausbau des Angebots beschleunigt werden. Zudem wurde eine zielgerichtetere Kommunikation eingeführt. Weiter rückte der Service-Aspekt ins Zentrum des Angebots. Nach einem erneuten Versuch in Deutschland unter dem Namen "Kleiderkreisel" greift die Strategie von Vinted schließlich in Frankreich, wo das Angebot explosionsartig ansteigt.


Le portail revendique aujourd'hui 120 000 références - Vinted


"Wir sind kein Modeunternehmen: Von den hier arbeitenden 300 Personen sind die Hälfte Ingenieure und Techniker und die andere Hälfte ist im Kundendienst tätig", fasst der CEO zusammen. "Wir sind nicht hier, um zu bestimmen, was 'modisch' ist, das tun unsere User selbst. Unsere Arbeit besteht lediglich darin, einen einfachen, schnellen und sicheren Ablauf zu gewährleisten". Deshalb arbeitet Vinted mit dem französischen Payment-Unternehmen Mangopay zusammen, über das den Kunden eine integrierte Bezahlungsmöglichkeit angeboten wird, um sie dazu anzuregen, erneut zu kaufen und zu verkaufen.

Zusammenarbeit und Internationalisierung

Mehrere Unternehmen hätten schon bei Vinted angeklopft, um eine Zusammenarbeit anzubieten. Thomas Plantenga ist nicht grundsätzlich gegen diese Idee, er habe aber aktuell keine Zeit dafür. Zur weiteren Entwicklung des Angebots ist er überzeugt, dass diese von sich aus stattfinden wird. "Wir beobachten, wie die angebotenen Produkte ohne unser Zutun immer mehr in das Premium-Segment vorstoßen", erklärt er im Gespräch mit FashionNetwork.com. Diese Verlagerung zeugt für den Geschäftsführer vom Vertrauen, das bei den Kunden entstanden ist.


Vinted a placé le pouvoir d'achat et l'économie circulaire au coeur de sa communication - Vinted


Das Unternehmen verfügt über Büros in Berlin, Warschau und Prag und will Schritt für Schritt in ganz Europa Fuß fassen. Ob darauf Asien oder Amerika folgen? "Ich will die Dienstleistungsqualität in Europa nicht beeinträchtigen, nur weil wir zu schnell ein anderes Ziel gefasst haben. Europa ist eine große Herausforderung", erwidert der CEO. Der Fokus liege zurzeit auf Spanien, Belgien und den Niederlanden. "Langfristig spricht nichts dagegen, aber alles zu seiner Zeit".

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