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DPA
Veröffentlicht am
16.10.2017
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BASF will Teile von Bayer übernehmen: Milliarden-Deal wegen Monsanto

Von
DPA
Veröffentlicht am
16.10.2017

Der Chemieriese BASF will vom Rivalen Bayer für eine Milliardensumme Teile von dessen Geschäft mit Saatgut und Unkrautvernichtungsmitteln übernehmen. Der entsprechende Kaufpreis für den Deal, der im Zusammenhang mit der von Bayer geplanten Übernahme von Monsanto steht, beträgt 5,9 Milliarden Euro in bar, wie die Vertragspartner am Freitag mitteilten. "Mit dieser Investition ergreifen wir die Gelegenheit, äußerst attraktive Geschäftsfelder in wichtigen Feldkulturen und Märkten zu erwerben", sagte BASF-Vorstandschef Kurt Bock.

Archiv


Es wäre laut BASF die größte Übernahme des Unternehmens in der jüngsten Zeit. Der bislang größte Zukauf der Firmengeschichte war die Übernahme des US-Spezialchemie- und Katalysatorenherstellers Engelhard. Den hatten sich die Ludwigshafener im Jahr 2006 rund fünf Milliarden US-Dollar kosten lassen.
Der Deal mit Bayer soll aber nur zustande kommen, wenn dem Pharma- und Chemiekonzern aus Leverkusen die geplante Übernahme des Saatgut- und Agrarchemiekonzerns Monsanto aus den USA tatsächlich gelingt. Der Teilverkauf an BASF soll den Weg für die Genehmigung durch die Kartellbehörden ebnen. Die Leverkusener hoffen, dies Anfang 2018 abschließen zu können. Dann soll auch der Teilverkauf an BASF vollzogen werden. Damit verbunden ist die Übernahme von mehr als 1.800 Beschäftigten von Bayer vor allem in den USA, Deutschland, Brasilien, Kanada und Belgien.

Im Südwestrundfunk (SWR) versicherte Bock, es gehe bei dem Geschäft nicht "in erster Linie" um Einsparungen und den Abbau von Mitarbeitern. "Bei dieser Akquisition geht es nicht darum, in erster Linie Kosten rauszunehmen und die Anzahl der Mitarbeiter zu reduzieren", sagte er. Man freue sich auf die neuen Mitarbeiter, die man auch brauche, "weil wir dieses Geschäft wachsen lassen wollen". Sie brächten große Erfahrung in Forschung, Entwicklung, Marketing und Verkauf mit, das ergänze das vorhandene Wissen bei der BASF.

Mit der Übernahme stärkt die BASF ihre Agrochemie-Sparte im Wettbewerb, der durch eine Fusionswelle in der Branche verschärft wird. Nun hat BASF nach eigener Darstellung die Möglichkeit, ihr Pflanzenschutzgeschäft zu erweitern, ihr Herbizid-Portfolio auszubauen und in wichtigen Agrarmärkten in ein eigenes Saatgutgeschäft einzusteigen.

Das Unternehmen will sich Bayers globale Unkrautvernichter-Sparte mit dem Wirkstoff Glufosinat-Ammonium einverleiben, außerdem Teile des Saatgutgeschäfts für Feldkulturen in einzelnen Märkten. Dazu zählen Raps in Europa, Baumwolle in Nordamerika, Südamerika und Europa sowie Soja in Nord- und Südamerika.

Die Transaktion beinhaltet das geistige Eigentum, die Standorte und den Übergang von mehr als 1.800 Beschäftigten vor allem in den USA, Deutschland, Brasilien, Kanada und Belgien an BASF. Die Ludwigshafener rechnen mit einem Gewinnbeitrag ab dem Jahr 2020.

Die betroffenen Bereiche kamen 2016 den Angaben zufolge auf einen Umsatz von rund 1,3 Milliarden Euro. Der operative Gewinn betrug 385 Millionen Euro. Insgesamt erzielte Bayers Agrarsparte Crop Science einen Umsatz von 9,9 Milliarden Euro und lieferte beim Konzern ein um Sondereffekte bereinigtes Betriebsergebnis von 2,4 Milliarden Euro ab. Ende 2016 beschäftigte die Sparte etwa 22 400 Mitarbeiter.

Die Übernahme sei "eine strategische Ergänzung" des BASF-Pflanzenschutzgeschäfts und der Biotechnologie-Aktivitäten, sagte Bock. Das für das Segment Agricultural Solutions zuständige Vorstandsmitglied Saori Dubourg sagte, nun könne man Landwirten eine größere Auswahl an Lösungen anbieten und den Bedarf an hochwertigem Saatgut sowie chemischem und biologischem Pflanzenschutz besser decken.

Bock hatte bereits im April erklärt, es gebe Interesse, das strategisch wichtige Pflanzenschutzgeschäft weiter zu stärken. "Dazu zählen Akquisitionen, das können wir uns durchaus vorstellen", sagte er damals. 2016 hatte die BASF-Agrochemie, zu der neben Pflanzenschutz auch Saatgutbehandlung, Wasser-Management und andere Produkte gehören, knapp 5,6 Milliarden Euro umgesetzt.

In diesem Bereich drohte das Unternehmen angesichts der Fusionen von Konkurrenten zurückzufallen. Die US-Großkonzerne Dow Chemical und Dupont haben inzwischen fusioniert. Außerdem wurde der Schweizer Agrochemiekonzern Syngenta von dem chinesischen Staatskonzern ChemChina übernommen. Zudem stand die Monsanto Übernahme durch Bayer im Raum. BASF hatte betont, sich alle Verkäufe, die durch die Fusionen entstehen, ansehen zu wollen.

BASF müsse zwar einen "saftigen" Preis zahlen, strategisch sei die Transaktion aber sinnvoll, schrieb Analyst Knud Hinkel von der Equinet Bank in einer ersten Einschätzung zu dem Deal. Denn nun könnten die Ludwigshafener ihr Pestizidgeschäft, in dem sie bereits zu den Marktführern zählten, mit dem Saatgutgeschäft zusammenführen.

Ähnlich sah es Aaron Gal vom Investmenthaus Bernstein: "In der Branche geht das Geschäftsmodell dazu über, Chemikalien zusammen mit dem Saatgut zu verkaufen", schrieb der Analyst. Für BASF sei der Zukauf die letzte Möglichkeit gewesen, im Saatgutgeschäft in ausreichender Größe Fuß zu fassen.
Mit der Übernahme des umstrittenen Monsanto Konzerns für 66 Milliarden US-Dollar will Bayer zum größten Saatguthersteller der Welt aufsteigen. Schon deshalb war zu erwarten, dass das Unternehmen das meiste seines bisherigen Geschäfts in diesem Bereich behalten möchte und nur einzelne Teile abgibt.

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