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New York Fashion Week auf Sparflamme?

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
today 02.02.2018
Lesedauer
access_time 3 Minuten
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Keine andere Modehauptstadt weltweit kann eine längere Fashion Week vorweisen als New York. Und dennoch dürfte am Montag beim offiziellen Beginn der Veranstaltung unter Moderedakteuren und Einkäufern in dieser Saison das Gefühl eines geschrumpften Angebots aufkommen.

Calvin Klein – Frühjahr/Sommer 2018 - Womenswear - New York - © PixelFormula


Insgesamt sind auf dem offiziellen Kalender des amerikanischen Modeverbands, Council of Fashion Designers of America (CFDA), 136 Schauen aufgeführt. Blickt man jedoch nur wenige Jahre zurück, lag diese Zahl viel höher, 2015 waren es zum Beispiel 180 Shows.

Dazu kommt, dass der CFDA Ende 2017 die Menswear-Ausgabe im Januar absagte, und sie mit der nun präsentierten Damenmode zusammenschloss. Somit stehen zunächst vom 5. bis 7. Februar hauptsächlich Menswear-Kollektionen auf dem Programm, darauf folgen sieben Tage mit den neusten Womenswearkollektionen. Letzter Veranstaltungstag ist der 14. Februar. Mit bis zu 20 Shows an einem Tag dürfte es im verkehrsüberlasteten Big Apple auch für die höchstmotivierten Besucher ein Ding der Unmöglichkeit sein, allen Veranstaltungen beizuwohnen.

New York scheint sich noch nicht vom Verlust vier abtrünniger Marken erholt zu haben – Proenza Schouler, Rodarte, Thom Browne und Altuzarra kehrten den amerikanischen Laufstegen 2017 den Rücken zu und defilierten in Paris. Vor einer Woche kam ein weiterer herber Schlag hinzu: Der medienwirksame Designer Alexander Wang verkündete, er wolle nicht mehr an der Fashion Week teilnehmen und seine Shows im Juni und im Dezember veranstalten. Die Ankündigung verursachte allgemeine Verwirrung und schürte Gerüchte, wonach die Kritik nach seiner seltsamen und selbstgefälligen Show erste Kratzer an Wangs Ruf hinterließ und seine Geschäftstätigkeit negativ beeinflusste.

Auch wenn der CFDA einer zeitlichen Verschiebung der Veranstaltung nicht abgeneigt wäre, scheint die Idee allgemein auf wenig Begeisterung zu stoßen. Jüngste Enttäuschung für die Veranstaltung: Die Absage der Designerin von Marchesa, Georgina Chapman. Die Entscheidung steht im Zusammenhang mit dem Skandal um ihren Ehemann Harvey Weinstein, von dem sie sich distanziert hat.

Weiter glänzt auch die im Bereich See Now-Buy Now vielversprechende Marke Tommy Hilfiger zum dritten Mal mit Abwesenheit. Das Label bevorzugt es, nach Abstechern nach Los Angeles und New York im Februar in Zusammenarbeit mit Gigi Hadid in Mailand zu defilieren. Auch die vorzügliche Avantgarde-Marke Delpozo des spanischen Designers Josep Font, die in der Vergangenheit mit Shows am Hudson River Erfolg hatte, bevorzugt in dieser Saison den Veranstaltungsort London. Unter dem Strich wurden in jüngster Vergangenheit in New York – mit Ausnahme von Monse und Sies Marjan – nur wenige brandheiße neue Designstars entdeckt.

Dennoch zieht New York noch immer einige Schwergewichte der Branche an – Calvin Klein, Michael Kors, Coach, Marc Jacobs und Ralph Lauren. Letzterer scheint nach zwei Generationen als Fahnenträger der amerikanischen Mode als Sprachrohr der Millennial-Jugend ausgedient zu haben, insbesondere im zentralen Zukunftsmarkt China. Auch Marc Jacobs hat mit schwindenden Verkaufszahlen zu kämpfen, wenn auch der neue CEO Eric Marechalle alles daran setzt, dagegen anzusteuern.

Tom Ford und Boss Menswear ließen sich in dieser Saison vom Standort New York überzeugen und zeigen ihre Mens- und Womenswear-Mode separat im Big Apple. Auch das elegante Herren-Label Bottega Veneta aus Italien wird anlässlich der Eröffnung eines neuen Flagship-Stores an der Madison Avenue 740 in New York defilieren.

Festzustellen ist ein Trend hin zu Präsentationen im kleineren Rahmen. Das Label Narcisco Rodriguez, das in Zusammenarbeit mit Barneys soeben eine stilvolle Jubiläumskollektion zum 20. Geburtstag launchte, hält ein kleine, aber feine Veranstaltung in Salon-Form ab. Adam Lippes begrüßt seine geladenen Gäste in seinem neuen Zuhause in einem eleganten Gebäude in Brooklyn mit Sicht auf den New Yorker Hafen. Und Rosetta Getty zeigt ihre plastische Mode in ihrem Loft-ähnlichen Studio im Stadtviertel Tribeca.

Eine willkommene Erinnerung an einige Designer, dass Raffinesse wichtiger ist als Berühmtheit.

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