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Werbung

Vente-privée-Chef will deutschen Markt langsam erobern

Von
DPA
Veröffentlicht am
today 10.02.2014
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Paris - Haare bis auf die Brust, offenes Hemd, Ringe und Ketten. Auf manche wirkt er wie ein Rocker - aber da ist kein Motorrad. Jacques-Antoine Granjon lässt sich lieber im Bentley vorfahren. Auch sein Erfolgsunternehmen vente-privee.com im Pariser Vorort Saint Denis steckt voller Überraschungen. Manch zeitgenössisches Museum könnte vor Neid erblassen: Die Wände des alten Fabrikgebäudes, Büros, selbst überfüllte Lager- und Arbeitsstätten sind gespickt mit Originalen internationaler Gegenwartskünstler. Das riesige Büro des Chefs gleicht einem Lager erstklassiger Kunstwerke.

Der CEO von Vente-Privée Jacques-Antoine Granjon während einer Firmenbesichtigung mit François Hollande


In diesem Umfeld steuern Granjon und seine Mitarbeiter seit 2001 sogenannte Flash Sales im Internet: In zeitlich befristeten Aktionen für registrierte Mitglieder werden deutlich herabgesetzte Restposten meist bekannter Marken verkauft. Mit Erfolg. vente-privee.com ist heute internationaler Marktführer unter den Shopping-Gemeinschaften. Im jüngsten Geschäftsjahr 2013 stieg der Umsatz um 23 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Erlös nach Steuern: jährlich zwischen fünf und sechs Prozent vom Umsatz.

Das Angebot reicht vom T-Shirt bis zum Auto. «Wir verkaufen Konzerte, Tickets, Reisen, Wein», sagt Granjon. Umgeschlagen wird vor allem, was in den Geschäften liegenbleibt. Der Erfolg hängt von der Zahl der Nutzer ab. Bis zu drei Millionen Besucher klicken täglich auf vente-privee.com. In acht europäischen Ländern und den USA hat die Einkaufsgemeinschaft inzwischen 20 Millionen Mitglieder, davon 1,3 Millionen in Deutschland.

Granjon ist immer noch Herr im unternehmergeführten Haus, auch wenn mit der Qatar Holding nach Summit Partners ein weiterer Investor im Unternehmen steckt. Über Anteile sagt Granjon nichts. Nach Verkauf anderer Shareholder und eigenen Zukäufen habe er heute «mehr Macht im Unternehmen - wenn das überhaupt möglich ist». Über Beteiligungen der Qatar Holding an Luxusmarken oder dem exklusiven englischen Warenhaus Harrods verspricht sich der 51-Jährige Zugang zu den für Flash Sales so wichtigen Labels. «Alles hängt ab von der Qualität des Angebots.»

Für den umkämpften deutschen Markt setzt Granjon auf «Vertrauen, Qualität, Kreativität - das mögen die Menschen in Deutschland». Was sie dort auch mögen: eine Jeans in drei Größen kaufen - und zwei zurückschicken. «Wenn die Rückläufe in Deutschland zu hoch werden, dann machen wir dort zu», drohte Granjon noch 2013. Nun kann er - wie in anderen Ländern - von Mitte des Jahres an die Retourkosten bei den Kunden in Deutschland belassen.

Auch auf dem deutschen Markt liegt der Hauch von exklusivem Luxus nur einen Klick neben dem Mief der Schnäppchenjäger. Brands4friends, 2010 von Ebay übernommen, sieht sich mit fünf Millionen Mitgliedern als führend bei Fashion und Lifestyle. Groupon oder Dailydeal arbeiten mit regionalen Angeboten. JustBook, auf Hotelzimmer spezialisiert, sah sich selbst «quasi an der Wachstumsgrenze» und ließ sich 2013 vom internationalen Wettbewerber Secret Escapes übernehmen. Andere Startups in diesem Segment sind längst wieder verschwunden.

Werbung und schnelle Erfolge der Konkurrenz in Deutschland erkennt der Franzose Granjon durchaus an. «Aber das ist ein anderer Weg, ein Unternehmen zu entwickeln.» Er glaube an sein französisches Erfolgsmodell, «das keine Werbung braucht, sonst sind wir nicht profitabel». Aber nur mit Hinweisen zufriedener Kunden wächst die Bekanntheit langsamer. Dennoch: «Empfehlungen, Kreativität, Service - das entwickeln wir weiter, das ist Teil unserer DNA.»

Direkt vor seinem Staatsbesuch in den USA schaute Frankreichs Präsident François Hollande in der vergangenen Woche bei Vente-privée in Saint-Denis rein. «Es ist super, dass Hollande in die USA geht und Investoren in Silicon Valley trifft», sagt Granjon. Erfolgreiche Startups gebe es auch vor der Haustür des Élysée: «Wir sind wie eine Silicon-Valley-Company - aber in Frankreich.»

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