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Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
29.09.2020
Lesedauer
4 Minuten
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Virtueller Auftakt zur Paris Fashion Week

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
29.09.2020

Die französische Hauptstadt startete am Montag mit einem rein digitalen Programm in die Paris Fashion Week. Am Eröffnungstag standen sechs Designer auf dem Programm, mehrere davon gaben ihr Debüt in Frankreich.

Mame Kurogouchi - Frühjahr/Sommer 2021 - Paris


Mame Kurogouchi
Die japanische Designerin Mame Kurogouchi gab den Startschuss für das Programm mit einem berührenden Video. Gezeigt wurde ein Model, das durch ein Fenster in einer lichtdurchlässigen Shoji-Wand in ihrer Heimatstadt Nagano gefilmt wurde.

Mame Kurogouchis Entwürfe lassen sich als einfühlsame Avantgarde-Mode für Frauen beschreiben. In dieser Saison bedeutete dies Faltenröcke mit durchsichtigen Tops, sichtbare BHs, große Ohrreifen und Glockenhüte in sanften Weißschattierungen. Auch statuenhafte kaiserliche Kleider aus karamellfarbenem Segeltuch und vorzügliche spitzenbesetzte Lehrerinnen-Looks. Abschließen sprühte das Model im Video das ganze Fenster Schwarz ein und beendete dadurch die Show.

Wales Bonner
Grace Wales Bonner ist eine der begabtesten britischen Menswear-Newcomerinnen der vergangenen fünf Jahre. In ihrer Arbeit befasst sie sich mit der Erfahrung ihrer Vorfahren aus der Karibik und aus Afrika. Sie veredelt deren kulturelle Referenzen mit der Eleganz westlicher Schneiderkunst.

In ihrem 5,25 Minuten langem Video gab es zwar nicht sehr viele Entwürfe zu sehen, doch was enthüllt wurde, sah fantastisch aus – von der bravourösen Zusammenführung von Bandleader-Smokings und Baseball-Jacken über die perfekte Umgestaltung von Jockey-Hemden bis hin zu schicken Strick-Bomberjacken. Alle Looks inspirierten sich entfernt am Klassiker The Harder They Come, was der Designerin vorzüglich gelang.

Der von Jeano Edwards geführte Clip unter dem Titel "Thinkin Home" war ein erstklassiger Modeclip und bot einen natürlichen und ehrlichen Ausdruck von Bonners Ästhetik. Dazu mischte die Designerin großartige Looks ihrer Collaboration mit Adidas Originals for Wales Bonner, getragen beispielsweise vom jugendlichen Model, das einleitend auf einer braunen Stute dem Strand entlang ritt.

Das Video wurde in und um Fort Clarence Beach in Jamaika gedreht und die üppige Vegetation am Strand zeugte vom jüngsten Schritt in Bonners Aufstieg von einer talentierten Newcomerin zum echten Star.
 

Wales Bonner - Frühjahr/Sommer2021 - Paris - Photo: Wales Bonner

 
Kimhekim
Der koreanische Designer mit Sitz in Paris drehte sein Showreel in London. Der Videoschnitt erfolgte in Seoul.

Und obwohl er auch als Konzeptkünstler bekannt ist, umfasste die aktuelle Kollektion maßgeschneiderte Kleider. Der Videoclip zeigte einen lebensfrohen Ausschnitt des Lebens in einem viktorianischen Saal in Mittelengland.

Kiminte Kimhekim ist ein fachkundiger Schneider, hat einen guten Sinn für Stoffe und Proportionen. Die Models genossen den Shoot offensichtlich und viele Frauen werden seine kunstvollen Strickkleider mit exotischen Vogel- und Blattdrucken schätzen, wie auch seine mit großen Knöpfen versehene Militärkleidung aus dem 19. Jahrhundert. Doch unter dem Strich war seine Präsentation nicht gerade eine weltbewegende Modeerfahrung.

Situationist
Situationist lässt aus dem sonnigen Georgien grüßen. Der Online-Beitrag der Marke wurde in Straßen, Märkten und Secondhandläden gedreht, vor amüsierten Zivilisten. Die Hosenanzüge für Damen in kräftigem Lila und sündhaft roten poetischen Rockeranzügen für Herren machten Irakli Rusadzes sechste Show in Paris aus.

Mit unerschrocken futuristischen Schnitten, aufmerksamkeitsstarken Abnähern, Säumen im 45-Grad-Winkel sowie kuriosen Aufschlägen und Kragen: Eine einfallsstarke Kollektion des ausgefallensten Talents der Schwarzmeerregion, das es bis nach Paris geschafft hat. Eine Mischung aus Mary Quant und Thom Browne.

Situationist - Frühjahr/Sommer  2021 - Paris


Cecilie Bahnsen
Die moderne Romantik der dänischen Hoffnungsträgerin Cecilie Bahnsen präsentiert von Pelle, dem Eroberer – wieso auch nicht? Riesige Dünen, entlegene Strandwiesen und heftiger Wind beherrschten die unerbittliche Landschaft, durch die die Models marschierten.

Plötzlich gelangten sie in ein riesiges Studio in der Stadt, auch hier in Bahnsens skandinavischer Eleganz, wobei alle aussehen wollten wie Galeriebesitzer, während sie in Wirklichkeit wie Gallerinas wirkten. Sie defilierten vor einem bluesigen Meerespanorama in den Sonnenuntergang, in einem Video, das unerklärlicherweise den Titel "The Summit" trug.

S.R. Studio. LA. CA.
S.R. Studio. LA. CA. ist das Modelabel des kultigen Künstlers Sterling Ruby, der durch seine Freundschaft mit Raf Simons zur Mode fand.

"Keine Souveränität. Keine Empathie … Geh auf meinen Füßen, benetze mich mit Bleiche und Blut … Ende die Tyrannei des großen Drachens des Präsidenten", ertönten die Stimmen von zwei Erzählern in der Videopräsentation der Marke.

Eine einsame Figure kauerte in einem Innen- oder Gefängnishof hin und erhob sich dann, um sich hinter einer Jeans-Leinwand zu verstecken.

Das zur Unterstützung der Bürgerrechtsorganisation ACLU erstellte Video bot eine Überlegung zur Black Lives Matter-Bewegung. Der politische Sinn des Videos blieb zwar etwas im Dunkeln, doch ansonsten war die Beleuchtung hervorragend. Es war kein großes Modestatement, dafür stand Ruby für mehr Gerechtigkeit ein.
 

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