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Ralph Lauren: Zum 50. Jubiläum ein Aufruf zu einem inklusiven American Dream

Veröffentlicht am
today 09.09.2018
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Man kann von einem Home-Run sprechen. Das ist das einzige ernsthafte Urteil, das man nach einer großartigen Show zum 50-jährigen Jubiläum von Ralph Lauren im Central Park machen kann.

Ralph Lauren - Frühjahr/Sommer 2019 - Womenswear - New York - © PixelFormula


Es war eine Show, die auch ein zeitgemäßes Statement über die Begrüßung von Inklusion darstellte, über die Akzeptanz von Immigration und über den Respekt für alle Kulturen, von dem Mann, der fraglos Amerikas bedeutendster Designer ist.

In seinem klassischen Waspy-Blazer und den abgetragenen Jeans verbeugte sich Ralph am Schluss, Hand in Hand mit einem jungen Kind mit Dreadlocks. Die Tränen zurückhaltend, musste er sich praktisch den Laufsteg entlang kämpfen, während das Publikum einen fünfminütigen Applaus entfachte.

Eine grandiose Show, wo Hillary Clinton ihre Aufwartung machte. Wo Oprah Winfrey einen Toast in einer wunderbar witzigen Rede anbrachte, wo mehrere Filmstars mit einer Unmenge von VIPs auf Tuchfühlung gingen. Wo Bruce Springsteen mit Ralph posierte und Jessica Chastain mit Imogen Poots anstieß oder Tom Hiddleston mit Pierce Brosnan per Du waren und wo Hillary Clinton mit Tony Bennett plauderte.

"Hallo, mein Name ist Oprah. Ich würde gerne auf Ralph Lauren anstoßen. Was für ein Triumph, dazu fähig zu sein, in einer halben Stunde 50 Jahre außergewöhnlicher Mode einkapseln zu können. Der wahre Grund, warum wir alle hier sind, ist nicht die Show, sondern Ralph Lauren, wegen der 50 Jahre andauernden Kreierung unserer Träume, 50 Jahre, in denen Du unsere Ambitionen anregtest und 50 Jahre lang den Sinn für den Wert und die Gesundheit von Glamour stiftetest. Deine Geschichte ist auch unsere kollektive Geschichte. Die Tatsache, dass du, ein Junge aus der Bronx, in der Lage warst, die Vision von großen Krawatten zu haben und sie Dir nicht von Bloomingdales stehlen zu lassen! Und das in eine gigantische Firma zu verwandeln, die ihre Tentakeln in die ganze Welt ausstreckt", sagte Winfrey unter viel Gelächter und Applaus.

Die Show wurde unter der mit Ziegeln gedeckten Pracht von Bethesda Terrace im Zentrum des Central Park inszeniert. Hoch aufragende neoklassizistische Bögen und ein Laufsteg aus abgenutzten Teppichen, ganz mit den Leitmotiven von Laurens DNA in Einklang – verblichener Glanz und bröckelnde Eleganz.

Er eröffnete die Show mit einem Einzel-Look, der sein eigenes Modekonzept umriss: ein amerikanischer Optimismus, der all seine Wurzeln und neueren Ankünfte umarmte. Ein locker getragener Western-Cardigan mit markantem Karomuster über einem sexy silbernen Trägerkleidchen, beide von einem New Mexican-Cowboy-Gürtel unterbrochen und dazu – mit einem Nicken Richtung Innenstadt – mit falschen Leoparden-Booties.

Nur bei Ralph Lauren wird ein geschmeidiges Velours-Kleid mit einer lässigen Strickjacke und einer Beanie-Mütze kombiniert. Oder wunderschöne Patchwork-Samtröcke mit Sioux-Krieger-Cloche-Hüten. Ralphs Mischung aus lässig und opulent, ethnisch und patrizisch, kann jemals von einem anderen Designer zusammengestellt werden.

Für die Männer: Patchwork-Wolldecken-Mäntel über Leder-Biker-Hosen oder fürstliche Tartan-Mäntel und -Westen, dazu Wanderschuhe oder Dinner-Party-Slippers aus Samt. Viele Tops und Jogginghosen trugen die grafische Aufschrift "Class of 67", bezugnehmend auf das Jahr, in dem er seine erste Krawattenkollektion verkaufte. Lauren integrierte auch seine Polo und Ralph Lauren Sport Linien. Als die Show ihren Höhepunkt erreichte, marschierten viele der Models mit Kindern (einige von ihnen mit den eigenen Nachkommen), unter allen viele von unterschiedlichen Rassen, Wurzeln und Ursprüngen.

Ohne Zweifel sorgte seine Model-Besetzung – jung, alt, schwarz, weiß, Latinos, Asiaten, Afrikaner, einige gealtert oder andere reich beschenkt durch alle Möglichkeiten der Jugend – für ein sehr politisches Statement, ein integrativer Gegenstoß zur vulgären Burleske des heutigen Washington. Der gegenwärtige Präsident wurde nie erwähnt, als ob sein Name ein Kraftausdruck wäre.

Praktisch gab es einen Designer-Auflauf: Calvin Klein, Tommy Hilfiger, Diane von Fürstenberg, Tory Burch, Michael Kors, Donna Karan und John Varvatos.

"Es ging nicht nur um die Kleidung, es ging um ein Statement, das gemacht werden musste", sagte von Fürstenberg. Hilfiger fügte dem hinzu: "Eine schöne Kollektion und ich liebte jeden Look. Und ich stimme dem zu, was Ralph mit dieser Show klar geäußert hat." 

Ralph Lauren - September 2018 Kollektion - Photo: PixelFormula


Einen Tag, nachdem sich Barack Obama gegen die "Politik der Angst und des Grolls" ausgesprochen hatte, war dies mit Hilfe der Mode eine wunderschöne visuelle Aussage der Inklusivität.

Sogar der Soundtrack sprach Bände, von Bob Dylans "She Belongs To Me" über Neil Diamonds "The Jazz Singer" bis hin zu einem Remix von Bruce Springsteens "Secret Garden", der aus dem Soundtrack des Films "Jerry Maguire" von 1996 stammt. Alles ein perfekter Ausdruck der Sehnsucht, der Liebe und des brutal ehrlichen Realismus der amerikanischen Musik.

Nach der Show speisten rund 500 Gäste an mit Blumen, Kerzen, feinem Porzellan und Kristallgläsern bestückten Tischen, sogar als Regen auf den berühmten Park niederfiel.

Mode mag nur von Kleidung handeln, aber wie alle kreativen Bestrebungen ist sie auch ein Ausdruck unserer Zeit. Und Lauren, wenn auch nie eine direkte politische Aussage machend, fasste die Stimmung des Großraums New York zusammen: dass diese Aufspaltung und das Finden von Sündenböcken für die heutigen Probleme ein Unding sind.

Mit einem Wort: Diese Show war eine edle Expression des American Dream, mit all seinem Optimismus. Es fühlte sich an wie das New York Fashion Week-Pendant zu John McCains kürzlicher Beerdigung in Washington, wo anständige Menschen aufstehen und das Richtige tun.

"Central Park ist New York. Ich lebe darin und ich liebe es. Ich fühlte, dass es das ist, was ich tue. Dies ist das Leben, an dem ich gerne teilnehme", sagte Lauren gegenüber FashionNetwork.com.

"Ich hatte etwas über Amerika zu sagen. Es sind nicht die Kleider, sondern der Spirit, den ich fühle", sagte der Designer, bevor er seine Karriere zu reflektieren begann: "Ich hatte nie irgend einen Masterplan. Ich wusste nur, dass ich hart arbeiten müsste. Ich wollte mein eigenes Ding machen und meinen Lebensunterhalt verdienen, damit ich eine Familie haben könnte. Das ist alles. Ich hatte keinen Masterplan. Ich hatte Glück. Ich bin bescheiden, aber arrogant. Vielleicht besser nicht arrogant, sondern selbstbewusst. Genießt die Nacht!" sagte er.

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